Wochentagsfrühstück und Feiertagsfaulheit

Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum.
jetzt-redaktion

Diese Woche hat sich jetzt-Userin chrinamu die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.

Montag:

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Illustration: Julia Schubert


[Diese Woche ist dermaßen untypisch, dass man sie eigentlich gar nicht fotografieren sollte, da ich am Sonntagabend erst leicht erkältet aus Italien zurückgekommen bin und in der ersten Wochenhälfte noch Urlaub habe. Die zweite Hälfte wiederum besteht aus einem sehr seltenen beruflichen Auswärtstermin mit abendlichem Omageburtstag, so war's zumindest gedacht, und ab Freitag verbringe ich das allererste Fernbeziehungswochenende bei meinem Freund in Bremen. Aber was ist schon eine normale Woche?]

Den Montag also verbringe ich damit, mich mit meiner Wohnung nach dem Urlaub wieder anzufreunden, da machen dann Haushaltsdinge und Kochen Spaß. Es gibt gegen 15 Uhr Reispfanne mit gedünsteten Zucchini, Möhren und Feta, den Reis habe ich mit Weißwein, Knoblauch, Basilikum und Rosmarin aus dem eigenen Garten auf Italienisch getrimmt. Dieses Gericht gibt es bei mir praktisch andauernd, in verschiedenen Varianten (mal mit Nudeln statt Reis, mal mit anderen Gemüsesorten, aber immer mit Feta). Zu trinken gibt es nichts, da ich vorher schon einen Liter Minztee getrunken habe - zum Glück hat die Erkältung meinem Appetit nichts anhaben können, dafür müsste ich schon 40° Fieber haben.  

Dienstag:

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Illustration: Julia Schubert


Am Dienstag gibt es, ganz unspektakulär, die Reste vom Montag, dazu Grapefruitsaft und den obligatorischen Salzstreuer (ich habe ein großes Salzbedürfnis, der Himmel weiß, warum), den ich übrigens geschenkt bekommen habe. Selber würde ich mir im Leben kein rosa Himalaya-Salz kaufen. Ich finde es übrigens erstaunlich, dass bisher alle "Kosmosköche", auch Singles, jeden Tag frisch zu kochen scheinen. Da ich allein wohne, koche ich fast immer gleich zwei Portionen, die ich dann an zwei aufeinanderfolgenden Tagen esse - es sei denn, ich weiß schon, dass ich am Tag danach nicht zu Hause sein werde.  

Mittwoch:

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Illustration: Julia Schubert


Aufgrund akuter Feiertagsfaulheit (morgens wurde doch tatsächlich in der Nachbarschaft die Nationalhymne gesungen!) und da ich am darauffolgenden Tag nicht zu Hause essen werde, mache ich mir gegen Abend ein schnell improvisiertes, aber sehr leckeres Essen, das garantiert keine Reste hinterlässt: frische Tortellini mit Zucchiniresten und vielen Tomaten, alles in Butter gebraten. Die Tortellinipackung ist so klein, dass es gerade für eine große Portion reicht. Dazu trinke ich Leitungswasser und verfolge im Radio leicht befremdet eine längliche Diskussion älterer, intellektueller Herren über die medizinische Doktorarbeit von Georg Büchner, die sich offensichtlich mit Barben beschäftigt (das sind meines Wissens Fische).  

Donnerstag:

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Illustration: Julia Schubert


Dieser Tag existiert in zwei Varianten, zunächst die ideale, nämlich A): Ich bin den ganzen Tag unterwegs, nämlich zu einer Arbeitsbesprechung in Trier (Hin- und Rückfahrt dauern jeweils mehr als drei Stunden!) und schaue abends auch noch auf der Geburtstagsfeier meiner mit 76 noch beneidenswert fitten Oma vorbei. Dort gibt es natürlich etwas Leckeres zu essen. Das habe ich mich aber nicht getraut zu fotografieren, da ich die anschließenden Debatten fürchtete ("wie, du stellst die Bilder ins Internet???").

Die leider stattdessen erlebte Variante B) geht so: Ich bin den ganzen Tag unterwegs, nämlich zu einer Arbeitsbesprechung in Trier. Da wir auf der Hinfahrt eine Stunde Verspätung haben, geht das Treffen erst um 13 Uhr los und dauert länger als geplant, nämlich bis halb fünf; danach entsteht ein dermaßen kunstvolles Kuddelmuddel aus drastischen Bahnverspätungen, dass ich nicht nur den Geburtstag meiner Oma komplett sausen lassen muss und telefonisch aus der Bahn gratuliere, sondern erst nach 22 Uhr (!!!) zu Hause ankomme. Mein Abendessen besteht daher notgedrungen aus zwei Butterbrezeln und Kaffee im Bahnhofscafé in Koblenz, das Mittagessen hatte ich mir in Form von Käsebroten sowieso mitgebracht. Dafür an dieser Stelle ein Foto einer lebenswichtigen und wunderbaren, aber allgemein wenig thematisierten Mahlzeit, nämlich des Frühstücks. Hier ist die Wochentagsvariante zu sehen: ca. ein halber Liter schwarzer Kaffee aus meiner Riesentasse aus Kinderzeiten, dazu drei Brotscheiben, wahlweise mit Honig oder Marmelade (leider ist die von Mama selbstgemachte schon wieder alle, so dass ich welche kaufen musste). Ohne dieses Frühstück mag ich morgens weder aus dem Haus gehen noch mit irgendwem sprechen, egal, wie früh ich aufstehen muss. (Am Wochenende gibt es dann meistens Brötchen.)  

Freitag:

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Illustration: Julia Schubert


Das muss wirklich eine verfluchte Woche sein, vielleicht hab ich irgendwann meinen Teller nicht brav leergegessen? Am Freitag fahre ich zum ersten Mal zu meinem Freund nach Bremen, wieder mit dem Zug. Mein Liebster will mich am Bahnhof abholen und kündigt per SMS schon stolz an, für uns gekocht zu haben. Leider fällt jedoch irgendwo in Norddeutschland ein Baum auf die Gleise, so dass mein Zug umgeleitet wird und statt um neun erst um elf Uhr abends in den Bremer Hauptbahnhof kriecht. Mein erkälteter Liebster muss also zwei Stunden am frostigen Bahnhof warten, und das zum Glück auch so spät noch leckere Abendessen wärmen wir uns erst lange nach 23 Uhr sehr müde und hungrig auf, um danach sofort schlafen zu gehen. Es gibt Risotto, mit viel Käse, Möhren, Pilzen und so einigem mehr, was mein Freund sehr gern und sehr gut kocht. Das leicht exzentrische Geschirr gehört übrigens der Vermieterin.  

Samstag:
Wir verbringen den Tag, der erst sehr regnerisch und dann sehr sonnig ist, damit, uns Bremen anzuschauen, und gönnen uns abends in einer sehr gemütlichen und gar nicht teuren Kneipe namens Medoo ein unverschämt gutes Essen. Mein Gericht besteht aus Kürbisspalten mit Pflaumen-Chili-Sauce, Kartoffelgratin und Salat. Dazu trinken wir Bier. Es schmeckt wirklich großartig, und blöderweise habe ich die Kamera nicht dabei. Aber es ist ja nun auch nichts Selbstgemachtes...  

Sonntag:

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Illustration: Julia Schubert


Erstaunlicherweise schaffe ich es, am Sonntagabend mit der Bahn ohne größere Zwischenfälle pünktlich  nach Hause zu kommen. Dementsprechend kann ich auch noch was kochen, nämlich ein typisches Sonntagabend-Resteessen aus Gemelli-Nudeln mit Tomatensauce, die u.a. Karottenscheiben, Feta, Knoblauch und Basilikum enthält. Dazu gibt es Leitungswasser und die "Tagesschau zum Hören".

Auf der nächsten Seite liest du den Kosmoskoch-Fragebogen von chrinamu.




Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Ich liebe es zu essen und bekomme wirklich schlechte Laune, wenn ich Hunger habe. Kochen sehe ich aber ehrlich gesagt eher pragmatisch - ich möchte gern möglichst oft was Frisches, Selbstgemachtes essen und mich nicht die ganze Zeit von Takeaways ernähren, also muss ich wohl oder übel auch kochen, aber Spaß macht es mir nicht immer.

Was ist Dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?
Ich mag und kaufe eigentlich kaum Convenience Food, sondern eher frische Lebensmittel, viel Obst und Gemüse. Ansonsten bin ich eigentlich aber (im Gegensatz zur Mehrheit hier) relativ prinzipienlos beim Einkaufen. D.h. ich geh nicht in den Bioladen oder auf den Wochenmarkt, sondern in den Supermarkt, und kaufe dort z.B. oft auch gleich Brot ein, statt politisch korrekt die kleinen Bäckereien zu unterstützen, denn ich hasse es, an drei verschiedenen Kassen anstehen und mit drei verschiedenen Verkäufern reden zu müssen. Allerdings bemühe ich mich, bei Tierprodukten wie Eiern oder Käse Bio zu kaufen, und Fleisch kaufe oder esse ich gar nicht, es sei denn, ich bin irgendwo eingeladen, wo es nichts Anderes gibt (das hat sowohl moralische als auch "Geschmacksgründe").

Erinnerst Du Dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat?
Von meiner Mutter habe ich ein bisschen Kochen gelernt, musste das aber selten anwenden, da sie selber fast immer für uns gekocht hat. Das Familiengericht, dass wir alle bis hin zu meinem kleinen Bruder kochen konnten und gerne mochten, waren Schinkennudeln (in der Pfanne, mit Eiern überbacken, dazu gab es seltsamerweise Apfelmus). Mein Bruder kocht das heute noch ständig. Von meinem ersten Freund hab ich dann im Irlandurlaub das Improvisationskochen gelernt (siehe das Gericht vom Montag), das ich heute noch ziemlich oft praktiziere, denn ich koche wirklich fast nie nach Rezept, auch wenn mir immer mal jemand ein Kochbuch schenkt, sondern schmeiße meistens irgendwie kreativ meinen Kühlschrankinhalt in einer Pfanne zusammen. Von den Gerichten, die meine Mutter kocht, hab ich dagegen kaum was übernommen, höchstens den Nudelauflauf, den ich aber auch schon länger nicht mehr gemacht habe.

Was war Dein Lieblingsessen als Kind?
Apfelpfannkuchen mit Zimt (und vorher einer Pflichtsuppe, damit die Mahlzeit nicht nur aus Nachtisch bestand)! Generell hab ich als Kind aber fast alles gern gegessen (außer Pilzen und Rosenkohl), sogar fast alle Gemüsesorten, Spinat, Obst und Fisch, was meine Eltern vermutlich insgeheim sehr gewundert hat. Meine Oma war mal völlig schockiert, als ich freiwillig einen Apfel einer Süßigkeit vorgezogen habe, und dachte dann leider jahrelang, ich mag keine Schokolade.

Was ist Dein aktuelles Lieblingsessen?
Ich mag die indische Küche unglaublich gern, oder auch das gelbe Curry vom Thai-Imbiss an der Ecke, und alles, was italienisch daherkommt, sowieso. Ab und zu auch die Frankfurter Grüne Sauce, am liebsten mit Bratkartoffeln und dem obligatorischen gekochten Ei dazu.

Was magst Du gar nicht?
Oliven und die allermeisten Fleischgerichte. Außerdem finde ich Tapas sehr unbefriedigend, auch wenn sie so in sind, da man eine ganze Menge bestellen muss, bis man mal satt wird.
 
Mittags warm und abends kalt oder andersrum?
Während der Arbeitswoche meistens abends warm und mittags dann Käsebrot aus der Lunchbox am Schreibtisch, an freien Tagen manchmal auch mittags warm und abends kalt.

Wo isst Du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?
Immer am Tisch, mit Radionachrichten oder Zeitung dazu. Ich mag es eigentlich sehr gern, allein zu essen, weil man dann dabei lesen kann.

Was trinkst Du zum Essen? Meistens Leitungswasser oder Grapefruitsaft, wenn ich mit meinem Freund oder anderen Gästen zusammen esse, manchmal auch Wein.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Vielleicht alle zehn Tage? Ein Lieblingsrestaurant hab ich nicht, eher Lieblingscafés, in denen man auch gut essen kann, z.B. das Café Brücke in Frankfurt-Sachsenhausen oder das Maingold in der Innenstadt.

Was isst Du, wenn es schnell gehen muss?
Schokomüsli mit Joghurt, insbesondere, wenn ich abends noch zum Sport gehe, weil man dann etwas essen muss, was nicht schwer im Magen liegt, aber den Kreislauf trotzdem in Schwung bringt. Zwei Stunden Kampfsport mit leerem Magen ist nämlich genauso unangenehm wie mit vollem.

Was war das aufwendigste Gericht Deines Lebens?
Für meine Eltern, meinen Liebsten und meinen Bruder plus damaliger Freundin hab ich mal ein (eigentlich nicht sehr aufwendiges) indisches Fisch-Curry gekocht, ansonsten mache ich eher einfache Sachen, weil ich dann weiß, dass sie auch klappen.

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?
Ich muss gestehen, dass bei den letzten Besuchern immer mein Freund gekocht hat, der ganz wunderbare asiatische Gerichte oder auch ein "Triumphrisotto" zaubern kann.

Welchen jetzt-User oder -Redakteur möchtest Du als Kosmoskoch sehen? 
Gern eine der künstlerischen Damen hier, z.B. woistderfuchs, die so schöne Fotos macht. Da wären die Gerichte vermutlich ganz egal, es würde einfach gut aussehen! Essensfotos in Schwarzweiß hatten wir auch noch nicht, oder?

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