Was muss ich beim Gebrauchtradkauf beachten?

Frühling, Sonne, da muss man Fahrrad fahren. Aber was, wenn man kein teures Neurad kaufen will? Das Lexikon des guten Lebens weiß, wie man sich beim Kauf eines gebrauchten Rads nicht abzocken lässt.
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Immer, wenn ich in eine neue Stadt komme, will ich am liebsten sofort ein Fahrrad haben. Weil einen das Radeln die unbekannten Orte viel schneller kennen lernen lässt. Man findet heraus, wie Stadtteile zusammenhängen und kann spontan in Straßen abbiegen, die einem interessant erscheinen. Manchmal leihe ich mir deshalb an neuen Orten ein Rad von Freunden. Noch lieber aber kaufe ich mir ein gutes Gebrauchtrad. Das aber ist nicht immer ganz leicht, weil man schnell zu viel für ein Schrottrad bezahlt, wenn man sich mit Fahrrädern nicht auskennt.

„Beim Gebrauchtradkauf muss man sehr viel beachten“, sagt auch Andi Spielmann aus der Fahrradwerkstatt „Cycleclinic“ in München Schwabing. Deshalb sollte man sich für den Fahrradkauf unbedingt Zeit nehmen und eventuell sogar jemanden dabei haben, der im Zweifel bei der Kaufentscheidung helfen kann. An gebrauchte Räder kommt man leicht über Radlflohmärkte, städtische Versteigerungen, über Kleinanzeigen im Internet oder sogar Fahrradläden. Da sind die Räder zwar meist teurer als beim Privatverkauf, man kann aber sicher sein, dass sie vom Fachmann überprüft worden sind. 

Generelle Fragen, die man dem Verkäufer stellen sollte: Wofür wurde das Rad früher benutzt? Wie viel Laufleistung hat es schon mitgemacht? (Im Durchschnitt hält ein Fahrrad circa acht bis zehn Jahre.) Die Deutschen fahren durchschnittlich 300 Kilometer pro Jahr. Ein gut gepflegtes Rad kann aber auch länger halten. Wenn ein Rad viel gefahren wurde, musst man sich die Stoßdämpfer und Naben genauer ansehen, die dann stärker strapaziert wurden. Wie gut das Rad gepflegt wurde, lässt sich auch mit der Frage herausfinden, ob es draußen oder drinnen geparkt wurde.  

Zu den wesentlichen Stellen, die man am Rad überprüfen sollte, gehören auf jeden Fall die Reifen. Wie sieht ihr Profil aus? Sind sie trocken und porös? „Am besten ist es, die Luft abzulassen und den Reifen zusammenzudrücken“, sagt Andi. Dann dürfen keine Risse zu sehen sein. Auch müssen sie fest in der Verankerung sitzen – Schwingungen von über etwa zwei Millimetern sind ein No-Go. „Sie dürfen kein seitliches Spiel haben“, sagt Andi. Er empfiehlt, das Rad anzuheben, den Reifen zu drehen und mit den Fingern nah am Reifen zu fühlen, ob er sich ungleichmäßig bewegt. Auch wenn das Rad schnell aufhört, sich zu drehen, ist das kein gutes Zeichen. Wie gepflegt ein Fahrrad ist, kann man unter anderem an den Felgen erkennen: Sind sie rostig? Kann man einen Bremsverschleiß erkennen?  

Einen guten Eindruck vom Gesamtzustand des Fahrrads gibt zudem der Rahmen: Wenn der Risse oder Dellen hat oder sich Rost an den Schweißnähten ansetzt, sollte man das Rad eher nicht kaufen – oder zumindest keine 50 Euro dafür ausgeben.  

Die Bremsleitungen sind vor allem auf Höhe des Lenkers anfällig, wo sie aneinander reiben können. „Die Seilzüge müssen gleichmäßig laufen“, sagt Andi. Die einfachste Methode zum Prüfen der Bremsen ist, sie im Stehen mehrere Male anzuziehen und zu spüren, ob der Druckpunkt sich verändert.  

Es gibt noch einige Stellen, die Laien womöglich vergessen sich anzusehen: Dazu gehören die Pedalen und die Kurbel, die fest, aber leicht beweglich sein sollten, und die Lichtanlage. „Da darf nichts flackern“, sagt Andi. Auch das Radlager und die Naben dürfen beim Fahren nicht knirschen oder schleifen.  

Beim Preis gilt eine einfache Faustregel, wie der ADFC erklärt: Ein Fahrrad verliert beim Neukauf bereits etwa 20 Prozent an Wert. Nach zwei Jahren sollte der Preis nur noch bei der Hälfte liegen. Danach halbiert er sich noch mal etwa alle vier Jahre.  

Schließlich solltest du natürlich auch Probefahren – denn was hilft ein gutes Fahrrad, wenn du dich auf ihm nicht wohlfühlst?

Nicola Staender, 22, hofft, am Wochenende auf dem Flohmarkt ein gutes Rad zu finden.

Fünf Tipps für den Kauf eines gebrauchten Fahrrads:

1. Zeit nehmen. Du solltest das Rad genau überprüfen können, bevor du dich für oder gegen den Kauf entscheidest.

2. Ist das Rad an irgendeiner Stelle rostig? Hat der Rahmen Risse oder Dellen? Das sind schlechte Zeichen, die dich vom Kauf abhalten sollten.

3. Wichtig sind die Reifen: Sind sie porös? Drehen sie sich ungleichmäßig? Sehen die Felgen gut aus? Und funktionieren die Bremsen und das Licht gleichmäßig?

4. Der Preis eines Fahrrads sollte zwei Jahre nach dem Neukauf bereits nur noch etwa die Hälfte des Originalpreises betragen.

5. Auch hier gilt: Wissen ist Macht! Frag den Verkäufer zu Beginn, ob das Rad Mängel hat. Alles, was er nicht nennt, kannst du nutzen, um den Preis herunterzuhandeln.

Text: nicola-staender - Cover: Andreas Siegel / photocase.de

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