Was ist der NC?

Die Noten stehen fest, jetzt steht für die Abiturienten die Suche nach dem Studienplatz an. Ein heikles Thema dabei ist der NC. Was sich hinter dieser lateinischen Abkürzung verbirgt und welche Rolle sie im Bewerbungsverfahren spielt, weiß das Lexikon des guten Lebens.
florian-zinnecker

Der Numerus Clausus (NC) ist erstens ein lateinischer Begriff, der für Zulassungsbeschränkung steht, zweitens eine Komma-Zahl und drittens der Grund, warum ich heute in Lüneburg studiere – und nicht in Berlin, Kiel, München oder Frankfurt am Main.

Ich habe mich schlichtweg zu wenig informiert nach dem Abitur. Besser gesagt, überhaupt nicht. Ich wusste nur: Ich will irgendwas mit Medien machen. Und ich will in eine Großstadt. Insgesamt verschickte ich 17 Bewerbungen, unter anderem  an Unis in Köln, Berlin, Frankfurt und München. Mein Abiturschnitt liegt bei 2,2. Bis dahin habe ich das für eine gute Note gehalten. Immerhin ist es ein guter Zweierschnitt. Als die erste Absage kam – aus Kiel – kümmerte ich mich nicht darum. Bei der zweiten dachte ich noch: „Das wird schon.“ Dann sagten Berlin und Köln ab, meine heimlichen Favoriten. Beide Absagen lagen am selben Tag im Briefkasten. Auf einmal bekam ich Panik.

Ich wusste, ich muss mir etwas überlegen, ich brauche einen Plan B. Von 17 angeschriebenen Unis sagten schließlich 15 ab. Immer aus dem gleichen Grund: Mein Abitur war nicht gut genug, der NC zu hoch für mich.

Der NC ist der Mindest-Abiturschnitt, den ein Studienplatzbewerber braucht, um an einer bestimmten Universität ein zulassungsbeschränktes Fach zu studieren. Dahinter steckt das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Für einen bestimmten Studiengang gibt es pro Jahr nur eine bestimmte Anzahl an Studienplätzen. In der Regel gibt es aber mehr Bewerber als Plätze. Zugelassen werden daher nur die besten Bewerber.

Als NC gilt am Ende des Zulassungsverfahrens der Abiturschnitt des „schlechtesten“ Bewerbers, der für den Studiengang zugelassen wurde. Wie hoch der NC eines bestimmten Studiengangs ist, lässt sich dementsprechend nur rückwirkend feststellen, weil er jedes Jahr aufgrund der aktuellen Bewerbungen neu berechnet wird. Der NC hängt also davon ab, wie gut das Abitur derjenigen ist, die sich für einen bestimmten Studiengang bewerben. Wenn man ein bestimmtes Fach studieren möchte, das zulassungsbeschränkt ist, kann es trotzdem sinnvoll sein, sich die NCs der Vorjahre anzusehen. Meistens variiert der NC nämlich nur um ein oder zwei Ziffern hinter dem Komma. 

Dass ich heute in Lüneburg studiere, liegt nicht daran, dass mein Abitur dort gut genug für den NC war, sondern daran, dass die Lüneburger Universität sich im Bewerbungsverfahren – wie übrigens immer mehr deutsche Hochschulen – nicht allein nach der Abiturnote richtet, sondern auf Sprachkenntnisse und außerschulisches Engagement Wert legt und die Bewerber zu Aufnahmegesprächen auf dem Campus einlädt. Damit nicht nur die Hochschule ein Auge auf die Bewerber richten kann, sondern auch umgekehrt.

Heute bin ich froh, nicht in Berlin oder Köln zu studieren, sondern an einer kleinen Uni in einer kleinen Stadt. Dass die meisten Unis mich abgelehnt haben, hatte also durchaus etwas Gutes.  

Maria, 21, wurde von Florian Zinnecker, 26, protokolliert. Florian wird eines Tages eine wissenschaftliche Studie zu der Frage anfertigen, wie viele Ideen nie entwickelt, Firmen nie gegründet und Kinder nie geboren worden wären, wenn es keinen NC gäbe. 
Fünf Tipps:

1. Vor der Bewerbung sollte man sich auf der Homepage der Universität oder telefonisch bei der Studentenkanzlei über die Zulassungsvoraussetzungen informieren. 

2. Viele Universitäten veranstalten auch Auswahlverfahren, um neben dem NC ein zweites Instrument zu haben, neue Studienanfänger auszuwählen. Auch über die Art des Auswahlverfahrens sollte man sich rechtzeitig informieren, weil es sinnvoll ist, sich speziell darauf vorzubereiten. 

3. Für einige Studiengänge wie Pharmazie und Medizin kann man sich nicht direkt bei den Hochschulen bewerben, sondern nur über eine Zentrale, die die Studienplätze verteilt. Mehr Infos dazu gibt es unter www.hochschulstart.de 

4. Neben dem Abiturschnitt spielt auch die Zahl der Wartesemester eine Rolle: Jedes Jahr vergeben die Universitäten einige Studienplätze an Bewerber, die schon mehrere Semester auf den Studienplatz warten. Als Wartesemester gilt die Zeit vom Abitur bis Studienbeginn. 

5. Über die NCs vieler Studiengänge aus den Vorjahren kann man sich hier informieren. 

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