Leserpost: Zeit für ein kleines Resümee

Auf jetzt.de gibt es täglich über 1000 Kommentare. Wir machen uns zu ihnen Gedanken und versuchen in unregelmäßigen Abständen auf sie zu antworten. Heute erzählt Mercedes von ihren Erfahrungen aus einem Monat Community Management
mercedes-lauenstein

Seit ich vor etwa einem Monat das Community - Management übernommen habe, lese ich die im großen jetzt-Wohnzimmer stattfindenden Diskussionen, Kommentare und Forenbeiträge nicht mehr nur aus persönlichem Interesse, sondern mehrmals täglich und in aller Ausführlichkeit. Zu erst einmal ist das spannend. Die Ballung an Kreativität und Originalität, die mir in Form von Kommentaren, Texten und Fotos, sowie Forendiskussionen und Leserbriefen kontinuierlich über den Weg läuft, ist abwechslungsreich und bereichert meine alltäglichen Perspektiven immer wieder aufs Neue. Oft genug geht es mir also ganz wie Christina, die in der letzten Leserpost so schön schrieb, dass sie „dem Kosmos manchmal gerne einen kollektiven Dankes-Napfkuchen backen möchte und jedem User noch einen Strauß Primeln darauf packen.“ Für all den Grips, all den Witz und all die Wortgewandtheit.

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Illustration: Julia Schubert

Weil aber nicht immer nur helle Kuchenstimmung im Kosmos herrscht und ich einhergehend mit meiner neuen Aufgabe auch eine gewisse Verantwortung für die Geschehnisse im Kosmos trage, mache ich mir natürlich auch Gedanken über eine mögliche Verbesserung des sozialen Lebens auf jetzt.de. Weniger bereichernd für mich ist es, meine Zeit damit zu verbringen, Trolle, Spammer oder sonstige Auftritte von unerwünschten Stimmungsmiesmachern zu beseitigen. Richtig schwierig wird es aber erst dann, wenn alteingesessene und geschätzte User in einer bestimmten Diskussion auf einmal selbst zu einer Art light-Trollen werden. Wenn sie sich zynisch und respektlos gegenüber einem Text und dessen Autor äußern. Oder gar beginnen, sich auch noch untereinander anzufeinden. Es ärgert mich sehr, wenn sich im sonst so klugen Kosmos plötzlich auf Kindergarten-Niveau verbal angespuckt wird. Und in solchen Fällen bin ich dann geneigt, mich einzumischen. Ich möchte die freie Meinungsäußerung loben, aber dazu aufrufen, etwas weniger impulsiv in die Tasten zu hauen und seinem Gesprächspartner etwas mehr Respekt entgegen zu bringen. Ich frage mich dann aber auch, ob das Eingreifen meinerseits überhaupt gewünscht ist. Ob ich entsprechend streitende Personen vielleicht lieber gar nicht, oder wenn, dann in einer privaten Botschaft anschreiben sollte. Um nicht eine noch viel größere Ablehnungsreaktion zu provozieren, aus der ich zum Schluss mit dem Stempel der lästigen Pausenhof- Aufsicht heraus gehe - ohne überhaupt etwas bewirkt zu haben. Diese Alternative, nur noch hinter den Kulissen zu agieren, finde ich jedoch auch nicht richtig. Weil ich nach wie vor glaube, dass Transparenz und offener Austausch wichtig für das gegenseitige Vertrauen sind und außerdem Grundvoraussetzungen einer sinnvolle Diskussion darstellen. Wenn sich dann aber am Beispiel der Kommentare unter dem vor etwa einer Woche erschienenen Artikel Peinliche Polizei zeigt, was passieren kann, wenn sich ein Redakteur oder Autor in die Textdiskussion einbringt, ist das im ersten Moment nicht gerade gut für das Bestreben nach mehr Dialog. Philipp Mattheis hatte sich den Angriffen der User gegenüber dem Autor des Textes gestellt, um für Linderung der Anfeindungen zu sorgen. Anstatt einer verhältnismäßig positiven Reaktion darauf hatte man aber den Eindruck, die User sahen diese Einmischung eines Redaktionsmitglieds nur mehr als gefundenes Fressen - und ballerten ihre schlechte Laune erst so richtig ins Freie. Das zielte unter die Gürtellinie des Respekts und vor allem schien es plötzlich gar nicht mehr um den Artikel selbst, sondern um jetzt.de im Allgemeinen zu gehen. Man hatte den Eindruck, einige User wollten nun, da jemand von der Redaktion präsent war, eine kleine Gesamtabrechnung mit dieser veranstalten. Von Sachlichkeit war kaum mehr eine Spur. Vielleicht sollte man dieses Beispiel aber auch einfach nur als Anlass sehen, sich eben nicht demotivieren zu lassen, sondern ganz im Gegenteil noch intensiver untereinander auszutauschen. Und sich im Zuge dessen mal wieder vor Augen halten, dass man im Online-Dialog nur Dinge von sich geben sollte, die man auch jenseits des Bildschirms von Angesicht zu Angesicht vertreten würde. Das ist jetzt sicherlich alles nichts Neues. Aber es ist das, was mir in meinem ersten Monat besonders viele Grübeleien beschert hat. Und deshalb würde ich zum Schluss gerne die Frage stellen, was du dir für die Zukunft des sozialen Miteinanders im Kosmos eigentlich vorstellst: Wünscht du dir ein stärkeres Moderieren und Teilnehmen von Redakteuren in Kommentaren und Diskussionen? Würde dir neben der Kommentarmeldefunktion beispielsweise ein genereller Kontaktbutton zu Community-Manager und Netiquette auf der Startseite gefallen - für den Fall, dass etwas gar nicht gut läuft? Oder du eine fixe Idee im Kopf hast, die du spontan loswerden möchtest? Wie sehen deine Vorschläge oder Wünsche für die soziale Zukunft des Kosmos aus?

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