Muss ich mich wirklich gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen?

Es war ohnehin schon furchtbar.
lea-hampel

Es war ohnehin schon furchtbar. Der Stuhl, das Nacktsein, die komischen Geräte. Das Letzte, worüber ich nachdenken wollte, war Krebs. Tat ich auch nicht. Denn als ich das erste Mal beim Frauenarzt war, war es für das zu spät, was heute eine der umstrittensten Fragen in Sachen Gesundheit junger Frauen ist: eine Gebärmutterhalskrebsimpfung. Das ist der umgangssprachliche Begriff für eine Impfung gegen Humanpapillomviren, die beim Sex übertragen werden und Genitalwarzen oder im schlimmsten Fall Gebärmutterhalskrebs bedingen.  

Es scheint komisch, aber im ersten Moment war ich froh, dass ich mir diese Frage gar nicht hatte stellen müssen – die Debatte ringsrum ist sehr kompliziert. Das Lob durch die einen Ärzte, durch die erst 2006 auf den Markt gebrachten Impfstoffe seien viele Fälle von Krebs verhindert und Leben gerettet worden, kommt mir genauso komisch vor, wie aus Angst vor Nebenwirkungen ein Krebsrisiko höher zu belassen als notwendig. Immerhin sterben 1700 Frauen in Deutschland jedes Jahr an diesem Krebs. Und durch die bei Vorstufen notwendigen Behandlungen verringert sich oft die Chance, schwanger zu werden.  

„Wenn es die Möglichkeit gibt, sich mit geringem Aufwand einer Impfung vor der  Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung schützen zu können – in diesem Fall vor etwa 70 % aller Gebärmutterkrebse und fast 100 % der Genitalwarzen – ist es klug, der dringenden Empfehlung zur Impfung zu folgen.“ Das sagt der medizinische Fachmann, in diesem Fall Dr. Michael Wojcinski, Frauenarzt, und verweist auf eine sehr schulmedizinische Regel: „Nichtimpfen ist gefährlicher als Impfen.“ Und die fast 500 Euro, die das kostet, zahlt die Krankenkasse. Einerseits.  

Andererseits: sinnvoll ist diese Impfung nur, wenn man noch keinen Kontakt zu den Viren hatte. Das kann nur der Arzt herausfinden, und die Wahrscheinlichkeit sinkt mit der Zahl der Sexpartner, die man hatte. Und: die Impfung ist nicht die einzig mögliche Vorsorge. Denn immer, wenn wir uns beim Gynäkologen in den kalten Stuhl und diese sonderbare Haltung begeben, macht er einen Abstrich, in dem Zellveränderungen, die Vorstufen von Krebs anzeigen, untersucht werden. Außerdem erhöhen wir beispielsweise durch Rauchen und die Einnahme der Pille auch die statistischen Krebschancen.  

Ich persönlich bin wenig risikofreudig, und habe letztes Jahr die nachträglich mögliche Impfung nachgeholt, nach einem längeren Briefwechsel mit der Krankenkasse, die ab einem bestimmten Alter die Kosten nur noch auf Antrag übernimmt. Am liebsten hätte ich das allerdings schon mit 12 gewusst.  

Lea Hampel hat für diesen Text Friederike, 26, aus München protokolliert. Sie geht regelmäßig zum Frauenarzt, weil er nette Erinnerungsschreiben verschickt.
Fünf Tipps in Sachen Gebärmutterkrebsimpfung:  

1. Lieber heute als morgen zum Arzt gehen und sich mit dem beraten. Je länger man zögert, desto weniger Wirkung hat eine Impfung und die Chance auf Nervereien mit der Krankenkasse steigt.     

2. In jedem Fall sollte man die Meinung mehrere Ärzte einholen, weil auch Mediziner dazu sehr unterschiedliche Meinungen haben.

3. Grundsätzlich sollte man sehr regelmäßig zum Gynäkologen gehen, auch wenn es Praxisgebühr und Zeit kostet.   

4. Mit dem Partner sollte man auch darüber reden, auch wenn solche Themen sich unnötig peinlich anfühlen. Jungs können sich nämlich ebenso gegen die Viren impfen lassen.

5. Bloß nicht anfangen, das Problem durch googeln lösen zu wollen. Foren in Sachen Medizin sind die Horrorkabinetts des Web.  

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