Die Liebe zu Ofenkäse und eine Burger-Grundlage

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Diese Woche hat sich jetzt-Mitarbeiterin jule-lange die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.  

Montag:
Mein Wochenstart fällt eher sparsam aus. Weil ich heute in der Kantine schon sehr gut und ausgiebig zugelangt habe, gibt es heute Abend nur ein bisschen Käsebrot - garniert mit Gurken und Tomaten, wovon ich vorsichtshalber immer zur Genüge in Reichweite habe für den Snack zwischendurch. Das klingt jetzt übertrieben gesund, aber irgendwann muss ich ja den Ausgleich für all die Fast-Food-Anfälle schaffen. Am Wochenende fahre ich extra für eine WG-Party meines Bruders nach Fulda. Ich habe da so eine Vorahnung, dass ich mich nicht von Obst und Gemüse ernähren werde.

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Illustration: Julia Schubert



Dienstag:
Ich lege meine Beichte gleich zu Beginn ab, bevor ich einen falschen Eindruck vermitteln könnte. Die Ravioli sind nicht selbstgemacht. Es ist die Art von Essen, deren Zubereitung nicht länger als zehn Minuten dauert und umwerfend schmeckt. Sowieso jedes Essen schmeckt, sobald Ziegenkäse darin enthalten ist. Die Ravioli sind nämlich mit Ziegenkäse gefüllt. Obendrauf gibt es noch ein bisschen Spinat, Kräuterfrischkäse und Gouda. Wenn ich das jetzt gerade so aufschreibe, hört sich das nach einer komischen Mischung an. Es war aber wirklich sehr lecker und ein paar Reste bin ich so auch noch losgeworden.

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Illustration: Julia Schubert



Mittwoch:
Weil ich nicht jeden Tag zwei Mal warm essen sollte, noch bevor die Zeit angefangen hat, in der man zwangsläufig zu viel isst (Weihnachts-, Feiertags-, Plätzchen-, Silvesteressen), esse ich heute mit gutem Vorsatz einen Salat zum Abendessen. Außerdem wurde mein Pommes-Verlangen heute schon von dem Essen in der Kantine befriedigt, was erst recht für einen leichten Salat spricht. Zu dem gemischten Salat brate ich mir noch ein bisschen Putenfleisch und Zwiebeln an. Alles zusammen vermengt – et voilà: très délicieux!

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Illustration: Julia Schubert



Donnerstag:
Heute habe ich meinem guten Freund J. versprochen, für uns Pizza selber zu machen. Der Plan war, alles soweit vorzubereiten, dass wir den Teig nur noch frisch belegen müssen. Die Umsetzung sah dann aber etwas anders aus. Zehn Minuten bevor J. zu mir kommen will, stehe ich immer noch im Laden. Die Zutaten stapeln sich auf meinen Armen, aber so richtig zufrieden bin ich nicht. Das würde alles noch so lange dauern, und mein Magen knurrt schon peinlich laut. Am Kühlregal angekommen, werfe ich sämtliche Pläne über den Haufen, denn ich habe da etwas entdeckt, auf das ich viel mehr Lust habe: Rougette Ofenkäse. Nachdem ich alle anderen Zutaten wieder zurück ins Regal geräumt habe, gehe ich zufrieden mit einem Ofenkäse, einem Baguette und Feldsalat nach Hause. Als erstes mache ich den Ofen an. Dann öffne ich J. die Tür. Wie sich herausstellt liebt J. Ofenkäse so sehr wie ich.

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Illustration: Julia Schubert




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Illustration: Julia Schubert



Freitag:
Endlich Freitag! Das heißt diesmal nicht nur, dass Wochenende ist, sondern ausnahmsweise auch, dass ich frei habe. Trotzdem bin ich schon seit heute morgen auf den Beinen, weil ich extra den (seit es ICEs gibt) nicht mehr so beschwerlichen Weg auf mich genommen habe, um auf die schon erwähnte WG-Party meines Bruders in Fulda zu gehen. Nachdem wir in der Wohnung alles vorbereitet haben, kümmern wir uns jetzt um uns und seine acht (ja, wirklich acht!) Mitbewohner. Stichwort: Grundlage schaffen. Und womit könnte das besser gehen als mit Burgern. Man nehme gefühlte zehn Kilo Hackfleisch und Zwiebeln, brät es in der Pfanne gut durch und legt es dann zusammen mit Gewürzgurken, Tomaten und Käse auf das im Ofen knusprig gebackene Brot. Wer mag, brät sich noch ein bisschen Speck dazu an, womit mein Burger komplett ist. Erstklassige Grundlage! Die Party kann losgehen.

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Illustration: Julia Schubert



Samstag:
Wenig Schlaf, Aspirin und ein Döner zum Frühstück helfen das Chaos zu bewältigen. Eine Zugfahrt später, bereite ich mir mit letzten Kräften die fettigsten Kässpätzle meines Lebens zu. Genau das hab ich gebraucht. Gute Nacht.

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Illustration: Julia Schubert



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Illustration: Julia Schubert



Sonntag:
Lieber Sonntag, manchmal mag ich dich wirklich. Dich und das damit verbundene Nichtstun. Das einzige, was ich mir heute vorgenommen habe, ist die Reste der Spätzle zu verwerten, von denen ich gestern im Eifer viel zu viele gemacht habe. Angebraten mit Zwiebeln, Tomaten, Paprika und ein paar Schweinemedaillons ergeben sie ein perfektes Sonntagsessen. Zugegebenermaßen ist es wieder viel zu viel geworden.

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Illustration: Julia Schubert



Auf der nächsten Seite: Der ausgefüllte Fragebogen zu Jules Ess- und Kochgewohnheiten.  



Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Ich finde schon, dass es irgendwie ein wichtiger Teil des Tages ist. Ein Teil, der zwar vielleicht noch mehr als alles andere zum Alltag gehört, aber ja, wie ich finde, nie aufhört Spaß zu machen. Gut, manchmal ist man vielleicht besonders unkreativ, was die Zubereitung des Essens angeht, aber man freut sich doch dann trotzdem, wenn man satt wird und es einem auch (hoffentlich) geschmeckt hat. Neben dem offensichtlichen Fakt, dass einfach jeder Mensch essen muss, um zu überleben, finde ich aber vor allem auch den vergemeinschaftenden Effekt der Zubereitung von Essen und es danach gemeinsam zu verzehren total genial. Zu Hause bei den Eltern wurde man dazu verdonnert die Kartoffeln zu schneiden, heute trifft man sich mit Freunden, um genau das zu tun und sich währenddessen auszutauschen.  

Was ist Dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?
Ich würde hier jetzt wirklich gerne antworten: „alles nur Bio“ oder noch besser: „vom Bauern nebenan“. Leider sieht die Realität anders aus. Schon allein weil ich es mir nie leisten könnte, mich nur von den hochwertigsten Produkten zu ernähren. Was aber nicht heißt, dass ich automatisch immer nach dem billigsten greife. Am wichtigsten, finde ich, ist es, sein Fleisch nicht aus dem billigsten Discounter zu kaufen. Da verzichte ich lieber drei Tage auf Fleisch, um mir vielleicht zwei Mal in der Woche ein gutes Stück leisten zu können. Ansonsten bin ich wahrscheinlich nicht die Expertin für eine ausgewogene Ernährung. Aber auch mein Körper merkt, wenn ihm etwas fehlt, was schon zu so manchen übertriebenen ich-kaufe-nur-Obst-Einkäufen geführt hat.

Erinnerst Du Dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat? 
Oh, das ist echt schwer. Ich kann mich nur erinnern, dass es ein schleichender Prozess war. Oft gab es einfach noch irgendetwas, das ich mir auswärmen konnte oder einfach ins heiße Wasser schmeißen musste. Ich habe es zum Beispiel geliebt, einfach nur Tortellini mit saurer Sahne zu essen. Das war einfach. Ich bin ja bis heute nicht wirklich eine Spitzenköchin und halte mich lieber an etwas Einfaches. Die solide Basis habe ich wahrscheinlich von meiner Mutter gelernt, die fantastisch kocht, aber das Aufwändige lieber ihrem Mann überlässt. Später hat mir dann wohl am meisten mein Freund geholfen, der mir gezeigt hat, dass man auch einfach mal was ausprobieren muss. Trotzdem ist es meistens er, der kocht.

Was war Dein Lieblingsessen als Kind?
Entweder die Nudelsuppe von meiner Oma oder das Haschee von meiner Mutter. Das ist im Prinzip nichts anderes als Hackfleisch vermengt mit einer Bratensoße, Piment, Nelken und einem kleinen Tropfen Sahne. Klingt unspektakulär, ist aber von meiner Mutter zubereitet einfach unschlagbar. Das kocht sie heute noch, wenn ich zu Besuch in der Heimat bin.

Was ist Dein aktuelles Lieblingsessen?
Eigentlich habe ich sehr viele Lieblingsgerichte, aber was ich wirklich immer essen kann und liebe, sind Maultaschen.

Was magst Du gar nicht?
Linsensuppe fand ich schon als Kind furchtbar und bin bis heute der festen Überzeugung, dass alleine schon das Aussehen dieses Gerichts einem den Geschmack verdirbt.

Mittags warm und abends kalt oder andersrum?
Als ich noch zu Hause gewohnt habe, gab es meistens Mittags etwas warmes. Aber seit ich in München wohne, ist das eigentlich immer davon abhängig, was ich an dem jeweiligen Tag mache. Wenn ich Uni habe, komme ich eigentlich immer erst Abends dazu, mir etwas Warmes zu machen. Mache ich aber beispielsweise so wie im Moment ein Praktikum, bietet sich natürlich ein warmes Essen aus der Kantine an, dann reicht mir eine kleine Brotzeit am Abend.

Wo isst Du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?
Auch das ist tagesabhängig. Weil ich in einer WG wohne, habe ich oft Gesellschaft in der Küche, weswegen ich dann auch gerne am Tisch esse. Ich liebe es aber auch, nach einem anstrengenden Tag bei einer guten Serie oder besser noch irgendeiner Koch-Show mich in mein Bett (ich habe keinen Platz für ein Sofa) zu verziehen und dort zu Abend zu essen. Besonders wenn niemand zu Hause ist, finde ich das angenehmer als alleine in der Küche zu sitzen.  

Was trinkst Du zum Essen?
Was ich gerade so da habe. Meistens habe ich nichts da, weswegen es oft bei Leitungswasser bleibt. Aber ich finde, das kann man hier in München auch ganz gut trinken. In Gesellschaft trinke ich gerne auch mal einen Weißwein oder Bier, je nachdem was da ist.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Ich würde sehr gerne ein bisschen öfter auswärts essen, aber wie so oft gibt es der Geldbeutel einfach nicht her. Irgendwie hat es ja auch was Schönes, sich das Essengehen als kleinen Luxus für zwischendurch zu bewahren oder als etwas, das man nur zu besonderen Anlässen macht.

Was isst Du, wenn es schnell gehen muss?
Ich habe das Glück, dass viele meiner Lieblingsgerichte gar nicht so lange dauern. Maultaschen zum Beispiel gibt es wirklich ein paar sehr gute auch im Laden zu kaufen. Vor kurzem habe ich eine Spaghetti-Carbonara-Interpretation von Jamie Oliver gefunden, die ich wohl bald in meine Schmeckt-super-geht-schnell-und-ist-einfach-Liste hinzufüge. 

Was war das aufwändigste Gericht Deines Lebens?
Ich habe mich eigentlich noch nie an etwas herangewagt, wovon ich behaupten würde, dass es sonderlich aufwändig war. Vielmehr habe ich es zu etwas gemacht, das unnötigerweise im Nachhinein aufwändig gewesen ist. So etwas passiert mir eigentlich immer an meinem Geburtstag. Da nehme ich mir nämlich vor, irgendetwas Tolles zu backen und bin am Abend völlig fertig. Dieses Jahr war ich klüger und habe das am Tag davor erledigt. Ich bin immer noch total stolz auf meine Petit Fours, die ich dieses Jahr gebacken habe.

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?
Eigentlich läuft das dann immer unterschiedlich, je nachdem worauf die Mehrheit so Lust hat und wie lange der Besuch dauert. Meine Mutter hat mich zum Beispiel mal über ein Wochenende besucht. Am ersten Abend sind wir Essen gegangen, weil wir beide zu faul waren zu kochen, und am zweiten Abend hat sie für uns Haschee gekocht. Das war schön.  

Welchen jetzt-User oder -Redakteur möchtest Du als Kosmoskoch sehen? 
In der nächsten Woche würde ich gerne sehen, was bei jakob-biazza auf den Tisch kommt. Ob er (oder überhaupt irgendjemand auf dieser Welt) meinen Burger toppen kann?

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