Wie baue ich mir selbst ein Fixie?

Du hast ein altes Rennrad, aber die Gangschaltung ist kaputt? Du bist der Meinung, in der Stadt braucht man sowieso nur einen Gang, und möchtest dein Fahrrad zu einem Fixie oder Singlespeed umrüsten? Das Lexikon des guten Lebens erklärt, wie das geht und was man dazu braucht.
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Bevor es Gangschaltungen und den Freilauf gab, fuhren die Menschen bereits mit dem starren Gang, dem fixed gear, von dem sich heute der Name eines urbanen Trends ableitet: Das Fixie, ein meist aus verschiedenen Rennradkomponenten individuell zusammengebautes Fahrrad mit nur einem Gang und ohne Freilauf. Nicht zu verwechseln mit dem Singlespeed, das ein normales Ein-Gang-Fahrrad mit Freilauf bezeichnet. Immer häufiger sieht man diese Bauweisen auf den Straßen deutscher Großstädte. Ein Fixie oder Singlespeed ist Ausdruck eines Lifestyles junger Menschen geworden, die sich selbstbestimmt, schnell und vor allem ohne Auto fortbewegen möchten. Aber wie rüste ich mein altes Fahrrad selbst in ein Fixie oder Singlespeed um?

Thomas Estenfeld hat sich vor zweieinhalb Jahren mit myownbike selbstständig gemacht. In seinem Laden in Düsseldorf baut er Fixies und Singlespeeds nach individuellem Wunsch und hat sich auch im europäischen Ausland bereits einen Namen gemacht. „Sein eigenes Fahrrad umzurüsten muss kein Hexenwerk sein“, sagt er. Entscheidend für Aufwand und Kosten ist zunächst, ob man mit starrem Gang oder weiterhin mit Freilauf und nur einem Gang fahren möchte. Für Letzteres, dem einfachen Singlespeed muss man zunächst die vorhandene Kette mit Hilfe eines Kettennieters entfernen. Wenn die vorhandenen Fahrradteile wiederverwendbar sind, reicht es, die Schaltvorrichtung am Hinterrad sowie das Zahnkranzpaket, also der Teil des Fahrradantriebs, der am Hinterrad gelegen ist, mit Hilfe eines Zahnkranzabnehmers oder einer Kettenpeitsche abzunehmen. Sollte man auch vorne die nicht mehr benötigten Kettenblätter entfernen wollen, macht man dies mit einem Kurbelabzieher. Die Gangschaltung lässt sich dann leicht entfernen: Die Schaltkabel werden durchtrennt und abgezogen, danach kann man auch die Schalthebel demontieren.

„Eine gängige Übersetzung für Singlespeeds ist 46/17“, sagt Thomas. Die Übersetzung meint das Verhältnis von Zähnen am Kettenblatt vorn und am Ritzel hinten. Das heißt für das Singlespeed: Ein Kettenblatt mit 46 Zähnen befestigt man vorne an der Kurbel und ein Ritzel mit 17 Zähnen hinten an der Nabe. Wichtig ist, Kettenlinie und Kettenspannung danach richtig einzustellen. Dafür sollte das Ausfallende nach vorne und hinten Spiel bieten, also flexibel dafür sein, das ganze Hinterrad richtig justieren zu können. „Sollte das nicht der Fall sein“, erklärt Thomas, „wird kaum eine ausreichende Kettenspannung herzustellen sein. Dann hilft oftmals nur noch die Montage eines Kettenspanners, was aber die puristische Optik stört.“

Die beschriebenen Arbeitsschritte gelten auch für die Umrüstung zu einem richtigen Fixie. Allerdings werden dafür weitere Teile benötigt. „Man muss sich eine spezielle Nabe für den starren Gang kaufen“, sagt Thomas, „und dafür muss dann wieder die Breite der Aufnahme des Rahmens passen, also der Teil, an dem die Nabe befestigt wird. Ältere Rennradrahmen sind meistens 120 bis 130 Millimeter breit, das ist ideal.“ Außerdem braucht man eine neue Kette, Felgen und „jemanden, der ein geübter Laufradbauer ist.“

Ganz ohne Experten geht die Umrüstung zum richtigen Fixie also wohl nicht. Wer sich ein ganz neues Komponentenfahrrad als Singlespeed oder Fixie zusammenkaufen- und bauen möchte, dem rät Thomas dazu, grundsätzlich nicht zu sparen: „Denn wer günstig kauft, kauft  oftmals doppelt!“ Ansonsten müsse jeder für sich entscheiden, für was er wie viel ausgeben kann und will.

Ein Original-Fixie hat übrigens eigentlich keine Bremsen und wird mit Hilfe von Muskelkraft gebremst. Für den normalen Stadtverkehr sollte man aber zumindest auf eine Vorderradbremse nicht verzichten – sonst ist das Rad auf keinen Fall straßentauglich im Sinne der StVO.

Dorian Steinhoff, 28, hat bei der Recherche zu dem Artikel viele neue Wörter gelernt und kann jetzt Teile an seinem Fahrrad benennen, die er vorher noch nicht mal gesehen hat.
5 Tipps, wie du dein Fahrrad selbst zu einem Fixie oder Singlespeed umrüsten kannst:

1. Prüfe als erstes deinen Rahmen. Das Ausfallende am Rahmen muss verstellbar sein, sonst ist die nötige Kettenspannung nicht herzustellen. Schnellspanner sind für eine Umrüstung völlig ungeeignet.

2. Falls Du dich für den starren Gang entscheidest, prüfe ebenfalls, ob die Aufnahme deines Rahmens die richtige Breite hat. Fixed-Gear-Naben sind meistens 120 Millimeter breit.

3. Du brauchst einiges an Spezialwerkzeug. Überleg dir, ob sich die Anschaffung lohnt oder es nicht besser ist, die zur Umrüstung benötigten Einzelteile zu kaufen und von einer Fahrradwerkstatt montieren zu lassen.     

4. Wenn du die Umrüstung selbst machen willst, aber keine Erfahrung hast: Die Macher von coasties.com haben eine hübsche Reihe von produziert, in denen sie alle wichtigen Arbeitsschritte erklären und einige Tricks verraten. einen ausführlichen Artikel über die Arbeitsschritte samt Werkzeugliste für die Umrüstung zum starren Gang.

5. Gemäß StVO sind nur Fahrräder für den Straßenverkehr zugelassen, die über zwei voneinander unabhängige Bremsen verfügen. Es ist also ratsam auch bei Fixies, die eigentlich durch das Aufwenden von Muskelkraft zu bremsen sind, zumindest eine Vorderradbremse zu montieren.