Bulgurburger und giftgrünes Curry

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Diese Woche hat sich jetzt-Mitarbeiterin Charlotte Haunhorst die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.

Montag:

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Illustration: Julia Schubert


Bis ich 14 war, habe ich nie etwas anderes als Spaghetti Bolognese beim Italiener bestellt. Auch heute noch herrscht an meinen Geburtstagen die Bolognese-Diktatur. Wenn es dazu keine halbe Meter Spaghetti gibt (die verdammt nochmal niemand kleinschneiden darf, das ist ein Sakrileg!) werde ich unleidlich. Heißt im Umkehrschluss: Mit Nudeln Bolognese macht man mich ziemlich glücklich. Dementsprechend ziemlich klug von meinem Freund, bei dem ich gerade zu Besuch bin, mir dieses Essen zu kochen. Als Neuerung ist heute Sellerie in der Soße, dafür hat er auf Rotwein zum Ablöschen des Fleisches verzichtet. Dazu gibt's einen Salat mit Speck und Honig-Senf-Soße.

Dienstag:

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Illustration: Julia Schubert


Gestern gabs mein Lieblings-Kinderessen, heute kommt die Erwachsenen-Variante: Bandnudeln mit Schweinefllet in Gorgonzolasauce. Ist so dekadent wie es klingt, aber weil mein Freund und ich uns so selten sehen, hauen wir auf den Putz. Bei mir wird das Fleisch immer trocken und schrumpelig, er hat's hingegen raus mit der perfekten rosa Färbung. Dafür habe ich zum Nachtisch gebacken - Schokoladentarte. Man haut dafür quasi Mousse au chocolat auf einen Mürbeteigboden und backt das ganze 45 Minuten. Die Schoki-Creme läuft dann noch warm raus wenn man den Kuchen anschneidet. Ich war so glücklich und vollgefuttert, dass ich beim anschließenden Theaterbesuch fast einschlief. Aber nur fast.

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Illustration: Julia Schubert



Mittwoch:

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Illustration: Julia Schubert


Mein Freund wohnt in einer WG, in der alle gerne kochen und Ahnung von Lebensmitteln haben. Dementsprechend gibt es hier jede Menge Gewürze, volle Einmachgläser und Haushaltsgeräte. Die Königin der Haushaltsgeräte ist eine Häckselmaschine, die ein Mitbewohner auf einer Tombola gewonnen hat. Seitdem wird alles gehäckselt und gematscht, was da irgendwie reingeht. Passend also, dass es heute Hummus und Bratlinge gab, dazu die restlichen Nudeln von gestern. Hauptbestandteil der Bratlinge war Bulgur, vor dem ich seit einem Semester in Frankreich eigentlich eine Phobie habe. Französischen Mensen sind superbillig, das einzig Genießbare war dann aber immer nur der Bulgur-Salat. Nach einem halben Jahr Auslandsaufenthalt konnte ich das Zeug nicht mehr sehen. Heute war ich allerdings positiv überrascht, wie gut es doch schmeckt. Nach dem Essen ging es dann schnell zurück mit dem Auto nach München, morgen geht immerhin die Journalistenschule wieder los.

Donnerstag:

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Illustration: Julia Schubert


Zurück in München, zurück im kulinarischen Alltag: Ich war von neun bis halb acht in der Schule, das Mittagessen fiel wegen Schnittstress beim Übungsfilm aus. Stattdessen wurde die Konzentration mit Kinder Pingui und Apfelstrudel hochgehalten. Schnell noch einkaufen, bevor um acht die Läden schließen - daran werde ich mich in Bayern einfach nie gewöhnen. Manchmal erwische ich mich sogar dabei, wie ich anderen Bundesländern erst um 22 Uhr einkaufe - einfach, weil ich es kann. Heute Abend bin ich dann sehr dankbar, dass mein Freund in der WG auf mich wartet und mir den Rest Bulgurpampe von gestern zu einem Burger brät. Es ist noch massenhaft da, aber nach dem Essen meldet sich die Bulgurphobie und ich mag nicht mehr.

Freitag:  

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Illustration: Julia Schubert


Pesto ist für mich seit dem Studium ein Grundnahrungsmittel - als ich noch zuhause wohnte, gab es das aus unerfindlichen Gründen nie bei uns. In den ersten Semestern haben ich und meine damalige Mitbewohnerin somit von Penny-Pesto aus dem Glas und dazu ein Pfund 49 Cent Nudeln gelebt. Seit ich weiß, wie man Pesto selber macht, ist allerdings alles noch viel besser. Diese Variante ist mit Rucola, Parmesan, Sonnenblumenkernen, Knoblauch und Öl. Da in meiner WG allerdings keine königliche Häckselmaschine sondern nur ein simpler Standmixer steht, war das Kleinkriegen ein ziemlicher Kampf. Vermischt mit dem Pesto gibt's dann noch Tomaten, Feta und angebratete Chorizo. Den Fisch-Salzstreuer auf dem Bild habe ich allerdings von meiner ehemaligen Mitbewohnerin zum Umzug nach München bekommen - eine Hommage an die Penny-Zeiten.

Samstag:

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Illustration: Julia Schubert


Ich habe ein Curry-Kochbuch geschenkt bekommen und das soll heute endlich eingeweiht werden. Erste Hürde: Man brauch für alles Gewürze, von denen ich noch nie gehört habe. Zweite Hürde: Viele der Currys müssen über Nacht ziehen. Ich habe aber jetzt Hunger. Also entscheiden wir uns für ein Koriander-Curry mit Hühnchen, das angeblich schnell geht. Im Supermarkt lerne ich, dass die Blüte von Muskatnuss ein eigenes Gewürz ist, das man für acht Euro pro zehn Gramm verkaufen kann."Macisblüte" heißt das dann und schmeckt -natürlich- total enttäuschend wie stinknormale Muskatnuss. Das Curry wurde trotzdem köstlich und vor allem giftgrün - buntes Essen gefällt mir immer besonders gut.

Sonntag:

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Illustration: Julia Schubert


Tag Zwei aus dem Curry-Buch: Es gibt eine Suppe mit Kokosmilch, Hühnchen und Kartoffeln. Ich habe sogar eine frische Kokosnuss gekauft, dann aber doch nicht die Muße sie zu zerdeppern. Wenn man dieses ganze sahnige Zeug nicht mit reinschüttet, schmeckt die aus der Dose auch okay. Parallel zum Essen muss ich allerdings noch einen Text fertig bekommen, dementsprechend bin ich dankbar, dass mein Freund kocht und abwäscht. Den Tatort verpassen wir deshalb beide, soll ja aber wie so oft nicht doll gewesen sein.

Auf der nächsten Seite liest du den Kosmoskoch-Fragebogen von jetzt-Mitarbeiterin Charlotte Haunhorst.




Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Das schwankt sehr. Zuhause bin ich klassisch zu drei Mahlzeiten am Tag erzogen worden, die man dann gemeinsam am Tisch einnimmt. Gleichzeitig wuchs ich mit drei Geschwistern auf, es gab also immer "Konsens-Essen", das allen schmeckte. Keine großen Experimente, dafür große Mengen. Im Studium ist das dann alles ein wenig eingeknickt, wenn ich alleine bin kann ich auch tagelang von Brot und Eiscreme leben. Sobald ich allerdings Besuch habe oder im Urlaub bin, werde ich sehr experimentierfreudig. Dann wird der Akt des gemeinsamen Kochens oder Essen gehen richtig zelebriert und ich nehme mir Zeit dafür. Dementsprechend war die letzte Woche auch überhaupt keine Durchschnittswoche für mich. Mein Freund war quasi die ganze Zeit da und hat mitgekocht. Er hat's ziemlich drauf, für mich alleine hätte ich so nie gekocht.

Was ist Dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?
Ich habe ein riesengroßes, teilweise wohl auch naives, Grundvertrauen in die in Deutschland angeboteten Nahrungsmittel. Das liegt wohl daran, dass mein Vater beim Amt für Lebensmittelsicherheit arbeitet. Als Kind ging ich immer davon aus, dass alles was ich esse von meinem Vater überprüft wurde und somit in Ordnung ist. Heute weiß ich, dass es sehr viel komplizierter ist. Trotzdem kaufe ich auch jetzt noch ohne große Bedenken deutsche Lebensmittel, auch Sachen aus dem Ausland wie Tiefkühlfrüchte oder Gemüsekonserven machen mir keine Angst. Problematischer wird es bei Fleisch: Ich bin nicht der Überzeugung, dass Bio prinzipiell immer besser ist. Gleichzeitig möchte ich aber, dass es den Tieren die ich esse gut ging. Neue Ideen wie zum Beispiel das Tierwohl-Label finde ich deshalb gut.

Erinnerst Du Dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat? 
Wie bei wohl allen Kindern war mein erstes Gericht eine Suppe aus Grashalmen, Blumen, Sand und Regenwasser, die ich im Garten in einem Putzeimer "kochte" und dann versuchte den Nachbarskindern anzudrehen. An das erste Mal für mich selber kochen erinnere ich mich nicht mehr, das war aber auch eher ein Parallel-Prozess: Ich habe meiner Mutter immer viel beim Kochen zugesehen, als ich dann zur Schule ging durfte ich auch mal helfen. Irgendwann hat sie mir die Nudeln Bolognese beigebracht, weil ich da so drauf stand. Nach dem Rezept habe ich dann noch ziemlich lange gekocht.
Backen war hingegen eine sehr viel bewusstere Sache: Seit ich acht oder neun war ging ich zum Wochenende rüber zu Oma, die dann mit mir einen Kuchen buk. Ich stand dabei auf einem Schemel, um überhaupt an die Teigschüssel ranzukommen. Meine Oma war in unserer Familie die große Tortenkönigin, irgendwann wurde sie allerdings zu krank zum Backen. Dann habe ich das übernommen. Auch heute noch mache ich an Geburtstagen die Sahnetorten mit Zahlen und Kerzen drauf.

Was war Dein Lieblingsessen als Kind?
Siehe Montag - Nudeln Bolognese!!!

Was ist Dein aktuelles Lieblingsessen?
Siehe Lieblingsessen als Kind. Der Dienstag war aber auch lecker.

Was magst Du gar nicht?
Für ein Nordlicht eine bescheuerte Antwort aber: ich hasse Fisch. Ich probiere den zwar immer wieder, finde ihn aber jedes Mal ekelhaft.

Mittags warm und abends kalt oder andersrum?
Da bin ich völlig flexibel. In der Journalistenschule haben wir immer nur Mittagspause, da gibt's dann Kantinenssen und abends noch ein Brot. Am Wochenende koche ich meistens abends - wobei ich, wenn ich bis mittags schlafe auch gut mit warmem Essen aufstehen kann.

Wo isst Du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?
Prinzipiell am Tisch, das macht die Erziehung zuhause. Ein Sofa passt in mein 14 Quadratmeter-Zimmer überhaupt nicht, dann muss auch schonmal das Bett herhalten. Da ich allerdings eine Plörr-Liesl bin, versuche ich das zu vermeiden.

Was trinkst Du zum Essen?
Leitungswasser. Und wenn Besuch da ist auch gerne mal Wein oder Bier. Das Münchner Bier finde ich überraschend großartig, in meiner niedersächsischen Heimat gab es ja immer nur Pils.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Prinzipiell liebe ich auswärts essen, bin allerdings oft zu pleite dafür. Wenn's dann in München aber mal raus geht, dann weil Besuch da ist und wir bayerisches Essen wollen. Ein Kommilitone hat mir zu Beginn meiner Münchner Zeit mal das Weisse Bräuhaus Nähe Marienplatz als uriges Restaurant empfohlen. Am Anfang war ich dann total geschockt, dass da noch ein Foto von Franz Josef Strauß mit Trauerbinde an der Wand hängt. Das Essen überzeugte dann aber.

Was isst Du, wenn es schnell gehen muss?
Nudeln mit Tomatensauce. Oder Vollkornbrot mit allem, was so im Kühlschrank ist.

Was war das aufwändigste Gericht Deines Lebens?
Anständiges Gulasch kochen finde ich immer sehr aufwendig und mühsam. Aber lohnt sich meistens. Meerrettich reiben ist auch eine fiese Sache.

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?
Nur ein Standard-Dessert und das ist selbstgemachte Mousse au Chocolat.

Welchen jetzt-User oder -Redakteur möchtest Du als Kosmoskoch sehen? 
Teresa Fries, weil die mir das erste Weißwurstfrühstück in München serviert hat.

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