Hochzeitspicknick mit Spießchen

Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum.
jetzt-redaktion

Diese Woche hat sich jetzt-User rotfront die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.

Montag:
 

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Illustration: Julia Schubert


Wegen des Geburtstags meiner Brüder (die beiden sind Zwillinge), der zweiten Hochzeit meines Vaters und weil ich lange nicht mehr da war, habe ich ein langes Wochenende in meiner Heimatstadt verbracht. Da liegt es ja nahe, ein paar nette Beliner Jetzt'ler zum Schnitzelessen zu treffen und das hatte ich mir nach einem ganzen Tag Shoppen mit meiner Mama (da fühlt man sich echt wieder wie 15!) auch verdient. Leider sah das Schnitzel so gut aus und leider war ich so hungrig, dass ich es restlos verputzt habe, bevor ich dran denken konnte, ein Foto davon zu machen. Zum Glück hatte das „Bötzow Privat" Bilder von ihren Schnitzeln im Internet, und ich kann hier ein anderes Exemplar gleicher Bauart präsentieren. Lustig fand ich, dass ich als Wahl-Stuttgarter den besten schwäbischen Kartoffelsalat meines Lebens in Berlin gegessen hab. Wahrscheinlich war der Koch Schwabe. Dazu gabs das letze Glas vom selbstgebrauten Bier.

Dienstag:

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Illustration: Julia Schubert


Weil beim zweiten Mal alles ein bisschen weniger spannend ist, lief die Hochzeit sehr unaufgeregt und im kleinen Kreis ab. Nach dem Standesamt sind wir alle in den Tiergarten gefahren, wo die Geschwister der Braut auf schön geschmückten Tapeziertischen ein kleines kaltes Buffet aufgebaut haben - während meine Familie bei der Bar an der Siegessäule ein Weizen getrunken hat, und dann haben wir ein gemütliches Picknick veranstaltet, Bier getrunken und Federball und Boule gespielt. Vom Tiergarten wars dann auch nicht weit zum Hauptbahnhof, von wo ich mich dann am frühen Abend auf den Heimweg gemacht hab. Auf dem Foto sieht man: Käsestange mit Frischkäse-Dip, Krabben-Champignon-Spieß (sauscharf aber lecker), Teigschälchen mit Hühnchen, Petersilienpesto und nochwas, an das ich mich nicht erinnern kann, Bruschetta mit getrockneten Tomaten und Zucchini und Artischocken mit Ziegenkäse und Kresse. Alles sehr gut. Ich hab auch noch mehr gegessen, als man da sieht)
Nicht im Bild: Bier (Kindl Jubiläumspils)

Mittwoch:

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Illustration: Julia Schubert


Heute hab ich wie immer gleich nach der Arbeit Fußball gespielt und bin ziemlich spät zuhause, deswegen brauchte es was Schnelles. Manchmal hol ich mir was von einem der Imbissbuden rund um den Böblinger Bahnhof, was ich bisher aber jedes Mal bereut hab. Deswegen (und weil ich meine Kamera nicht dabei hatte) hab ich es diesmal bis zuhause ausgehalten und mir eine kleine Brotzeit gebastelt. Es gab Volllkornroggentoastbrötchen. Eins mit Schwarzwälder Schinken und Spreewälder Gurken, eins mit Leberwurst und Dijon-Senf und eins mit Ziegenkäse, Avocado und Räucherlachs. Dazu Wulle und mein frisch erstandenes Kicker-Bundesliga-Sonderheft.
Dass alles so eklig glänzt, liegt übrigens nicht an meinem Essen, sondern am Blitz meiner Kleinbildkamera. In echt sah es viel schöner aus.

Donnerstag:

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Illustration: Julia Schubert


Weil man in meinem Alter ja auch an seine Zukunft denken muss, bin ich nach Feierabend ins ferne Leonberg gereist um mich über diverse Rentenversicherungsmodelle und die dazugehörigen Angebote meiner Versicherung dazu informieren zu lassen. Nachdem ich die Vertriebstante fast zwei Stunden lang mit meinen Fragen gelöchert hab und mir mehrere Beispielrechnungen hab ausdrucken lassen, stellte sich mir auf dem Weg nach Hause die bange Frage, was ich denn jetzt essen sollte. Zum Glück fiel mir noch rechtzeitig ein, dass mein Mitbewohner mit ein paar Kollegen in unserem Garten grillen wollte, und mich auch eingeladen hat. Endlich angekommen, hab ich dann auch nicht lange gefackelt und mir ein Stück Pute, verschiedene Salate und ein Wulle geschnappt. Der Nudelsalat war der schrecklichste seiner Art, den ich je probiert hab, dafür wurde ich mit einem famosen Pistazienkuchen zum Nachtisch entschädigt (leider nicht im Bild, ebenso wie die Rote Wurst, die es auch noch gab).

Freitag:

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Illustration: Julia Schubert


Weil am Donnerstag so viel Zeug übriggeblieben ist, haben wir beschlossen, heute Abend ein paar Leute einzuladen und den Grill nochmal anzuwerfen. Die konnte ich auch gleich missbrauchen, mein Zimmer leerzuräumen, damit ich am Samstag das Laminat verlegen kann, das mein Vermieter nach langem Betteln besorgt hat. Diesmal gabs Rote Wurst und Fleischspieße (hier schon mit meiner Mama-Africa-Lieblingsgrillsauce) und dazu Hummus, gefüllte Minipaprika und diverses anderes von einer gemischten Vorspeisenplatte, die uns gestern eine Tochter des Inhabers eines türkischen Restaurants mitgebracht hat. Damit war endlich auch unser Kühlschrank wieder benutzbar, ohne dass wir was wegschmeißen mussten (nur den Nudelsalat wollte niemand haben). Und dazu das obligatorische Wulle und später Tequila. Ausgegangen sind wir aber leider nicht mehr.

Samstag:

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Illustration: Julia Schubert


Heute war der große Tag, an dem ich meinen ekligen alten Teppich rausreißen und das vom Vermieter gesponsorte Laminat verlegen durfte. Der Teppich in meinem Zimmer war bestimmt 10 Jahre alt und von meinen Vormietern mit reichlich Klebstoff-, Brand- und anderen Flecken dekoriert worden. Der Wasserschaden vom Frühjahr und die Tatsache, dass mein Zimmer der einzige Durchgang zum Garten ist, haben ihn auch nicht unbedingt schöner gemacht. Als Verstärkung konnte ich einen Freund, einen Kollegen und meinen Mitbewohner verpflichten, so dass alles fix von der Hand ging. Es war eigentlich sogar ziemlich witzig. Natürlich muss man fleißige Helfer auch gut verpflegen, deswegen hab ich für alle Currywurstoktopusse (ich wollte mich nicht zu lange in die Küche verkrümeln, deswegen sinds nur Quadropusse geworden) mit Smiley-Pommes gemacht. Mit selbstgepanschter Currysauce und Petersilien-Mayo. Leider ist das Foto wieder einmal nicht so gut geworden, wie es geschmeckt hat. Ein Fotograf wird in diesem Leben nicht mehr aus mir, aber dafür hab ich jetzt einen schönen Fußboden. Dazu gabs stilecht Berliner Weiße.

Sonntag:

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Illustration: Julia Schubert


Am Sonntag gabs Damenbesuch zum "Alien" gucken. Ich hab den Film noch nie ganz gesehen und vor "Prometheus" musste das nachgeholt werden. Ich wollte schon lange mal wieder Chili kochen, um den Tipp, es mit Kakaopulver abzurunden, endlich mal ausprobieren. Nun war es also an der Zeit, und ein Chili ist auch ein pflegeleichtes Gericht, das es auch mal eine Weile alleine auf dem Herd aushält, während man draußen das endlich schöne Wetter genießt. Der Besuch wollte noch was für nebendran, also musste er Frühlingszwiebel-Sesam-Quesadillas und Guacamole zaubern, was auch echt gut gelungen ist. Als Getränk: Tankstellen-Rotwein von meiner Mitbewohnerin. Gegessen und getrunken haben wir dann ganz formlos beim Filmgucken auf dem Sofa im Flur, der auch unser Wohnzimmer ist, von meinem uralten Ikea-Lack-Tisch. Den Tipp mit dem Kakao kann ich übrigens weiterempfehlen, auch wenn ich zuerst Angst hatte, es wär zu bitter geworden. Ich hab glaub ich auch ein bisschen zuviel genommen.

Auf der nächsten Seite liest du rotfronts Antworten auf den Kosmoskoch-Fragebogen.



Welchen Stellenwert hat Essen in deinem Leben?
Einen ziemlich hohen, ich hab schon immer gern viel und gut gegessen und vor allem immer neues ausprobiert. Ich finde es immer noch unglaublich spannend, neue Gerichte und ungewöhnliche Kombinationen auszuprobieren. Neulich hab ich die Kombination von Huhn, Aprikose und Thymian entdeckt. Mir fehlt leider viel zu oft die Zeit und Muße, das so richtig auszuleben, was vielleicht auch besser so ist, sonst hätte ich mich schon längst ruiniert und würde 100 kg wiegen.

Was ist dir beim Essen oder Essen-einkaufen besonders wichtig?
Wie wahrscheinlich jeder hier versuche ich, beim Einkaufen auf bestimmte Sachen zu achten, bei Fleisch zum Beispiel auf die Herkunft (vor allem bei Geflügel) und bei Gemüse auf Frische und Pestizidfreiheit. Seit einiger Zeit bin ich zum Glück auch in der Lage, mir das auch leisten zu können. In Stuttgart gibts eine Markthalle, wo es das gute Schwäbisch-Hällische-Landschwein, entzückend aussehendes Gemüse und frischen Fisch gibt. Das ist immer ein kleines Ereignis. Die macht halt nur immer so früh zu, dass ich am Ende doch fast immer beim Edeka, der bis 22 Uhr aufhat, lande.

Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal für dich selbst gekocht hast und wer dir das Kochen beigebracht hat?
Meine Mutter hat mir das Kochen beigebracht. Ich musste ihr früher oft in der Küche helfen und irgendwann hab ich mich beschwert, dass sie immer die interessanten Sachen macht, und ich nur Gemüse schnippeln darf. Da hat sie mir beim nächsten mal ein Rezept in die Hand gedrückt und gesagt: "So. Jetzt kochst Du, und ich schneide das Gemüse!" Und am Ende durfte ich dann öfter kochen als mir lieb war. Zum ersten Mal für mich alleine gekocht hab ich mit ca. 13 Jahren mit einem meiner Brüder zusammen. Wir mochten bei Käsespätzle und so immer die Röstzwiebeln als liebstes und wollten, als meine Eltern mal nicht da waren, einfach selber welche machen. Wir wollten sie immer dunkler und dunkler haben, und am Ende waren sie völlig schwarz und das ganze Haus hat gestunken.

Was war dein Lieblingsessen als Kind?
Das war immer phasenweise. So das EINE Lieblingsessen hatte ich nie. Im Nachhinein am lustigsten finde ich meine Forellenphase, in der ich auch mal den Kellner angemault hab, wenns kein Fischbesteck gab. Mit sieben.

Was ist dein aktuelles Lieblingsessen?
Das wechselt immer noch ziemlich häufig. Als ich in Simbabwe war, hatte ich die ganze Zeit Heißhunger auf Königsberger Klopse und hab mir nach meiner Rückkehr sofort welche gekocht.

Was magst du gar nicht?
Viele Arten von Käse, wie Emmentaler, Brie, Harzer, oder alle, die schimmeln oder stinken. Als Kind mochte ich nur Baby Bel und Philadelphia (oder geschmolzenen Käse), aber ich probiers immer wieder und entdeck immer neue Käsesorten, die mir schmecken. Seit Kurzem ess ich sogar schon Parmesan und Ziegenkäse.
Und zu weiches Gemüse finde ich eklig, besonders weiche Paprikaschoten in Sahnesaucen.
Ansonsten gibts auch viele Sachen, die ich ohne Murren esse, wenn sie mir vorgesetzt werden, aber mir nie selber kochen würde, z.B. Rosen- und Blumenkohl.

Mittags warm und abends kalt, oder andersherum?
Das kommt immer darauf an, was es in der Kantine gibt, und wann ich nach Hause komme. Ich bin oft erst um 22 oder 23h zu Hause und dann koch ich nicht mehr, dann gibts einfach ein Brot. Ansonsten koch ich mir meistens abends was. Tagsüber in der der Kantine ess ich manchmal warm, oder auch nur Salat oder ich nehm mir was zur Arbeit mit, das ich am Vortag gekocht hab.

Wo isst du am liebsten - am Tisch oder auf dem Sofa?
Ich ess selten allein, und wenn, dann bis vor Kurzem am liebsten im Bett, das hab ich mir aber erfolgreich abgewöhnt. Mittlerweile sitz ich auch gern allein am Tisch und breite meine Tageszeitung vor mir aus. Das ist irgendwie doch gemütlicher – und macht nicht soviel Sauerei.

Was trinkst du zum Essen?
Das ist immer anders, je nach Anlass. Meistens Wasser oder Bier, aber auch manchmal Wein, Cola oder was anderes.

Wie oft gehst du auswärts essen und: hast du ein Lieblingsrestaurant?
Ich hol mir hin und wieder unterwegs was auf die Hand, Leberkäsweckle, Hamburger, Fischbrötchen oder so. Aber das zählt nicht, ansonsten geh ich schon ab und zu essen, so im Schnitt alle 1-2 Wochen. Am liebsten ins Sushi&Wok in Stuttgart, die richtig tolles Thailändisches Esssen - auch jenseits von Massaman-Curry -haben.

Was isst du, wenn es schnell gehen muss?
Stulle :) Oder, wenns was warmes sein soll: Bio-Ratatouille aus dem Glas mit Thunfisch, Kapern und (Vollkorn)nudeln. Das schmeckt viel besser, als es sich anhört und die Zutaten dafür hab ich meistens als Reserve zuhause.

Was war das aufwendigste Gericht deines Lebens?
Ich hab in meiner letzten Berliner WG mal vier Gänge für 12 Leute gekocht, als ich mein Geburtstagsessen für die Verwandtschaft ausgerichtet hab. Zuerst gabs Möhrencurryingwersuppe, dann Salat mit Äpfeln und überbackenem Schafskäsebaguette, danach mit Lammhack und Spinat gefüllte Crepes an Kurkumajoghurtsauce und zuletzt Gummibärchenlasagne auf Pflasterstein. Vor allem Letzteres ist allen in bleibender Erinnerung geblieben, obwohl es als einziges nicht wirklich geschmeckt hat. Aber es sah lustig aus und hat bei der Zubereitung Spaß gemacht. Ansonsten lief es ein bisschen chaotisch, weil ich zwar schon am Vortag voll viel vorbereitet hab und das Essen auch immer rechtzeitig fertig war, ich aber längst nicht genug Besteck und Geschirr für so viele Leute hatte. Nach jedem Gang haben meine Mutter und meine Cousine abgeräumt, in Rekordgeschwindigkeit abgewaschen und wieder gedeckt. Aber trotzdem waren alle begeistert. Und ich hab gelernt, wie lange es dauert, 30 Crepes zu braten.

Hast du ein Standard-Vorführgericht, wenn Freunde oder deine Eltern zu Besuch kommen?
Mit Mangochutney überbackener Lachs auf Gemüse, das geht schnell, man kann es in den Ofen schieben und dann erstmal alleine lassen, es ist schön bunt, und bietet eine echt tolle Geschmackskombination.
Ein Evergreen sind auch Burritos zum selberfüllen, bei denen ich die ganzen einzelnen Komponenten koche und jeder selber rollt. Wäre Bohnenmus olympische Disziplin, hätte ich mindestens eine Goldmedaille.
Außerdem missbrauch ich Gäste auch immer gern, wenn ich ein neues Rezept ausprobieren will, das zu aufwändig ist, um es für mich alleine zu kochen.

Welchen jetzt-User oder jetzt-Redakteur möchtest du als Kosmoskoch sehen?
Ich würde gerne mal wieder ein paar tolle Essensfotos von der anneliese sehen.

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