Wie bewerbe ich mich an der Uni?

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Nach dem Abi hatte ich keine Ahnung, was ich studieren will. Irgendwas, das man am Ende für Journalismus gebrauch kann. Aber was genau? Ich hatte ja noch Zeit und dachte, so schwer kann eine Unibewerbung ja nicht sein.

Dementsprechend tat ich erstmal das, was alle Abiturienten nach der gefühlt unfassbar anstrengenden Prüfungszeit tun: Nichts. Ich lag in der Sonne, fuhr Freunde besuchen und guckte Serien.
Irgendwann war es dann Anfang Juli und der 15., die Frist für die Unibewerbung, auf einmal ziemlich nah. Am 10. Juli setzte ich mich also vor den Rechner. Dann kam die Überraschung: Manche Unis verlangten die Teilnahme an Eignungstest, andere Motivationsschreiben und wiederum andere wollten gerne Sprachzertifikate. Hatte ich alles nicht. Ich bekam ziemliche Panik - waren Unibewerbungen am Ende doch gar nicht so passiv-popelig, wie ich mir das gedacht hatte?

"Die Studienentscheidung ist eine Entscheidung für's ganze Leben - man sollte sich deshalb früh damit beschäftigen", sagt Ilona Mirtsin, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Natürlich seien Abi-Beratungen und frühzeitige Recherche über Zulassungsbestimmungen dementsprechend wichtig. Wer das verpasst hat, weil der nach-Abi-Sommer doch zu spannend war, dem empfiehlt sie einen Online-Berufsfindungstest wie auf abi.de. "Dabei werden nicht nur Fähigkeiten, sondern auch die eigenen Neigungen abgefragt. Das macht es dann am Ende leichter, die Bewerbungen einzugrenzen", sagt Mirtsin. Davon, einfach einen Beruf zu wählen, der gerade gesucht wird oder sich per Zufallsprinzip zu bewerben, nach dem Motto "einer wird mich schon nehmen", hält sie nichts: "Man muss etwas studieren, dass einem auch wirklich gefällt. Sonst ist die Gefahr des Abbrechens zu hoch".
 
Darum sollte man sich ihrer Meinung nach lieber bei wenigen Unis bewerben, bei denen man dann aber auch echte Chancen auf eine Zulassung hat. Der Numerus Clausus, also die Note des schlechtesten im Vorjahr zugelassenen Bewerbers, ist dabei zumeist online einsehbar. Aufgrund von Doppeljahrgängen, Änderungen in den Zulassungsbestimmungen oder einfach nur wechselndem Fachinteresse schwankt dieser Wert. Wer sich allerdings frühzeitig klar macht, dass die Chancen auf ein Jura-Studium in Heidelberg mit einem 3,3 Abitur nur gering sind, hat am Ende mehr Zeit für realistische Bewerbungen übrig.

Bei der Bewerbung selbst ist dann vor allem auf Vollständigkeit zu achten: "Man muss genau lesen, welche Dokumente die Unis haben wollen und sollte die Fristen dabei ernst nehmen. Alles andere macht einen schlechten Eindruck", sagt Mirtsin. Die Standard-Bewerbungsunterlagen sind dabei ein Ausdruck des Online-Bewerbungsformulars, eine Zeugniskopie (in manchen Fällen beglaubigt) sowie eine Erklärung, dass man alle Angaben zum Schulabschluss wahrheitsgemäß getroffen hat. Bei Sonderwünschen der Unis, wie zum Beispiel Belege für Sprachkenntnisse oder Praktikumsnachweise, kann notfalls auch manchmal ein freundlicher Anruf beim Studiensekretariat zur Fristverlängerung verhelfen. Dieser sollte dann aber wirklich sehr freundlich vorgetragen werden. Ganz wichtig: Bei Unibewerbungen zählt stets der Poststempel als Eingangsdatum.

Wenn dann nach zwei bis vier Wochen die Zu- oder Absagen eintrudeln, gilt die Faustregel: Nicht auf einen Schrieb zu reagieren, ist gleich eine Absage. Wenn man hingegen einen Studienplatz annehmen möchte, sollte man sich zeitnah bei der Uni melden. Wie das genau geht, wird aber glücklicherweise immer Schritt für Schritt in den Zusagen erklärt.

Charlotte Haunhorst, 24, hat am Ende 15 Unibewerbungen rausgehauen und bekam zehn Zusagen. Danach stand sie vor einem neuen, bis dahin unbedachten Problem - für welche Uni sollte sie sich bloß entscheiden?
5 Tipps, wie du deine Unibewerbungen doch noch auf die Reihe bekommst:

1. Das Abizeugnis kopieren und mindestens fünf Exemplare beglaubigen lassen. Gegen ein kleines Entgeld erledigt das das Rathaus, manchmal machen es Schulen auch umsonst. Falls Kopien nach Bewerbungsschluss übrigbleiben: Braucht man immer nochmal bei der Immatrikulation oder Stipendien-Bewerbungen. Und, ganz wichtig: Genug 1,45 Euro-Briefmarken kaufen.

2. Genau nachlesen, was die Unis verlangen. Muss das Zeugnis beglaubigt sein, oder reicht eine einfache Kopie? Welche Unterlagen müssen sofort da sein, was kann noch nachgereicht werden? Insbesondere bei Sprachzertifikaten zeigen sich viele Unis geduldig.

3. Achtung bei Bewerbungen für (Zahn-/Tier-)Medizin und Pharmazie: Diese Studiengänge werden von hochschulstart.de (früher ZVS) und nicht von den Unis selbst vergeben. Für das Bewerbungsverfahren muss man sich bei hochschulstart separat anmelden.

4. Der 15. Juli gilt nur als Frist für Abiturienten, die im Bewerbungsjahr die Schule fertig gemacht haben. Sogenannte "Altabiturienten", also Leute mit einem älteren Abi als 2013, haben oft schon den 30. Mai oder 15. Juni als Bewerbungsschluss.

5. Frist trotz allem verschlafen? Dann bleibt immer noch das Losverfahren. Hier werden nicht besetzte Studienplätze nach Zufall verteilt, als Bewerbung reicht oft eine Postkarte mit Angabe des Faches und der eigenen Adresse. Oder einfach für ein zulassungsfreies Fach einschreiben.

Text: charlotte-haunhorst - Cover: dpa

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