Ungeziefer in der Wohnung - welche sind wirklich schädlich und wie werde ich sie wieder los?

Während der Sommer am See sehr schön sein kann, sorgt die Wärme in der heimischen Küche hin und wieder für Problem mit ungebetenen Krabbelgästen. Im "Lexikon des guten Lebens" gibt es Tipps, wie man die Quälgeister loswird, auch solche, die zu jeder Jahreszeit anrücken können.
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Das Zwischenmietzimmer, welches ich für die drei Monate Praktikum in München gemietet hatte, sah ich zum ersten Mal beim Einzug. Wird schon passen, dachte ich. Und tatsächlich, die Leute in der WG waren sehr nett – hatten aber eine sehr breite Definition von Sauberkeit. Und so lernte ich nach und nach noch einen ganzen Schwung weitere, unliebsame Mitbewohner kennen:  

Als ich das erste Mal das Badezimmer putzen wollte - zugegeben, es war am Tag meines Einzugs, wurde ich von einer ganzen Schar kleiner herumkriechender silberner Tierchen in der Schrankecke begrüßt. „Silberfischchen sind wärmeliebende Nachtlebewesen. Sie ernähren sich vorwiegend von Stärke oder dem Dextrin im Tapetenklebstoff“, erklärt Tim Britten, Geschäftsführer der Münsteraner Firma für Schädlingsbekämpfung Pestimo Services. Schädlich sind die Tierchen aber nicht. Ich kaufte am nächsten Tag Köderdöschen im Supermarkt. „Eine gute Idee“, meint der Profi. Aber um die kleinen Fischchen von vorneherein abzuwehren, sollte man zuviel Feuchtigkeit im Raum vermeiden und  die Temperatur verringern. Also zum Beispiel im Badezimmer ohne Fenster, eine beliebte Herberge für Silberfische, die Türen öfters offen lassen.  

Meine Bekannte Lotta hätte über meinen Silberfisch-Ekel gelacht. Ein Jahr zuvor waren Mäuse bei ihr in der Wohnung, die nachts über den Flur huschten und eines Tages im Kühlschrank saßen und an ihrem Parmesankäse nagten. Lottas Wohnung war für WG Verhältnisse schon akribisch sauber. Dreck ist auch kein nötiger Hinweis, so Tim Britten: „Mäuse deuten nicht gleich auf eine dreckige Umgebung hin.“ Sie mögen zwar alte Lebensmittel und Unrat, aber es gebe vielfältige Gründe.  

Lotta stellte damals Lebendfallen auf, mit der sie zwar einige Mäuse fing, das Mäuseproblem aber nicht loswurde. Als erster Schritt seien Fallen ratsam, so Tim Britten. Zusätzlich sollte man die Zugänge, zum Beispiel kleine Löcher in der Wand, mit Holz und Blech verschließen. Wenn es nicht besser wird: Im Vergleich zu Silberfischen sei es durchaus ratsam, einen Fachmann zu rufen. „Dieser kann schnell, zum Beispiel an den Kotspuren, feststellen, ob sich nur einzelne Mäuse oder Ratten verlaufen haben, oder ob es sich um eine ganze Schar handelt, die sich in der Wohnung wohl fühlen. Lotta ist aus ihrer Wohnung geflüchtet, bis ihre Mitbewohnerin den Kammerjäger rief. Angst vor Parmesan hat sie jedoch immer noch.  

Bei mir in der Zwischenmietwohnung ging es weiter mit nervigen Kleintierchen: Eine der ehemaligen Mitbewohnerinnen hatte wohl einer Passion für’s Kuchenbacken gefrönt. Die Küchenschränke waren randvoll mit Utensilien wie Mehl, Rosinen, Mandeln, Backpulver, Zucker – alles in den Original Papier- und Plastiktüten. Als ich ins Mehl reinlugte, sah ich komische Klümpchen, die sich bewegten und wegflogen. Was ich nicht wusste: Das waren Lebensmittelmotten, die laut Tim Britten eine Vorliebe für Cerealien und Getreideerzeugnisse haben. Daraufhin habe ich einen großen kulinarischen Bogen um diese Zutaten gemacht - was jedoch nicht der richtige Schritt war. „Von Motten befallene Lebensmittel sind wegen der abgelegten Larven nicht mehr genießbar. Am besten entsorgen, zusätzlich sollten alle anderen Lebensmittel auch überprüft werden“, so Tim Britten.

Übrigens: Tee und Gewürze können auch Mottenziel sein. Was auch hilft, ist Getreidesachen und Zucker in fest verschließbare Behälter zu füllen. Und wenn man ganz panisch ist: Fliegengitter an den Fenstern anbringen, um den Mottenanflug von vorneherein zu vermeiden.

Kleidermotten haben hingegen nichts mit Dreck zu tun. Sie nagen fröhlich in Kleiderschränken an Jeans und Pullis. Beim Neueinzug: Den Schrank saugen und Mottenpapier oder Kugeln provisorisch zwischen die Kleider legen. Wenn die Motten schon am Werk waren, die Kleidung in Plastiktüten in die Gefriertruhe packen – so sterben die Viecher am Kältetod. Auch gut und gibt der Kleidung zusätzlich einen frischen Duft: Lavendelsäckchen in den Kleiderschrank hängen.    

Ich hatte nach der ersten Woche in der Wohnung die Ekelecken sauber gemacht und mich mit dem Rest arrangiert. Der Haupttipp des Schädlingsbekämpfers ist ziemlich simpel und wird doch in vielen WGs ignoriert: Eine gewisse Ordnung und Sauberkeit hilft, um sich gar nicht erst sich mit Schädlingen oder sogenannten Lästlingen wie den Silberfischen befassen zu müssen. Das heisst nicht klinisch rein, aber „eine halbe Pizza sollte nicht über Tage vor sich hin vegetieren, und der Müll sollte regelmäßig weggebracht werden.“

Die Zwischenmiete war das letzte Mal, dass ich mich mit Kleinviechern außer Spinnen und Regenwürmern in der Wohnung herumschlagen musste. Bis ich vor drei Wochen Dal Curry in einem Restaurant in London bestellte und präsent wie die Kirsche auf dem Kuchen eine Kakerlake auf dem Poppadom-Dip saß. Zwar muss ein gastronomischer Betrieb oder ein Lebensmittel herstellender Betrieb nicht gleich dreckig oder unhygienisch sein, wenn Schaben, auch Kakerlaken genannt, auftauchen, beschwichtigt Tim Britten. Doch dass sie auf dem Essen sitzen - dazu sollte es definitiv nicht kommen: Die meisten Lebensmittelhersteller arbeiten in der Regel mit einer Schädlingsbekämpfungsfirma zusammen um einem Schädlingsbefall vorzubeugen, oder gegebenenfalls zu bekämpfen, so der Kammerjäger.

Das Problem: Schaben vermehren sich rasant schnell, sind extrem widerstandsfähig und vor allem gesundheitsgefährdend, da sie Krankheiten übertragen. Wenn man also zuhause Schaben hat, sollte man am besten direkt einen Kammerjäger rufen. Es gibt zwar Tipps wie mit Sirup gefüllte Pommesschalen aus Papier, so dass sich die Kakerlaken darin verfangen und sterben oder chemische Sprays um den Viechern den Garaus zu machen - dies bringe aber meist nichts gegen einen großen Befall, meint Tim Britten.  

Ein Gutes hatte die Erfahrung mit den Tierchen aber doch: Spinnen sind mir inzwischen fast sympathisch.  

Die Antwort von Fiona Weber-Steinhaus, 24, hat von den unerwünschten Mitbewohnern zumindest etwas profitiert: Ihre Putzskills haben ein beinahe professionelles Niveau erreicht.    

Fünf Tipps gegen Ungeziefer:  

1. Der einfachste Trick: Die Wohnung halbwegs ordentlich und sauber halten, Essen in den Kühlschrank stellen oder verschließen und den Müll rausbringen.   

2. Bei Silberfischen die Zimmer lüften, Heizung runterdrehen und versuchen, die Luftfeuchtigkeit zu verringern. Im Supermarkt kann man kleine Köderdöschen kaufen, manche empfehlen auch Salmiak. Aber Vorsicht: Giftig beim Einatmen   

3. Lebensmittelmotten mögen vor allem Getreide, Müsli und Corn Flakes. Am besten alles in richtig verschließbaren Dosen aufbewahren. Vorteil: Sieht viel ordentlicher aus als verkrumpelte Papiertüten im Küchenschrank. Wenn man Motten im Essen hat: alles wegwerfen und auch andere Lebensmittel auf Larven untersuchen.  

4.  Bei Mäusen das Loch suchen, wodurch sie kommen und mit Holz oder Blech verschließen. Mäusefallen (es gibt auch Lebendfallen, wo die Mäuse nicht zerquetscht werden) in deren Laufbahn aufstellen.   

5. Vorsicht bei Schaben/Kakerlaken: Diese sind gesundheitsgefährdend. Den Kammerjäger oder Fachmann  rufen.