Die Kühlschrankkatastrophe

Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und -Redakteure eine Woche lang, was bei ihnen auf den Tisch kommt. Diesmal hat sich jetzt-Mitarbeiter Johannes Drosdowski mit einem kaputten Kühlschrank herumgeschlagen.
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Montag:

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Illustration: Julia Schubert


Montag Abend und ich bin ausnahmsweise mal ganz allein! Die Familie – übergangsweise wohne ich nämlich wieder zuhause – ist im Urlaub und der Besuch vom Wochenende ist auch wieder nach Düsseldorf abgereist. Jetzt hab ich mal wieder Zeit, nichts zu tun und mich dabei großartig zu fühlen. Das muss gefeiert werden, deswegen stell ich mich einfach mal eine Runde in die Küche: Es gibt Rinder Minutensteak und Champignons, die ich mit einer Kräuterkäse-Rosmarin-Pfeffer-Mischung fülle. Das Lieblingsessen meiner Freundin und ganz nebenbei eine simple Eigenkreation, die immer anders schmeckt. Am Ende merke ich dann aber doch, warum am alleine Essen, das Kochen das Beste ist: Niemand unterhält einen. Mir wird langweilig.

Dienstag:

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Illustration: Julia Schubert


Harter Tag und dann ruft auch noch Oma an und fragt, wie es der Uni geht. Stress pur! Da muss was Simples her, das glücklich macht. Deswegen gibt es Heute Obstsalat zum Abendessen. Mit Orangen, Kiwis, Bananen und Zimt. Für so ein frisches Essen braucht man frische Unterhaltung. Während ich auf dem Bett liege und Kiwis genieße, verliere ich mich in Matt Ruffs wundervollem Roman „Fool on the Hill“.

Mittwoch:

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Illustration: Julia Schubert


Kaum bin ich zuhause muss ich irrsinnig hungrig in den Kühlschrank sehen. Und was entdecke ich? Pfützen über Pfützen. Das Teil ist kaputt und die Tiefkühle auch. Gnadenlos haben sie auch alle verderblichen Lebensmittel mit sich in den Tod genommen. Alles wegzuwerfen, was seit gestern Abend scheinbar abgetaut und deswegen auch schon verkommen ist, tut ziemlich weh. Besonders der Ananasjoghurt, auf den ich mich den ganzen Tag gefreut hatte. Das Budget ist erschöpft und der Supermarkt hat ohnehin schon zu, deswegen wird improvisiert. Heutige Empfehlung des Hauses: Nutella-Toast. Zur Nachspeise gibt es Himbeeren, weil Himbeeren nämlich die besten Beeren der Welt sind und Erdbeeren niemals an sie rankommen werden. Und weil die Himbeeren im Gefrierschrank gelagert wurden und jetzt aufgetaut sind.

Donnerstag:

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Illustration: Julia Schubert


Weil ich mir gestern schon dachte, dass der Kühlschrank für immer verloren ist, habe ich mich bei Freunden zum Essen eingeladen. Es gibt unsagbar leckere Farfalle mit Tomatensoße und darauf sind gebratener Thunfisch und Basilikum gestreut. Farfalle üben übrigens sehr großen Einfluss auf mein Essverhalten aus. Sie gehören zu den drei Nudelsorten, bei denen ich den Namen einem Bild zuordnen kann (neben Spaghetti und Ravioli) und werden deshalb immer von mir gewählt, wenn jemand fragt, welche Nudeln ich gerne hätte. Der Abend wird wirklich schön, wir essen, reden, spielen Karten und trinken Wein. Am Ende drücken sich alle vorm Abwasch und ich bin fein raus, weil ich noch die letzte U-Bahn erwischen muss. Wundervoll! 

Freitag:

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Illustration: Julia Schubert


Die Woche ist rum und ich habe Lust auf Pfannkuchen. Natürlich habe ich keine Milch - weil ja auch keinen Kühlschrank - aber man kann manches auch ganz ausgezeichnet mit Wasser statt Milch backen. Übrigens stört mich immer, wenn Menschen zu Krapfen Pfannkuchen sagen. Die werden ja wohl wirklich nicht in der Pfanne gemacht! Außerdem ist das Wort schon für richtige Pfannkuchen reserviert, die auch wirklich in der Pfanne gebacken werden. Egal: Es schmeckt ja beides. Ganz besonders die nach dem Rezept meiner Oma.

Samstag:

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Illustration: Julia Schubert


Heute war ich den ganzen Tag mit meinem kleinen Cousin unterwegs. Am Abend muss ich dann noch kurz telefonieren, bevor es zum Feiern geht. Während so einem Telefonat kann man wirklich einfach kochen, was eigentlich schon gekocht ist. Deswegen gibt es heute Gnocci mit Pesto Rosso und Basilikum.

Sonntag:

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Illustration: Julia Schubert


Die Sonne scheint und auf dem Balkon wird es heiß. Der wurde diese Nacht zum Kühlschrank umfunktioniert. Jetzt wird es endgültig Zeit, die Reste vom Balkon zu holen, denn Gnocci und Pesto müssen aufgebraucht werden. Ich braten die Gnocci in der Pfanne an. Dazu gibt es leicht karamellisierte Zucchinistreifen. Das Beste an diesem Essen ist allerdings – neben der Gesellschaft von Freunden - die Umgebung. In der Sonne essen, Blick auf Blumen, Bäume und Rasen. Das ist schön. Für manche vielleicht störend, aber für mich unweigerlich ein Teil des idyllischen Ganzen: Die Tankstelle direkt gegenüber vom Balkon. 

Auf der nächsten Seite liest du Johannes’ Antworten auf den Fragebogen zur Kochwoche.


Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Essen ist Nahrungsaufnahme. Natürlich ist die wichtig, damit man Energie hat und sich konzentrieren kann. Aber sie ist für mich in erster Linie erst dann wichtig wenn ich Hunger bekomme. Zumindest wenn ich alleine esse.
Sobald Freunde und Familie mit am Tisch sitzen, wird Reinschaufeln zu Genießen und Unmengen Salz Raufstreuen zu „noch ein ganz klein wenig Bohnenkraut und dann ist der Salat perfekt.“. Ich liebe es, wenn alle beisammen sitzen, reden, ihre Teller nicht wegbringen und vor lauter Übermut auch mal ein Glas umgeworfen wird. Dafür muss es auch wirklich allen schmecken und die unterhaltsamste Garantie dafür ist, gemeinsam zu kochen.

Was ist Dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?
Das hängt absolut vom momentanen Kontostand ab. Anfang des Monats wird immer recht ausgewogen und gesund gegessen. Gegen Ende gibt es dann oft Haferflocken-Tage. Besonders Obst kaufe ich gerne und viel. Leider kostet mich das aber besonders im Winter sehr viel Geld, weil ich auf allerhand europäisches Obst allergisch bin. Hinzu kommt ein unsagbar schlechtes Gewissen. Ich will ja eigentlich gar keine Mangos aus Afrika kaufen. Aber ich will eben auch Obst. Generell achte ich viel auf die Wege, die meine Nahrungsmittel zurücklegen müssen, was leider aber auch manche deutsche Waren ausschließt, die zum Beispiel häufig nach Marokko gebracht werden, um dort noch ordentlich zu reifen. Nächste Saison möchte ich mir eine kleine Parzelle mieten, um selbst Salate, Kräuter und Gemüse anzubauen. 

Erinnerst Du Dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat? 
Ich war um die 14, als ich das erste mal gekocht habe: Spiegelei! Bis heute ist das eine meiner Spezialitäten. Mit 17 habe ich dann das erste Mal für jemand andres gekocht. Ein Mädchen ... ich war gerade damit fertig, die Ravioli aus der Dose zu befreien und in die Mikrowelle zu verfrachten, als sie auch schon kam. Generell hatte ich kein Glück mit dem Kochen für Angebetete. Aber meistens nur, weil ich einfach nicht genügend Informationen hatte! Eine Laktoseintolerante bekam Spaghetti in Sahnesoße und eine Vegetarierin Lasagne Bolognese aufgetischt. Das mit dem Ravioli-Mädchen zog sich noch eine Weile, bis wir zusammen kamen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich dann aber auch schon besser kochen.
Am besten haben mir meine Oma, meine Mama und das Ravioli-Mädchen beigebracht, wie man richtig kocht. Improvisationskünstler wird man in einer WG von selbst.

Was war Dein Lieblingsessen als Kind?
Pfannkuchen. Absolut. Pfannkuchen schmecken bis heute nach „Und was habt ihr heute in der Schule gemacht?“ und Wettessen mit Freunden.

Was ist Dein aktuelles Lieblingsessen?
Wie soll man sich da jetzt entscheiden? Gemüsepäckchen vom Grill? Gemüselasagne? Schwarzbrot mit Pesto, Oliven und Schafskäse überbacken? Apfelstrudel? Curry? Maisbrei? Pfannkuchen? Omas Schaschlik!

Was magst Du gar nicht?
Rosenkohl. Knapp dahinter rangieren zwar Blumenkohl und Rahmspinat, aber nichts toppt die Widerwärtigkeit von Rosenkohl. Wirklich nicht!

Mittags warm und abends kalt oder andersrum?
Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommer am liebsten immer kalt und im Winter am liebsten immer warm. Nichts übertrifft eine warme Buchstabensuppe an kalten Dezemberabenden.

Wo isst Du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?
Ganz klar am Tisch. Das ist einfach viel praktischer. Außer ich habe die Chance, draußen zu essen, da muss es dann der Boden sein. In der Sonne unter freiem Himmel fühle ich mich immer wie ein König, der gerade sein Mahl einnimmt.

Was trinkst Du zum Essen?
Zuhause trinke ich eigentlich immer stilles Wasser. Wenn ich unterwegs bin schleicht sich bei mir schnell Klassenfahrt-Atmosphäre ein und dann brauche ich immer ganz dringend Apfelschorle.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Auswärts Essen gibt es für mich fast nie. Zumindest nicht im Restaurant. In Berlin gab es allerdings einmal die Woche Feierabenddöner mit einem Kollegen. Der musste zwingend vom Dönermann an der Wittenau sein, weil es dort immer auch Kartoffeln im Brot gibt.

Was isst Du, wenn es schnell gehen muss?
Brot mit Pesto bestrichen, mit Oliven und Pilzen belegt und dann überbacken. Oder Obst und Gemüse auf die Hand.

Was war das aufwändigste Gericht Deines Lebens?
Straußen-Stew. Wir wollten einen Freund bekochen, der eine ausgeprägte Leidenschaft für Essen hat. Leider hat er sich Stew gewünscht. Ich wusste nicht einmal, was das ist. Wer kommt schon auf die Idee, ein totes Tier für so lange Zeit in den Ofen zu packen? Aufwendig war es dann auch gerade deshalb: Ich musste mich wirklich zusammenreißen, um nicht andauernd die Auflaufform herauszuziehen und nachzusehen, ob noch alles stimmt.  

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?
Früher war das mein Curry, dann eine zeitlang Zucchinischiffchen und nun ist es Gemüselasagne. Ich finde die einfach toll: Man muss nicht viel vorbereiten und kann immer unterschiedliches Gemüse nehmen, um saisonal zu kochen und alle Gäste glücklich zu machen.

Welchen jetzt-User oder -Redakteur möchtest Du als Kosmoskoch sehen? 
Ich wüsste gerne, was Yi Luo kocht. Chinesisches? Deutsches? Oder doch etwas, was immer geht: Italienisches?

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