Der Mann an ihrer Seite

Johannes war ein ganzes Jahr lang Nebendarsteller in der Hochzeitskolumne seiner Freundin Theresa. Wie es sich anfühlt, öffentlich zu heiraten und wie es ist, Geschichten über sich selbst zu lesen, erzählt er im jetzt.de-Interview.
anna-kistner

Sechs Wochen nachdem Johannes seiner Freundin Theresa einen Heiratsantrag gemacht hatte, überraschte sie ihn mit der Ankündigung, eine Kolumne über die gemeinsamen Hochzeitsvorbereitungen zu schreiben. Ein ganzes Jahr lang beschrieb Theresa Selig auf jetzt.de ihren Brautalltag. Die Geschichten über Walzer-Chrashkurse, Brautvater-Zitate oder Pfarrer-Besuche sind im März als Buch erschienen. Wir haben Johannes zum Gespräch gebeten. jetzt.de: Johannes, du hast ja damals mit deinem Antrag den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht. Kannst du dich noch an den Moment erinnern, in dem dir klar wurde, Theresa heiraten zu wollen? Johannes: Die Idee, Theresa zu heiraten, ist eigentlich aus einer betrunkenen Spaßdiskussion mit zwei Freunden entstanden. Plötzlich haben wir einen ganzen Abend lang nur noch darüber geredet, wie toll es doch wäre, Theresa als Ehefrau zu haben. Seit diesem Abend im Oktober ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Im Sommer fuhren wir dann gemeinsam in den Urlaub an den Gardasee und ich war mir ganz sicher: Dort mache ich ihr den Antrag. Die Antrags-Szene ist dann auch das erste Kapitel in dem Buch deiner Freundin, die mittlerweile natürlich deine Frau ist. Hättest du diese Szene anders beschrieben als sie? Na klar. Theresa schreibt da, wie überrascht sie war. Wenn ich den Text hätte schreiben müssen, dann hätte ich nur über meine schlimme Nervosität berichten können. Ich war wirklich wahnsinnig aufgeregt. Ich wusste, das wird jetzt der wichtigste Schritt in meinem Leben und den wollte ich nicht vermasseln. Wie fandest du denn Theresas Idee, über eure Hochzeitsvorbereitungen Buch zu führen? Eigentlich fand ich die Idee ganz gut. Es war aber auch von Anfang an klar, dass Theresa die Kolumne nicht unter richtigem Namen schreiben würde. Anonymität war mir schon wichtig. Man gibt schließlich sein gesamtes Privatleben preis. Von Theresas Kolumne wussten wirklich nur die besten Freunde. Auch meinen Eltern habe ich nicht Bescheid gesagt. Ich hätte sonst jedes Wochenende mit meiner Mutter über den Inhalt der Kolumne diskutieren müssen. Dabei drehte sich in unseren Telefonaten eh schon alles nur um die Hochzeit. Von dem Buch weiß sie jetzt aber schon? Direkt nach der Hochzeit habe ich ihr von der Kolumne erzählt. Sie war dann erst ganz beleidigt, vor allem, weil Theresa in einem Kapitel geschrieben hatte, dass sie den Verlobungsring ganz schrecklich fand. Und der stammte eben von meiner Mutter. Das Schlimme war, dass Theresa den Ring in echt eigentlich ganz toll fand. Sie hatte es nur zur besseren Dramaturgie des Kolumnentextes, sagen wir mal, etwas anders formuliert. Aha! Heißt das, die Geschichten entsprechen am Ende gar nicht der Wahrheit? Keine Sorge. Es sind nur ein paar winzige Kleinigkeiten, die Theresa der Realität hinzugefügt hat. Zum Beispiel, dass ich bei der Hochzeit eines befreundeten Pärchens in den Schokoladenbrunnen falle. Auch noch in einem weißen Anzug. Dabei habe ich in meinem ganzen Leben noch nie einen Schokoladenbrunnen auch nur ansatzweise berührt. Findest du dich in den Geschichten treffend dargestellt oder hast du dich eher als eine Kunstfigur empfunden? Ich habe auf jeden Fall schon nach den ersten drei Kolumnen-Folgen gemerkt, dass ich in den Geschichten den trotteligen Nebendarsteller abgebe. Ich war dann aber nicht sauer oder bedrückt. Ich habe nur realisiert, was da die nächsten Monate möglicherweise auf mich zu kommen wird und schon mal ein bisschen die Zähne zusammengebissen. Kamst du dir auch manchmal vorgeführt vor? Wenn Theresa zum Beispiel deine lustigen Sprüche im Baummarkt beschreibt, die sie überhaupt nicht witzig findet. Nein, das nicht. Mit den Überspitzungen meiner Charakterzüge konnte ich gut leben. Ich habe relativ schnell realisiert, dass ich in Theresas Kolumnen die Rolle des biertrinkenden und kalauernden Sidekicks inne habe. Ich fand die Szenen, die Theresa da beschrieben hat, zum Glück auch immer selber lustig und konnte gut über mich selbst lachen. Hast du eigentlich eine Lieblingsfolge? Ich glaube, das ist die, in der ich einen Anzug kaufen gehe. Das war wirklich eine ganz schlimme Erfahrung. Ich bin voller Vorfreude in die Herrenabteilung des Berliner KaDeWes gelaufen und wurde dann von so einem dürren Mode-Männchen beraten. Ein Freund, der bei Boss als Designer arbeitet, hatte mir Anzug-Modelle mit Namen wie „Superpeitsche“ empfohlen, aber der Verkäufer bestand darauf, dass ich nicht dünn genug für ein derartiges Modell sei. Ich musste dann tatsächlich auf die normale Linie ausweichen. Durftest du die Texte eigentlich vorab lesen, um im Notfall Änderungswünsche anbringen zu können? Wir haben eigentlich vor jeder neuen Veröffentlichung über die Texte gesprochen, aber rumgebessert habe ich da nix. Manchmal habe ich vielleicht mitgeholfen. Einmal, für eine Folge über Bride-Bootcamps, habe ich zwei Tage lang Youtube-Videos gesucht, die Theresa dann in die Kolumne eingebaut hat. Hast du dann auch immer die Kommentare verfolgt, die jetzt-User unter die Kolumnen geschrieben haben? Ja klar, ich habe sie alle gelesen. Über manche Kommentare habe ich mich dann wahnsinnig gefreut, andere haben mich aber auch verärgert. Das ganze Thema Heiraten war einigen Usern wohl viel zu altmodisch, vieles wurde dann auch wirklich kontrovers diskutiert. Ich habe mir dann aber keinen Tarn-Namen zugelegt, um Theresas Texte zu verteidigen.

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Illustration: Julia Schubert

Wer Ja sagt, muss auch Onkel Horst einladen... und andere Hindernisse auf dem Weg zur Märchenhochzeit von Theresa Selig ist als Taschenbuch bei dtv erschienen und kostet 8,95 Euro.

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