Pizzabacken und Kartenspielen

Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum. Heute: jetzt-Userin guglhupf_
jetzt-redaktion

Diese Woche hat sich jetzt-Userin guglhupf_ die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.


Mittwoch:

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Illustration: Julia Schubert


Die Sippschaft hat zum Lieblingsgriechen eingeladen, da sagt man natürlich nicht nein. Für mich wie immer: Pitabrot mit Tsatsiki, dann Souvlaki mit Tomatenreis. Alles natürlich mit haufenweise Knoblauch.

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Illustration: Julia Schubert


Ich muss wie immer aufpassen, dass ich nicht direkt am Tisch einschlafe und mit dem Gesicht im Teller lande. Aber: Mmmh.

Donnerstag:

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Illustration: Julia Schubert


Die Ex-WG hat zum Pizzaabend eingeladen und sogar den Teig für den Boden selber gemacht. Das macht die ehemalige WG-Mami guglhupf_ stolz. Es gab fünf Bleche voll mit verschiedenen Belägen, ich habs vor lauter Futtern und Kartenspielen erst beim letzten Blech geschafft zu knipsen. Sieht ein bisschen matschig aus, war aber knusprig und sehr lecker. Ein gelungener Abend.

Freitag:

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Illustration: Julia Schubert


Schwammerlrisotto, heute mal mit Pfifferlingen und Speck. Risotto hab ich ja erst vor etwa einem Jahr entdeckt und bin seitdem ziemlicher Fan davon. Man kann alles reinwerfen, was noch so rumliegt und weg muss, es kocht sich bis auf ein paar Mal aufgießen fast von alleine und ist in einer halben Stunde fertig. Das mit dem andauernden Umrühren ist übrigens eine Lüge. So wenig wie möglich ist klüger, damit die Reiskörner ganz bleiben. Wenn sie aufreißen, wird das ganze ziemlich matschig. Und Risotto sollte ja cremig sein, aber schon mit ein wenig Biss in den Körnern. Entschuldigt die Belehrung.

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Illustration: Julia Schubert


Als Nachspeise gibt es heut Mangocreme, Resteverwertung aus dem Kühlschrank – eine halbe Mango, Joghurt und Quark wollen dringend verarbeitet werden.

Samstag:

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Illustration: Julia Schubert


Mittags treffe ich mich mit meinen Eltern und wir kehren in ein nahegelegenes Wirtshaus ein. Während wir essen, werden wir von vier hungrigen Wespen belagert. Ich bestelle irgendeinen Fisch Müllerin Art mit Salzkartoffeln und Beilagensalat. Vor lauter Schock vergesse ich zu fotografieren. Macht aber nix, weils eh nicht gut war. Kartoffeln erträglich-essbar, Fisch staubtrocken und ungewürzt, aber die Krönung war der Salat. Ich verstehe unter Salat putzen: waschen und schadhafte Stellen entfernen sowie in mundgerechte Stücke zupfen. Die im Wirtshaus scheinbar: Kurz unter den Hahn hängen (hoffentlich wenigstens), gammelige Teile unbedingt mit dranlassen, dann entfällt auch das Kleinrupfen, und weil das Herz ja das Beste ist, direkt komplett am Strunk mit reinschmeißen. Den Salat lasse ich also weg und zeige das auch der Bedienung beim Abservieren. Die ist verständnisvoll, geht kurz in die Küche und kommt mit einer Entschuldigung und dem Angebot einer Bayrisch Creme aufs Haus zurück. Ich freue mich und lasse mir stattdessen sicherheitshalber lieber einen Obstler bringen. Abends: Resteverwertung, diesmal das Risotto von gestern. Für den Herren mit Minutensteaks aus der Pfanne, für die Dame mit Burgundersalat und Minitomaten aus eigenem Anbau.

Sonntag:

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Illustration: Julia Schubert


Wir kochen schon mittags zusammen Freestyle-Kartoffelsuppe mit Wienern und Croûtons und sind beide begeistert vom Ergebnis. Weil ich so motiviert bin, mach ich gleich noch vier Bleche Käsegebäck. Dann gehts kurz beim Umzug des Ex-Mitbewohners helfen, der auch aus der WG auszieht, und ein bisschen Billard spielen.

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Illustration: Julia Schubert


Als wir heimkommen, haben wir gerade noch genug Zeit, uns noch einen Teller Suppe reinzuschieben, um uns dann mit Apfelscheiberl und haufenweise Käsegebäck bewaffnet vor den Fernseher zu hauen und den Tatort zu erwarten. Es war dann zwar ein Polizeiruf, aber der war auch ganz gut. Sind die überhaupt irgendwie immer wieder, in letzter Zeit.

Montag:

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Illustration: Julia Schubert


Streichen helfen in der Ex-WG. Auf dem Heimweg laufen wir am „Schnitzeltag“-Schild vom Wirthaus zwischen meinem neuen und alten Wohnort vorbei und können nicht widerstehen. Immerhin sind wir clever genug, nur eine Portion zu bestellen, weil wir natürlich, wie es so Mode ist, sowieso zwei Riesenschnitzel kriegen und einen Berg Pommes (Im Bild unter den Schnitzeln und daher unsichtbar). Schmeckt alles ganz gut und die Schnitzel sind schön dünn. Daheim esse ich nochmal Unmengen vom Käsegebäck.

Dienstag:

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Illustration: Julia Schubert


Heute ist ein extrem fauler Tag, an dem wir quasi nur rumliegen. Als uns einfällt, dass es sinnvoll wäre, irgendwann auch mal zu essen, raffe ich mich zu dem auf, was es immer gibt, wenns schnell gehen soll und ohne Einkaufen: Spaghetti mit Tomatensoße, vielen Gartenkräutern drin und frisch gehobeltem Parmesan. Schaut auf dem Bild jetzt gar nicht so gut aus wies war, aber zum Anrichten und Garnieren bin ich auch zu faul. Als ich später noch was mümmeln will, ist Gott sei Dank noch ein bisschen Käsegebäck da.

Auf der nächsten Seite liest du guglhupf_s Antworten auf den Fragebogen zur Kochwoche.



Welchen Stellenwert hat Essen in deinem Leben?
Beruflich sehr hoch, persönlich je nach Stresslevel und wie ich mich generell fühle. Manchmal esse ich nur, um was im Magen zu haben und muss mich fast dazu zwingen, an anderen Tagen betreibe ich einen Mordsaufwand und/oder genieße total und gerne.

Was ist dir beim Essen und Einkaufen besonders wichtig?
Beim Einkaufen: Dank meiner Ausbildung als Hauswirtschafterin (mittlerweile bin ich Fachlehrerin) kenne ich viele Zusammenhänge und habe eigentlich ziemlich hohe Ansprüche. Man könnte fast sagen, ich weiß zuviel. Das steht allerdings im krassen Gegensatz zum noch sehr kleinen Geldbeutel, daher bin ich öfters mal länger im Supermarkt und ziemlich im Zwiespalt. Bei einigen Dingen achte ich aber trotzdem konsequent auf Qualität und gebe lieber ein bisschen mehr aus: Milch und Milchprodukte müssen regional und fair sein. Fleisch und Wurstwaren nur vom Metzger. Obst und Gemüse natürlich bevorzugt, wenn Saison ist, wobei mir das nicht immer gelingt. Beim Essen: Ich gestehe. Ich versuche, relativ abwechslungsreich zu essen, kriege es aber nicht besonders gut auf die Reihe. Zum Glück esse ich immerhin sehr gern Obst, eigentlich jeden Tag mehrfach so zwischendrin. Und ich esse definitiv zu viel Fleisch und Wurst. Man kann sich da ja aber auch selber verrückt machen, und das ist mir dann doch zu blöd, da hör ich lieber auf meinen Appetit und beuge mich dem. Da sich das dankbarerweise auch in der Figur nicht bemerkbar macht bei mir, ist der Anreiz, da was zu ändern, oberflächlicherweise auch recht gering. Wichtig ist mir aber, mir meiner Entscheidungen sowohl beim Einkauf als auch beim Essen immer bewusst zu sein und den Blick dafür zu bewahren.

Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal für dich selbst gekocht hast und wer dir das Kochen beigebracht hat? 
Als ich etwa zwölf war, hat meine Mama wieder angefangen zu arbeiten und ich hab öfters Mittagessen für meine kleine Schwester und mich gemacht. Das waren zum Beispiel Pfannkuchen oder Fertigpackungen Nudeln mit irgendeiner Soße. Einmal habe ich mich an Fischstäbchen gewagt. Die waren so schön braun außen und knusprig, dass ich ganz stolz auf mich war, bis wir reingebissen und gemerkt haben, dass die innen noch ganz roh waren. Das erste Gericht, von dem ich wirklich toll fand, dass ich es jetzt kochen kann, waren Spaghetti Bolognese nach Papa-Art, so mit 14. Von der Mama hab ich viel gelernt, ein Kinderkochbuch hatte ich auch, aber das wirkliche Kochen beigebracht haben mir meine Lehrerinnen auf der BFS für Hauswirtschaft und später die Dozenten am Staatsinstitut für Fachlehrer. Seitdem ist es so, dass daheim eher ich um Rat gefragt werde als andersrum.
 
Was war dein Lieblingsessen als Kind?
Dampfnudeln mit Vanillesoße. Der Bruder und ich haben uns erfolgreich darin abgewechselt, den Deckel zu früh hochzuheben, damit die „zamhocken“. Fand die Mama gar nicht gut, aber wir fanden die dann so schön bappig. Und Spaghetti Bolognese nach Papa-Art. Und Semmelschmarrn und Bröselschmarrn, beides Oberpfälzer Spezialrezepte von der Sippschaft.

Was ist dein aktuelles Lieblingsessen?
Öh. Viel. Dank der Ausbildung bin ich dazu übergegangen, alles zu probieren, auch Sachen, die ich früher nicht mochte, daher gibt es mittlerweile wirklich viel, das ich gern esse. Aber ich sag mal so: Es geht nix über den Schweinsbron von der Mama. Logisch, oder? Und ich steh immer noch total auf Hefeteig, in jeglicher Form.

Was magst du gar nicht?
Siehe oben, ich esse fast alles. Und vor allem probiere ich wirklich alles. Was ich aber trotzdem nicht mag: Sehr scharf, Meerrettich, Innereien und Fertiggerichte (außer Ofenkäse).

Mittags warm und abends kalt oder andersrum? 
Je nach Zeit, Lust und Laune.

Wo isst du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?
Je nach Zeit, Lust und Laune. In der WG haben wir immer zusammen auf dem Boden gegessen in Ermangelung eines essgeeigneten Tisches, da ist mir ein Esstisch wenigstens als Option dann schon abgegangen, muss ich sagen. Vor allem bei Besuch.

Was trinkst du zum Essen? 
Meistens gar nix, das wurde mir in der Kindheit dank der Schwester so antrainiert, damit der Bauch nicht schon vorher voll ist. Ich trinke eher hinterher. Das kann dann eigentlich alles Mögliche sein.

Wie oft gehst du auswärts essen und hast du ein Lieblingsrestaurant? 
Diese Woche drei Mal, aber ich wurde ja auch zwei Mal eingeladen. Sonst so etwa alle zwei Wochen. Mein liebstes bayerisches Restaurant: die Kleingartenwirtschaft Gärtnerquelle. Die wissen noch, wie man wirklich kocht. Grieche: Athen in der Westendstraße. Schon immer. Italiener: Al Paladino am Heimeranplatz, vor allem wegen der Bedienung. Die haut mich jedes Mal wieder vom Hocker.

Was isst du, wenn es schnell gehen muss? 
Wie gesehen: Spaghetti mit Tomatensoße. Wenn es noch schneller gehen muss: Toastie oder Brot mit Schinken und Salat drauf. Oder ein Marmeladenbrot.

Was war das aufwändigste Gericht deines Lebens? 
Das war dann wohl meine Abschlussprüfung fürs Staatsinstitut: 1. Gang: Frühlingshafter  Zupfsalat mit Veilchen, Gänseblümchen und Joghurtdressing, dazu Minikörnersemmeln. 2. Gang: (wer hätte das gedacht) Pilzrisotto 3. Gang: Schweinefilet im Speckmantel mit Ziegenfrischkäsetopping, dazu Schupfnudeln, glasierte Karotten in Herzform und grüner Spargel an Sauce Hollandaise. 4. Gang: Bisquitomelette mit Erdbeeren, Minze und Mascarpone-Vanille-Zitronencreme. Alles von A bis Z alleine selbst vor- und zubereitet. Mit Anrichten, Garnieren und minutengenauem Servieren innerhalb von fünf Stunden. Danach war ich platt.

Hast du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen? 
Nö. Obwohl. Vielleicht Spaghetti Bolognese (jetzt nach guglhupf_-Art) und Semmelnknödeln mit Rahmschwammerl im Wechsel.

Welchen jetzt-User oder -Redakteur möchtest du als Kosmoskoch sehen? 
dashundertprozentigemaedchen, sofern sie irgendwie Zeit dazu findet. Die hat immer von so lecker klingendem Essen erzählt, das würd ich schon gern mal sehn.

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