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Sollte ich Kinder kriegen, obwohl meine Finanzlage nicht beständig ist?

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„Auch wenn das Baby eher ungeplant ist und man wenig oder gar kein Geld verdient, muss man nicht an der finanziellen Situation verzweifeln“, beruhigt Daniela Horsch von der Schwangerschaftsberatung Balance in Berlin. „Es gibt sehr oft finanzielle Unterstützung vom Staat.

Schwangere Frauen können zum Beispiel eine Baby-Erstaustattung beim Jobcenter beantragen, auch wenn sie sonst keine Leistungen beziehen.“ Und ohnehin, sagt Daniela Horsch, gibt es Fragen, die genau so wichtig sind wie die finanziellen Regelung: „Habe ich einen Partner, der mich unterstützt? Kann ich mir vorstellen mit ihm eine Familie zu gründen?“ Und auch die Frage nach der persönlichen Lebensplanung ist wichtig: „Bin ich reif genug? Was kann ich bewältigen? Muss ich erst studieren oder einen Job finden?“  

All diese Fragen hatte ich mir schon beantwortet, als ich mich für unser Kind entschieden habe. Wir haben zudem das Glück von der Familie finanzielle Unterstützung zu bekommen – ein Luxus, den nicht jeder hat. Außerdem bekommen wir Elterngeld für unser Baby und auch Kindergeld für uns selber, da wir ja noch studieren. Ich habe meine Entscheidung niemals bereut.

Tatsächlich finde ich es sehr traurig, wenn junge Paare sich zu lange mit der Familienplanung zurückhalten, nur weil sie ihrem Kind „etwas bieten“ wollen. Was soll das sein? Ein Haus, zwei Autos, Markenklamotten, teure Urlaube? Erstens gibt es keine Garantie, dass man später mehr Geld haben wird. Und zweitens kann ich mich erinnern, dass mir als Kind die Zeit mit meiner Mutter wichtiger war, als dass sie im Büro viel Geld für schöne, neue Schuhe verdient. Ich zeige meinem Sohn lieber, dass man auch mit weniger Geld glücklich sein kann. Ich möchte ihm erst gar nicht diese Abstiegs- und Existenzängste einimpfen, die mit Wohlstand verknüpft sind. Teure Dinge, wie einen Kinderwagen für ein paar hundert Euro, haben wir nicht. Unserer ist aus dritter Hand. Und auch sonst nehme ich viele gebrauchte Klamotten oder Spielzeuge an – der Kleine hat trotzdem schon viel zu viel Zeug.  

Momentan gehe ich davon aus, dass wir in ein paar Jahren ein geregeltes Einkommen haben werden. Und auch falls nicht - es gibt Wichtigeres, finde ich. Man kann sich das Glück nicht vorstellen, wenn man um vier Uhr morgens seinen Sohn im Arm hält und er im Schlaf lächelt. Oder wenn er zum ersten Mal laut lacht. Oder natürlich, wenn das erste Ma-Pa-Ma aus dem Babybettchen ertönt.   Einen Luxus haben wir uns vor kurzem dennoch geleistet: Wir haben uns ein „bakfiets“ gekauft. Ein Lastenrad, das bei den Niederländern sehr beliebt ist, um Kinder zu transportieren. Es war relativ teuer und für uns steht jetzt schon fest, dass wir vermutlich sehr lange kein eigenes Auto besitzen werden. Aber das ist eigentlich kein großer Verlust, sondern eher ein Gewinn.      

Marie-Charlotte Maas, 26, hat für diesen Text Rebecca, 22, protokolliert, die gerne in den nächsten Jahren auf jegliche Luxusgüter verzichtet, nur um ihren Sohn lachen zu sehen.  
      Fünf Tipps, wie man Kind und wenig Geld verbinden kann:

1. Eine Schwangerschaftsberatung aufzusuchen kann sehr sinnvoll sein. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen klärt man Grundlegendes: Wo kann ich mir Hilfe und Unterstützung holen? Welche Fragen müssen sonst noch geklärt werden? Viele Beratungen sind spezialisiert für soziale Fragen.

2. Dort wird auch zusammen besprochen, wie viel Geld zur Verfügung steht. Haben die Frauen (oder auch die Männer) einen Bafög-Anspruch? Zahlen die Eltern ihnen die Unterstützung, die sie zahlen müssten? Haben sie eine Wohnung?

3. Ein Spezialtipp für Studentinnen: Wenn sie ein Urlaubssemester nehmen und mit dem Kind zu Hause bleiben, haben sie zwar keinen Anspruch auf Bafög. Aber sie haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II.

4. Wer wenig Einkommen hat oder das eigene Existenzminimum nicht erarbeiten kann (egal, ob es sich dabei um eine selbstständige Frau mit wenig Einkommen oder eine Studentin handelt), kann einmalige Leistungen für Schwangerschaftsbekleidung, für die Baby-Erstaustattung usw. beim Jobcenter beantragen, auch wenn man sonst nicht regelmäßig Geld bezieht. Das ist eine Einzelfallentscheidung.

5. Es gibt bundesweit Stiftungen, die junge Familien oder Schwangere in finanzieller Not mit einer Einmalzahlung unterstützen können.

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