Ich vertrage die Pille nicht - wie verhüte ich trotzdem sicher?

Die Pille gilt als sicherstes Verhütungsmittel, aber nicht jede Frau verträgt sie oder kann sich an die regelmäßigen Einnahmezeiten gewöhnen. Zum Glück gibt es eine Menge Alternativen. Das Lexikon des guten Lebens hilft, die passende Verhütungsmethode zu finden.
fiona-webersteinhaus

Fiona Weber-Steinhaus, 26, hat für diesen Text Katha, 25, protokolliert:

"Die Pille habe ich genommen, seitdem ich 19 Jahre alt war. Über andere Möglichkeiten hatte ich mir damals keine Gedanken gemacht, da fast alle meine Freundinnen auch die Pille nahmen und mir die Frauenärztin zunächst keine Alternativen vorschlug.  

Gesundheitlich habe ich die Pille gut vertragen – aber das regelmäßige Einnehmen hat bei mir trotz eines Pillenalarms im Handy und auffällig platzierter Pillenpackung im Badezimmer nicht so recht geklappt. Zweimal musste ich wegen meiner Verplantheit die Pille danach nehmen, als mein Freund und ich zusätzlich verhütet haben und dann das Kondom gerissen ist.

Ich habe mich bei meiner Frauenärztin über das Hormonstäbchen informiert, das mir praktisch vorkam – sie riet mir aber davon ab. Auch die Frauenärztin Bettina Bosselmann empfiehlt eher andere Verhütungsmittel als das Stäbchen, welches man sich implantieren lässt und das über einen Zeitraum von fünf Jahren kontinuierlich das Hormon Gestagen abgibt. „Normalerweise bekommt man mit Stäbchen nicht mehr seine Periode, doch manche Patientinnen bekommen nach ungefähr einem Jahr unregelmäßige Schmierblutungen – was zwar nicht schlimm, aber doch lästig für die Patientin ist.“ Außerdem sei der Preis von rund 350 € sehr viel, wenn man sich das Stäbchen nach einem kurzen Zeitraum wieder rausnehmen lasse.  

Ich habe dann den NuvaRing ausprobiert, ein flexibler Ring mit den Hormonen Östrogen und Gestagen, den man sich in die Scheide einführt, er legt sich an die Scheideninnenwand. Nach drei Wochen holt man ihn raus und setzt ihn nach einer Woche wieder ein. Das Gute: „Die Hormondosis ist geringer als bei der Pille, da sie direkt von der Schleimhaut aufgenommen wird, der Verhütungsschutz aber der gleiche“, so Bettina Bosselmann. Auch haben weder ich noch mein Freund den rund 5 Zentimeter großen Ring beim Sex bemerkt. Aber so einfach, wie in der Gebrauchsanweisung beschrieben, fand ich es nicht, diesen glitschigen Ring einzuführen. Ein paar Mal ist er mir aus der Hand geflutscht, als ich ihn zusammendrücken wollte. Und einmal habe ich ihn, ähm, "rausgepresst", als ich auf der Toilette saß. Weiterer Nachteil: Er kostet für drei Monate rund 48 Euro, ist also teurer als die Pille.  

„Es gibt keine perfekte Verhütungsmethode – jede hat seine Vorteile und Nachteile“, meint Bettina Bosselmann. „Manchmal ist es auch so, dass Frauen die Pille nicht vertragen, weil sie diese morgens nehmen, eine Einnahme abends ist da manchmal schon die Lösung.“

Andere Frauen würden aber auch die Hormone nicht vertragen, die zum Beispiel bei der Pille, dem NuvaRing und dem Stäbchen freigesetzt werden: Östrogen erhöht zum Beispiel die Thrombosegefahr. Die Minipille wie auch das Hormonstäbchen enthält nur das Gelbkörperhormon Gestagen, so dass sie für manche Frauen besser verträglich sind. „Gestagen auf der anderen Seite kann auf die Stimmung schlagen. Wer also melancholisch veranlagt ist, dem würde ich zu einem anderen Präparat raten“, so die Frauenärztin. Manche Gestagen-Präparate könnten schlechte Haut und Pickel auslösen. Und bei starken Raucherinnen oder Frauen mit starkem Übergewicht könnte man von der Pille abraten. Wer keine Hormone zu sich nehmen will oder sollte, kann zum Beispiel auf die Spirale, auf Fruchtbarkeitswahrnehmung wie die Temperaturmethode oder auch das Diaphragma umsteigen.  

Ich hatte Verhütungsmittel wie die sogenannte "natürliche Verhütung" schon nach kurzem Überlegen ausgeschlossen, da ich ja schon für die tägliche Einnahme der Pille zu schluderig war. „Für Frauen mit sehr stabilem Zyklus, die keine Hormone nehmen mögen und die bereit sind, sich intensiv mit ihrem Zyklus zu beschäftigen, kann die natürliche Verhütung aber auch eine Möglichkeit sein“, erklärt Bettina Bosselmann. Die kleinen Computer wie zum Beispiel persona, welche viele Frauen mit Babywunsch benutzen, könne man genauso gut benutzen, um seine unfruchtbaren Tage auszurechnen. Aber: Das sei ziemlich viel Aufwand. Von der alleinigen Nutzung von Spermiziden, also Gels, die man sich vor dem Sex in die Scheide aufträgt, rät Bettina Bosselmann ab – „sie sollten nur in Zusammenhang mit einem Diaphragma angewendet werden“.  

Für mich war das Diaphragma sowieso keine Alternative, da ich das spontane Einsetzen kurz vor dem Sex, bis zu zwei Stunden davor, unpraktisch fand. Da ich seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen bin, kamen für mich nur längerfristige Verhütungsmethoden in Frage. Vom Nuvaring habe ich ziemlich viele Pickel bekommen und überlege, mir auf lange Sicht die Spirale einsetzen zu lassen. Das kommt meiner Idee vom Hormonstäbchen nahe; sie verhütet zuverlässig und bleibt bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter. Aber: „Das Einsetzen der Spirale kann durchaus unangenehm sein“, so die Frauenärztin. „Bei der Kupferspirale kann es zu einer stärkeren Periode kommen, was viele Frauen nicht wollen.“ Die Hormonspirale verursacht das nicht – aber sie schüttet kontinuierlich im geringen Maße das Gelbkörperhormon Gestagen aus.

Wie ich inzwischen gemerkt habe – die perfekte Verhütung gibt es wirklich nicht, Alternativen zur Pille allerdings schon."

Katha, 25, hat ständig vergessen, ihre Pille zu nehmen. Seit einem Jahr verhütet Katha mit dem Vaginalring – daran muss sie wenigstens nur zweimal im Monat denken.  
Fünf Tipps für die weibliche Verhütung ohne Pille:

1. Sich beim Frauenarzt beraten lassen: Vertrage ich kein Östrogen? Möchte ich überhaupt Hormone nehmen? Was für ein Einnahme-Typ bin ich? Wie oft habe ich Sex? Und auch: Wieviel Geld habe ich gerade zur Verfügung? Das Einsetzen der Spirale (die Hormonspirale kostet rund 250-350 Euro, die Kupferspirale rund 120-200 Euro) oder eines Hormonstäbchens (rund 350 Euro) ist einmalig kostspielig.

2. Für Frauen, die oft die Pille vergessen oder zum Beispiel oft Magen-Darm Probleme haben, ist der NuvaRing eine Alternative. Er ist allerdings etwas teurer als die Pille.

3.  Einen Überblick über die Sicherheit der verschiedenen Verhütungsmittel gibt zum Beispiel der Pearl-Index.  

4. Außer dem Kondom und dem weiblichen Kondom, dem Femidom, bieten die angegebenen Verhütungsmittel keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Also: beim One-Night-Stand trotz Pille, Spirale oder Hormonstäbchen zusätzlich Kondome verwenden!    

5. „Aufpassen“ oder per Pi-Mal-Daumen die unfruchtbaren Tage erraten, sind keine Verhütungsmethoden, sondern genauso unsicher wie sie sich anhören.

Text: fiona-webersteinhaus - Cover: dpa

  • teilen
  • schließen