Ich habe die Fotos auf meiner Kamera gelöscht – wie kriege ich sie wieder?

Das Drama um ein versehentlich gelöschtes Foto ist eine Unannehmlichkeit der Neuzeit.
anna-kistner

Das Drama um ein versehentlich gelöschtes Foto ist eine Unannehmlichkeit der Neuzeit. Die Möglichkeit, ein geschossenes Bild unmittelbar nach seiner Aufnahme begutachten zu können, ist ein großer Luxus. Aber eben auch eine große Gefahr. Schnell hat man die falsche Taste gedrückt, schnell lässt sich die klein geschriebene Frage „Alle Bilder löschen?“ auf dem Kamera-Display überlesen, schnell ist die Panik groß: Alle Fotos verloren. Zu den Annehmlichkeiten der Neuzeit gehört, dass ein gelöschtes Digitalbild nicht für immer verloren ist.

Wer nach dem versehentlichen Löschvorgang sofort aufhört, weitere Fotos zu schießen, kann sich berechtigte Hoffnungen machen, die verschwundenen Bilder wiederzufinden. Es ist so: Ein Löschvorgang zerstört nicht die Bilddatei, sondern nur den Pfad hin zu dem Ort, an dem das Bild auf der Speicherkarte abgelegt wurde. Dieser Ort wird während des Löschvorgangs zum Überschreiben frei gegeben. Ein gelöschtes Bild ist also erst dann verschwunden, wenn eine neue Aufnahme in die digitalen Fußstapfen der alten getreten ist. So lange das nicht passiert, können gelöschte Bilder mit kostenlosen Programmen wie „PC INSPECTOR smart recovery“ oder „Zero Assumption: Digital Image Recovery“  wieder sichtbar gemacht werden.

Schwieriger wird es, wenn die Speicherkarte ohne eigenes Verschulden plötzlich ihren Geist aufgibt und alle Bilder auf einen Schlag verschwunden sind. „Zum Glück“, sagt der Fotograf Juri Gottschall, „kommt so etwas nur sehr selten vor.“ Speicherkarten sind keine kleinen Festplatten mit mechanischen Teilen, die verkleben oder zersplittern können. Sie sind sogar so robust, dass sie einen Waschgang in der Hosentasche eines unachtsamen Fotografens überleben können. Vorausgesetzt, sie werden vor dem Einsetzen in die Kamera gut abgetrocknet. Juri Gottschall will dafür zwar keine Garantie geben. Trotzdem sagt er: „Ein verlorenes Foto ist meist der Fehler eines Fotografen. Nicht die Schuld einer fehlerhaften Speicherkarte.“

Anna Kistner, 29 Jahre, erinnert sich gerne an die Zeit zurück, in der man Fotos noch auf Diafilmen speicherte und seine Schnappschüsse erst nach tagelanger Wartezeit und unendlicher Vorfreude im Drogeriemarkt um die Ecke das erste Mal in Augenschein nehmen konnte
Fünf Tipps:

1. Falls du eines oder mehrere Fotos versehentlich gelöscht hast, höre sofort auf, weitere Bilder zu schießen. Es besteht sonst die Gefahr, dass die gelöschten Fotos von neuen Aufnahmen überschrieben werden. Dann kann man sie nicht wiederherstellen.

2. Fotograf Juri Gottschall rät: Lieber viele kleine Speicherkarten benutzen anstatt eine große, auf der alle Bild-Heiligtümer lagern.

3. Speicherkarten sind sehr robust: Wasser, Hitze oder Kälte machen ihnen nichts aus. Mit Unannehmlichkeiten wie Kurzschlüssen reagieren sie dann, wenn ihnen beim Übertragungsvorgang von Bildern zwischen Kamera und Computer plötzlich die Stromzufuhr gekappt wird, weil der Besitzer über das Kabel gestolpert ist.

4. Falls die kostenlose Wiederherstellungs-Software kein Ergebnis bringt, hilft nur noch eines: Die Speicherkarte in ein Fotostudio bringen und hoffen, dass der dortige Foto-Service über Wiederherstellungsprogramme verfügt, die ihr Geld wert sind. Meist kostest eine Wiederherstellung zwischen 20 und 40 Euro.

5. Schöne Erinnerungen gehören zu den wertvollsten Besitztümern unserer angeborenen Festplatte oben im Kopf. Viele Menschen vergessen, dass sie durch ein unwiderruflich gelöschtes Foto nicht einfach mit verschwinden. Wer es ausprobieren will: Augen schließen und einmal tief durchatmen.

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