Muss der Freund die Pille mitbezahlen?

Die Antwort lautet erst einmal: Müssen tut er natürlich gar nichts.
christiane-lutz

Die Antwort lautet erst einmal: Müssen tut er natürlich gar nichts. Aber es ist Pflicht, das Thema Verhütung im Allgemeinen und die Pille im Speziellen einmal ordentlich durchzudiskutieren.

Bis zur Volljährigkeit bekommen Frauen die Pille gegen Rezept umsonst, bis zum 21. Geburtstag fällt nur die Rezeptgebühr von 5 Euro an. Danach kostet die praktischere Halbjahrespackung (nennt sich 6x21) im Schnitt etwa 55 Euro, das sind pro Monat also etwas weniger als zehn Euro. Eine Halbjahrespackung der häufig verschriebenen Valette beispielsweise gibt es für 59,83 Euro, die neue Belissima kostet hingegen nur 46,99 Euro für die gleiche Menge. Allerdings kommen bei gesetzlich Versicherten noch 10 Euro Praxisgebühr pro Halbjahr hinzu, denn ein Rezept gibt es nur gegen eine gynäkologische Untersuchung.

Ich selbst nehme seit über zehn Jahren die Pille, und habe überschlagen inzwischen knapp 900 Euro dafür ausgegeben. Die Nerven, die bei Vergessen draufgegangen sind, nicht mitgerechnet. Für das Geld ließe sich ordentlich Urlaub machen. Oder viele, sehr viele Kondome kaufen. In irgendeiner Form also muss der Partner einbezogen werden, er ist schließlich Hauptprofiteur der Pille. Vielen Männern ist leider nicht bewusst a) wie teuer die Pille eigentlich ist b) dass die hormonelle Belastung durchaus negativ auf die Psyche schlagen kann und bei manchen Frauen gar zu körperlichen Beschwerden führt (keine Lust auf Sex beispielsweise, Gewichtszunahme und in seltenen Fällen sogar Thrombose) c) dass es schlichtweg nervt, immer, immer an die kleine Tablette denken und sich kümmern zu müssen.

Erste Möglichkeit ist also: der Partner honoriert die Verantwortung, die seine Freundin für ein - besonders für ihn - sorgloses und spontanes Sexleben übernimmt durch eine Mitfinanzierung der Pille. Diese Variante bevorzugen wohl auch die meisten Paare.

Möglichkeit zwei: Der Freund honoriert die Pilleneinname der Freundin, indem er sich an anderer Stelle revanchiert. Er könnte sie beispielsweise nach jedem Besuch beim Gynäkologen zum Essen einladen oder die Finanzierung der Notfallkondome übernehmen.

Möglichkeit drei: Die Frau möchte gar nicht, dass ihr Freund sich beteiligt. Manche schätzen die Pille als eine Form der Selbstbestimmung über ihren Körper, ihr Sexualleben und wollen sich durch eigene Finanzierung diese Freiheit bewahren.

Möglichkeit vier: der Partner verweigert partout, sich irgendwie kenntlich zu zeigen. Vielleicht, weil er noch immer glaubt, Verhütung sei Frauensache. Oder besser gesagt, die Pille zu nehmen sei ein privates Hobby. Da hilft nur: überlegen, ob so ein Mann der Richtige ist.

Christiane Lutz, 27 Jahre, hofft, dass endlich eine brauchbare Pille für den Mann erfunden wird, damit der sich mal schön gleichberechtigt fühlen kann.
5 Tipps für Mädchen, die die Pille nehmen:

1. Das Thema ist zu wichtig, als dass es die Frau allein entscheidet. Der Mann hat ja schließlich auch was von der Pille, also soll er auch in die Verantwortung mit einbezogen werden.

2. Sich nicht irritieren lassen. Nur weil Freunde es anders machen, muss man sich noch lange nicht nach ihnen richten. Wie das Pillenproblem gelöst wird, muss jedes Paar selbst entscheiden.

3. Wenn man mit dem Partner partout auf keinen Nenner kommt, sollte man über alternative Verhütungsmethoden nachdenken.  

4. Wenn er sich auch da raushalten will: über alternative Partner nachdenken

5. Mit dem Frauenarzt sprechen. Vielleicht gibt es auch eine günstigere Pille, als die, die man seit Jahren nimmt. Gerade Reimporte sind oft billiger als die Pillen, die in Deutschland produziert werden.

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