Fast jede Uni hat ein akademisches Auslandsamt, das dabei hilft, den Auslandsaufenthalt zu organisieren. Der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) hat eine umfassende Seite mit Infos und Ausschreibungen.

Die meisten deutschen Studenten gehen mit dem Erasmus-Programm ins Ausland. Es fördert Studienaufenthalte und Praktika in 31 Ländern: Allen Mitgliedstaaten der EU, in der Türkei sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. Ab nächstem Jahr kommen Kroatien und die Schweiz dazu. Wer weiter weg will, kann sich in Stipendiendatenbanken umschauen oder sich die Broschüre „Studium, Forschung, Lehre - Förderungsmöglichkeiten für Deutsche im Ausland“ bestellen.

Siegbert Wuttig, Leiter der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit, rät, so früh wie möglich mit der Planung anzufangen. „Wer ein Jahr im Ausland bleiben will, braucht einen Vorlauf von einem Jahr.“ Die größte Herausforderung: Die Finanzierung. Wer mit Erasmus ins Ausland geht, bekommt im Schnitt 200 Euro im Monat, die glücklicherweise nicht auf das Bafög angerechnet werden, sondern zusätzlich spendiert. Studiert man an einer Partnerschule der eigenen Universität, entfallen meist die Studiengebühren für die ausländischen Hochschule. Trotzdem kommt kaum einer darum herum, sich vorher Geldreserven anzujobben. Sich vor Ort einen Nebenjob zu suchen, kann auch eine gute Idee sein – vorausgesetzt, dein Gastland erlaubt es. Das kann Einblicke in die Kultur und den Wortschatz verschaffen, die Unibank und Erasmus-Partys nicht bieten können.

Die zweite Hauptschwierigkeit: Die Leistungen aus dem Ausland an der heimischen Uni anerkennen zu lassen. Wuttig rät allen Erasmus Studenten, die Lernvereinbarung ernst zu nehmen – sie ist eine dreiseitige Erklärung darüber, was sie an der Austausch-Uni zu studieren beabsichtigen. Sie wird im Vorfeld mit dem Erasmusbeauftragten abgesprochen und soll sicher stellen, dass die ECTS-Punkte, die du im Ausland sammelst, übertragen werden. Wie viele man davon macht ist jedem selbst überlassen. Damit das Studium sich nicht verzögert, werden 30 Punkte pro Semester empfohlen. Wer aber im Ausland lieber feiern und reisen will, kann auch „vorstudieren“ oder nach der Rückkehr ein paar Extrasemester anhängen.

Ich habe mir lange überlegt, Erasmus zu machen. Dann bin ich aber doch mit einem anderen Stipendium nach Washington DC gegangen – und habe zwei Semester so verbracht, wie man sie aus College-Filmen kennt. Die Kulisse: Dreierzimmer in einem Dormitory mit benutzten Kondomen und dicken Haaren in der Gruppendusche. Wir schmuggelten fürchterliches Bier unter dem wachen Augen der Campuspolizei und Teebeutel aus der Cafeteria, weil wir so pleite waren.

Es war – Leben. Geschichten, mit denen man später seine Kinder quälen wird. Der akademische Ertrag für zwei Semester Nachtschichten in der Bibliothek? 15 ECST Punkte. Der persönliche? Unvermessbar.

Inzwischen studiert eine Freundin von mir an meiner alten Uni. In meinem Bett weint eine Französin ihren schlimmstes Heimweh der Welt ins Kopfkissen und schreibt an meinem Schreibtisch E-Mails darüber, dass Amis ja immer „How are you“ fragen, es aber nie wissen wollen. Meine Spuren in Washington hat die Reinigungsfrau innerhalb der 15 Minuten weggefegt. Ich war eine Austausch-Studentin.

Einzigartig war es trotzdem.

Neben aufpoliertem Englisch brachte Wlada Kolosowa, 24, aus ihrem Auslandsjahr 30 kg Übergepäck, ein Kilo Übergewicht und eine heiße Liebe für Erdnussbutter-Sandwiches mit Käse zurück nach Deutschland.

Fünf Tipps für das Auslandssemester:

1. Erasmusstudenten, aufgepasst: Sprachkurse in Hauptsprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch werden zwar nicht gefördert. Wer aber zum Beispiel in die Türkei geht, kann einen Zuschuss von bis zu 1000 Euro für einen Intensivsprachkurs bekommen.

2. Die besten Sprachlehrer sind sowieso die Einheimischen. Nur haben sie – vor allen Dingen in Austausch-Hochburgen wie Barcelona – selten Lust auf Austauschstudenten, die nach ein paar Monaten aus ihrem Leben verschwinden. Tandempartner, Gspusis mit Eingeborenen und muttersprachliche Mitbewohner können helfen aus der Blase der Landsmänner und Austauschstudenten auszubrechen.

3.  Apropos Mitbewohner: Wer keine Lust auf Wohnheim hat, kann auf http://www.casaswap.com/ Zimmer tauschen, suchen und untervermieten.

4. Apropos Gspusi: Lieben mit eingebauten Verfallsdatum lodern besonders schnell auf. Ziemlich sicher wird es sie geben, die eine Nacht, in der du und Enrique plötzlich an Billigflieger und Skype glaubt. Widerstand zwecklos. Es gehört dazu. Die Tränen danach auch.

5. Kommunikation: Wer bloggt oder sein Leben regelmäßig in Statusupdates protokolliert, setzt sich unter Originalitätsdruck und Berichterstattungs-Zugzwang. Wer es allerdings nicht tut, muss die gleiche Geschichte 20 Mal erzählen.