Ich habe meinen Papierkorb gelöscht – wie kann ich ihn wiederherzustellen?

Welcher Vorgang genau in Gang gesetzt wird, wenn eine Datei in den Papierkorb verschoben wird, braucht der Mensch mit dem Zeigefinger auf der Maus gar nicht zu wissen.
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Welcher Vorgang genau in Gang gesetzt wird, wenn eine Datei in den Papierkorb verschoben wird, braucht der Mensch mit dem Zeigefinger auf der Maus gar nicht zu wissen. Für ihn ist nur so viel klar: Lösche ich ein Dokument aus meinem Ordner, landet es im Papierkorb. Lösche ich den Papierkorb, ist das Dokument weg. Geschieht diese Aktion unabsichtlich, ist die Panik groß. Für alle, die auf den Button „Papierkorb sicher entleeren“ geklickt haben, ist dieser Text nach dem folgenden Satz zu Ende: Der Inhalt eures Papierkorb ist dann tatsächlich weg. Für immer und ewig.

Für alle anderen kommt jetzt die gute Nachricht: Das Innere eines Papierkorbs, der ohne das Adjektiv „sicher“ davor entleert wurde, ist noch auf der Festplatte vorhanden. Der Löschvorgang hat nur dafür gesorgt, dass der belegte Speicher zum Überschreiben frei gegeben wurde. Erst, wenn Daten überschrieben wurden, sind sie unwiderrufbar verloren. Genau das passiert bei dem Befehl „Papierkorb sicher entleeren“. Löscht man den Papierkorb ganz normal, kippt man die Daten nicht in einen digitalen Schredder, der aus den aussortierten Fotos oder angefangenen Masterarbeits-Seiten Datenmüll macht. Man sorgt lediglich dafür, dass das menschliche Auge die Daten im Ordner „Papierkorb“ nicht mehr sehen und sie der Computer über einen normalen Suchbefehl nicht mehr finden kann. Das bedeutet nicht, dass die Daten verloren sind. Der Diplom-Informatiker Reza Ghilav arbeitet für den Daten-Rettungs-Service aabboo.de. Auch er betont: „Weggeworfene Daten sind rekonstruierbar. Vorausgesetzt sie wurden noch nicht überschrieben.“ Das bedeutet: Wer den Müll aus seinem Papierkorb wiederhaben will, sollte vor der Wiederherstellung nicht noch drei Filme runterladen und zwanzig Mails empfangen, sondern tunlichst jeden Schreibvorgang auf der Festplatte unterlassen. Reza Ghilav rät: „Entweder den Computer ausschalten oder sofort mit der Datenrettung beginnen.“

Wer Teile seines Papierkorbs wiederherstellen möchte, braucht deswegen nicht gleich den Notruf einer Datenrettungs-Firma wählen. Labore wie das von Reza Ghilav werden erst ab einem Auftragswert von 400 Euro aktiv. Ein solcher Service lohnt sich dann, wenn lebenswichtige Daten von einer kaputten Festplatte gerettet werden müssen. Wer lediglich ein paar versehentlich gelöschte Dateien aus dem Papierkorb wiederherstellen möchte, fährt günstiger mit einer Data-Recovery-Software. Programme wie „Get Data Back“ (für Microsoft Betriebssysteme) oder „Data Rescue II“ (für Mac-Betriebssysteme) sollten allerdings nie auf dem betroffenen Datenträger selbst installiert werden, weil sonst die Ergebnisse einer Datenrettung die zu rettenden Dateien überschreiben könnten. Noch mehr empfehlenswerte Software findet man auf der Seite von Reza Ghilavs Firma.

Ein kostenloses Datenrettungs-Programm ist „Test CC“. Können die versehentlich gelöschten Daten auf diesem Weg nicht wiedergefunden werden, hilft nur noch eines: Sich darüber freuen, dass Menschen keine Rechenmaschinen sind, sondern Gefühle haben. Das mit dem Namen „Ärger“ geht vorbei.

Anna Kistner, 29 Jahre, liebt das Raschel-Geräusch, mit dem ihr Mac eine erfolgreiche Papierkorb-Leerung akustisch abschließt.
Fünf Tipps für Opfer des versehentlich gelöschten Papierkorbs:

1. Erst denken, dann klicken. „Wollen Sie wirklich den Papierkorb löschen?“ fragt eigentlich jeder Computer, bevor er nach einem durch einen Menschen ausgeführten Klick auf das Wörtchen „OK“ zur Tat schreitet.

2. Computer ausschalten, nachdem der versehentliche Datenverlust bemerkt wurde. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die gelöschten (aber noch auf der Festplatte abgelegten Informationen) überschrieben werden.

3. Du hast das sicherlich schon tausend Mal gehört und ja, es klingt banal: Regelmäßiges Backup-Erstellen trocknet im Ernstfall Tränen.

4. Eine nützliche Erfindung aus dem Hause Apple nennt sich „Time Machine“ und ist eine Komponente des Betriebssystems „OSX Leopard“. Die Zeitmaschine speichert stündlich Kopien aller Dateien auf einer externen Festplatte. Wer versehentlich Dinge wie eine wichtige Mail löscht, kann das Betriebssystem um zwei Stunden zurück setzen, die Mail suchen und sie anschließend zurück ins aktuelle Betriebssystem ziehen.

5. Auch Windows-Betriebssysteme bieten die Möglichkeit, das System auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit zurückzusetzen. Allerdings muss man gleich das ganze Betriebssystem einer Zeitreise in die Vergangenheit unterziehen und kann nicht nur einen bestimmten Ordner, in dem die vermisste Datei noch vor einer Woche lag, verjüngen. Das hat den Nachteil, dass nach einer solchen Aktion die vermisste Datei zwar wieder da ist. Dafür aber die in der Zwischenzeit neu dazugekommenen Daten (Mails, Spielstände, Dokumente und Fotos) weg sind.

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