Was hat ein Bausparvertrag mit meinem Leben zu tun?

Wer bauspart, spekuliert.
florian-zinnecker

Wer bauspart, spekuliert. Nicht auf den Erfolg eines Unternehmens, sondern auf seine eigene rosige Zukunft. Wer bauspart, das Wort steht sogar im Duden, will irgendwann – den genauen Zeitpunkt umschreiben Berater gern mit „später“ – eine Wohnung oder ein Haus kaufen. Die eigenen vier Wände. Das Eigenheim.  

Am Anfang ist alles ganz einfach: Wer Geld bei der Bank anlegt, bekommt Zinsen und hat am Ende mehr als am Anfang. Weil eigene vier Wände teuer sind, reichen die Ersparnisse meistens nicht, ein Kredit muss her, und der ist teuer. Wer einen Bausparvertrag unterschreibt, bekommt weniger Zinsen als üblich. Dafür ist auch das Darlehen günstiger, und der Staat – es folgt wieder Beratersprache – "packt noch was obendrauf".  

Die Ansparphase ist die Zeit, in der du Geld bezahlst und Zinsen bekommst. Sie dauert so lange, bis eine vorher vereinbarte Summe erreicht ist. Dann – mit der Zuteilung – beginnt die Zeit, in der du Geld bekommst und Zinsen bezahlst. Das Haus, um das es die ganze Zeit geht, kaufst  du am besten: genau jetzt. Und dann fängst du an, das geliehene Geld wieder zurückzuzahlen.  

Zeitlich läuft es meistens auch genau so: Jetzt bausparen, später kaufen wollen. Jetzt noch nicht. Wer früher spart, ist länger reich. Und umgekehrt: Wer später mal ein Haus haben will, muss dann anfangen zu sparen, wenn er die Idee noch verachtet. Denn die Wahrheit ist ja auch: Je früher Eigenheimbesitzer, desto länger immobil.  

Sicher ist: Bausparen lohnt sich meistens nur dann so richtig, wenn man auch tatsächlich eigene vier Wände anpeilt. Als bloße Geldanlage taugt ein Bausparer zwar auch, sehr oft gibt es aber bessere – weil lukrativere – Alternativen.  

Meinen Bausparvertrag habe ich erst mal geparkt. Solange es Alternativen gibt, sollte man sie nutzen. Und das Gute ist ja: So schlimm wie in den Fernseh-Dokus ist die Wirklichkeit fast nie.  

Florian Zinnecker, 26, ist Sohn zweier Bankangestellter und besitzt mindestens fünf Bausparverträge, über eine 3 in Mathe ist er trotzdem nur selten hinausgekommen.
   
Fünf Tipps für den Bausparvertrag:

1. Wer seinen Bausparer tatsächlich in den Kauf der eigenen vier Wände fließen lassen will, sollte vor Vertragsabschluss einen Blick auf die Immobilienpreise der betreffenden Stadt werfen – und bedenken, dass man mit 25.000 Euro nicht weit kommt, wenn eine Wohnung das Zehnfache kostet.

2. Umkehrt bleibt zu bedenken: Mehr kostet auch mehr. Ein 50.000-Euro-Vertrag muss monatlich mit einem stattlichen dreistelligen Betrag gefüttert werden, damit die Zuteilung nicht in unendliche Ferne rückt.

3. Weil einige Bausparkassen ihre Provision von der Höhe der Vertragssumme abhängig machen, sind Berater eher daran interessiert, eine möglichst hohe Abschlusssumme in den Vertrag zu schreiben.

4. Wer sich sicher ist, dass er seinen Bausparvertrag nicht zum Kauf einer Immobilie nutzen will, kann ihn in einen Hochzins-Bausparvertrag umwandeln – dann gibt es für das angelegte Geld höhere Zinsen, die Aussicht auf ein günstiges Darlehen ist aber weg.

5. Zinseinnahmen sind steuerpflichtig – es lohnt sich unbedingt, sich um einen Freistellungsauftrag zu kümmern.

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