Was muss ich tun, um ein guter Gastgeber zu sein?

Wie schaffe ich es, dass alle meine Gäste zufrieden sind? Welche Benimmregeln gelten noch? Und wen lade ich überhaupt ein? Das "Lexikon des guten Lebens" gibt Tipps für Gastgeber - und solche, die es werden wollen.
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Sobald man das erste Mal seinen Geburtstag abseits des Elternhauses gefeiert hat, ist man immer mal wieder ein Gastgeber. Zunächst meist der einer Party, die nur genug Menschen, genug Bier und genug Musik braucht, um zu gelingen. Im Laufe der Zeit schleicht sich eine zweite Gastgeberrolle ins Leben ein: Man empfängt Freunde und Bekannte bei sich daheim, um dort zu essen und zusammen zu sein. Natürlich hat man dann im besten Falle genug gesunden Menschenverstand, um nicht gleich alle wieder zu verjagen. Aber doch stellt man sich hin und wieder die Frage: Wie schafft man es, ein guter Gastgeber zu sein und allen einen schönen Abend zu bereiten, ohne, dass man alles den Gästen selbst überlässt oder im Gegenteil eine steife Dinner-Atmosphäre verbreitet?

Kristina Mader kennt sich mit Gästebewirtung bestens aus. Sie leitet „Boque auf Croque", ein Loft mit Küchenstudio in München, das man auch für eine private Feier und Kochen mit Freunden mieten kann. „Die wichtigste Regel", sagt sie, „ist, dass man seinen Gästen ein gutes Maß an Aufmerksamkeit schenkt." Das fange mit der persönlichen Begrüßung an der Tür an. Gilt denn da die althergebrachte Regel noch, dass man seinen Gästen die Jacke abnehmen sollte? „Meistens will doch jeder wissen, wo seine Jacke ist, weil da das iPhone oder die Zigaretten drin sind." Also: Dem Gast zeigen, wo er seine Sachen lassen kann. Und dann auf jeden Fall auf ihn warten, um ihn mit zu den anderen Gästen zu nehmen.

Gäste kommen nie alle auf einmal und nie alle pünktlich. Den einen knurrt schon der Magen, während die anderen noch in der Tram sitzen. Als Gastgeber ist man dann hin- und hergerissen zwischen schon mal anfangen oder doch noch warten. „Ich gebe den Gästen etwa eine dreiviertel Stunde Zeit zum ankommen", rät Kristina. Während dieser Zeit sollte es aber schon eine Kleinigkeit zu Essen und etwas zu Trinken geben, damit niemand verhungert. „Man will ja auch erstmal Gelegenheit haben, sich zu begrüßen und sich kennenzulernen." Dabei muss man als Gastgeber eventuell unterstützend beispringen: „Wenn es jemandem schwerfällt, sich in die Runde zu integrieren, sollte man ihm dabei helfen, zum Beispiel indem man ihn in ein Gespräch mit anderen einbezieht", sagt Kristina. Ingesamt sei es wichtig für einen gelungenen Abend, dass man sich Gedanken mache, wen man einlädt: „Es gibt Menschen, die passen zusammen, und es gibt Menschen, die passen einfach nicht – und dementsprechend wird die Stimmung am Abend dann auch sein."

Wenn man sich als Gastgeber doch mal auf Regeln à la Knigge besinnt – welche davon gelten noch und welche sind überholt? „Das Wilkommenheißen und Zuprosten auf den Abend sollte man nicht übertreiben", findet Kristina, und auch allzu aufmerksames Nachschenken muss nicht sein: „Wenn man den Gästen die Getränke auf den Tisch stellt, ist es in Ordnung, wenn sie sich anschließend selbst versorgen." Was die Tischmanieren angeht weiß sie: „Als Gastgeber gibt man maßgeblich die Tonart am Tisch vor. Wenn man selbst stocksteif dasitzt und sich krampfhaft bemüht, die Gabel richtig zu halten und das Fleisch richtig zu schneiden, werden die Gäste das merken und sich wahrscheinlich auch dazu genötigt fühlen." Der Abend werde immer so entspannt und gutgelaunt wie man selber sei. Eine wichtige althergebrachte Regel gibt es aber doch: Aufräumen ist Gastgebersache! „Wenn man es sich vom Platz und der Menge des Geschirrs her leisten kann, würde ich auf das Abspülen verzichten, solange die Gäste da sind", rät Kristina, „das bringt sonst nur Unruhe und die anderen könnten sich genötigt fühlen, mitzuhelfen." Wenn man doch spülen müsse, solle man das so selbstverständlich wie möglich machen, ohne großes Aufhebens und ohne „Ich muss mal eben....".

Wer Sorge hat, seine Manieren und Gastgeberqualitäten könnten nicht ausreichen, dem kann Christina einen Sinnspruch mit auf den Weg geben: „Meine Oma hat immer gesagt: Aus einem Bauern kann man keinen Edelmann machen, aber das macht den Bauern noch lange nicht zu einem schlechteren Menschen!"

Nadja Schlüter, 25, glaubt der Einschätzung, die sie einmal in einem Roman gelesen hat: Die Menschheit ist unterteilt in Gäste und Gastgeber. Sie fühlt sich zwar eher als Gast, gibt aber die Hoffnung nicht auf, dass man auch das Gastgebersein lernen kann.
Fünf Tipps, die dir helfen, ein guter Gastgeber zu sein:

1. Die Planung eines gelungenen Abends fängt mit der Auswahl der Gäste an: Sie sollten zusammenpassen. Wenn sich ein Gast nicht richtig in die Runde integrieren kann, ist es deine Aufgabe, ihm dabei zu helfen.

2. Ein guter Zeitplan bedeutet: Den Gästen genug Zeit zum Ankommen geben, dann zwischen Vor- und Hauptspeise nicht zu lange warten und vor der Nachspeise ruhig länger pausieren. Und: Niemals abräumen, bevor nicht der Letzte fertig ist.

3. Den Gästen ein gutes Maß an Aufmerksamkeit zu schenken ist wichtig, darum hin und wieder den Gesprächspartner wechseln. Aber versuche nicht krampfhaft, mit jedem zu sprechen. Das erzeugt eine stressige Atmosphäre.

4. Sei dir bewusst darüber, dass du die Tonart am Tisch angibst: Wenn du dich bemühst, möglichst manierlich zu essen, werden die anderen das auch tun. Darum lieber gar nicht erst versuchen, alles richtig zu machen.

5. Aufräumen ist Gastgebersachen – also das Spülen erstmal sein lassen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, erledige es so, dass sich keiner genötigt fühlt, zu helfen. 

Text: nadja-schlueter - Cover: Nerd1 / photocase.com

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