Braucht ein Mac wirklich keinen Virenschutz?

Wer den Gedanken hegt, sich einen Mac zu anzuschaffen und nicht zugeben möchte, dass er diese Kaufentscheidung aus rein optischen Gründen (sieht eben ziemlich schick aus, so ein glänzend weißes MacBook) getroffen hat, sagt meist Dinge wie: „Der Vorteil eines Macs ist der, dass er keine Viren bekommt.
anna-kistner

Wer den Gedanken hegt, sich einen Mac zu anzuschaffen und nicht zugeben möchte, dass er diese Kaufentscheidung aus rein optischen Gründen (sieht eben ziemlich schick aus, so ein glänzend weißes MacBook) getroffen hat, sagt meist Dinge wie: „Der Vorteil eines Macs ist der, dass er keine Viren bekommt.“ Auch ich habe den Satz gebraucht, als ich meinen schwäbischen Eltern klar machen wollte, dass ich mein nächstes Notebook nicht bei Aldi kaufen werde.

Aber stimmt das wirklich? Können Viren einer Rechenmaschine mit Apfel auf der Brust nichts anhaben? Mein Freund, der in einem Computergeschäft arbeitet, sagt: „Die hunderttausend Viren, die es für den PC gibt, richten auf einem Mac keinen Schaden an.“ Viren können zwar auf dem USB-Stick des Studienkollegen mit Netbook heimlich in mein MacBook wandern. Dort fehlt ihnen dann aber die passende Sprache, um ihre schädliche Botschaft zu verbreiten. Das liegt an den unterschiedlichen Betriebssystemen. PCs laufen auf DOS, Macs auf Unix.

Natürlich wäre es rein theoretisch möglich, einen Virus in Unix zu programmieren, das auf Apple-Computern Störungen verursacht. Mein Freund meint, das werde in der Hacker-Szene auch durchaus versucht. Bislang allerdings ohne Erfolg. Wenn der Pressesprecher von Apple Deutschland, Georg Albrecht, gefragt wird, ob ein Mac wirklich keinen Virenschutz braucht sagt er: „Nein, Mac OS X bietet Schutz vor Viren und anderer bösartiger Malware, ohne dass du etwas dafür tun musst.“ Er spricht dann von der „ Sandboxing"-Technologie, die festlegt, welche Aktionen ein Programm auf dem Mac ausführt, auf welche Dateien es zugreift und welche anderen Programme es öffnen kann. Als weitere Sicherheitsfunktion nennt er die willkürliche Nutzung von Bibliotheken ("Library Randomisation"), die verhindert, dass bösartige Befehle ihre Ziele finden, sowie die Funktion zur Verhinderung der Codeausführung ("Execute Disable"), die den Arbeitsspeicher des Mac vor Attacken schützt. Apples Betriebssystem ist - vereinfacht gesprochen - so aufgebaut, dass Programme (und ein Virus ist nichts anderes, als ein kleines Programm) nur dann Änderungen im System durchführen können, wenn der Systemadministrator (also ich) sein Kennwort in ein aufploppendes Kästchen eingibt und auf „ok“ klickt.

Sollte also ein Mac-kompatibler Virus in der Absicht, meine Festplatte zu löschen, auf mein System Zugriff verlangen, müsste ich diese Forderung mit einem Klick aktiv bejahen und per Systempasswort bestätigen, bevor etwas passiert. Dass mir so eine Dummheit unterläuft, mag ja noch im Bereich des Möglichen liegen. Damit sich ein Virus aber ausbreitet und überhaupt bis zu meinem Rechner gelangt, müssten schon ziemlich viele Menschen ziemlich gedankenlos sein. Georg Albrecht von Apple-Deutschland sagt: „Wir von Apple können keine Garantie aussprechen, die besagt, dass ein Mac nie Viren bekomm. Aber die praktische Erfahrung zeigt: Es ist einfach kein Thema.“

So sehr diese Sätze offenkundig nach Werbung klingen und man sie deswegen eigentlich nicht ernst nehmen möchte, muss ich leider sagen. Seit sieben Jahren arbeite ich auf Macs. Ich weiß nicht, wie oft ich seitdem krank war. Mein Computer war es nie.

Anna Kistner, 29 Jahre, wehrt sich seit sieben Jahren gegen den Vorwurf, nur der Optik wegen einen Mac auf dem Schreibtisch stehen zu haben.
Fünf Tipps für Klarheit bei Virenschutzmaßnahmen:

1. Es gibt externe Virenschutz-Programme für den Mac. Georg Albrecht von Apple Deutschland sagt allerdings: „Eine Firewall braucht man sich für einen Mac nicht extra zu kaufen. Sie wird mitgeliefert. Man findet sie in den Systemeinstellungen des Macs und muss sie nur noch mit einem Häkchen aktivieren.“

2. Schädliche Programme können auf dem Mac nicht automatisch tätig werden. Sie müssen doppelt angeklickt werden und fragen nach dem Systemkennwort. Deswegen: Genau hingucken, wenn das System um die Eingabe deines Passworts bittet.

3. Computerfachleute sagen gerne: Der größte Fehler sitzt immer vor dem Rechner.

4. Wenn du dir nicht sicher bist, was das Programm, das dich gerade um die Eingabe des Systempassworts bittet, auf deinem Mac installieren will, suche es hier. Dort wird so gut wie jedes Programm, dass es für Macs gibt, aufgeführt, beschrieben und bewertet.

5. Gerne werden Viren in Mailanhänge gepackt und als Rechnung getarnt. Sobald also eine Mail nach Spam klingt: Nichts anklicken! Und nein: Du hast auch nicht zufällig im Lotto gewonnen. Nicht anklicken. Sorry.

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