Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum im Ausland?

Du träumst von einem Praktikum in London oder Los Angeles, hast aber keine Ahnung, was du bei deiner Bewerbung beachten musst? Das Lexikon des guten Lebens gibt Antworten auf Fragen rund um Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und Arbeitsproben.
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Seit Jahren träumst du von einem Praktikum in den Vereinigten Staaten. Der perfekte Arbeitgeber ist gefunden, die schönsten Strände über die Google-Bildersuche bereits ausgecheckt, die Bekannten, bei denen man vorerst wohnen könnte, sind informiert. Da gibt es nur noch ein Problem: Wie sollst du die Bewerbung auf Englisch hinkriegen? Die zahllosen Musteranschreiben und Tipps im Internet überfordern dich und so findest du dich nach 20-minütiger "Recherche" im Facebook-Chat wieder. Um das künftig zu vermeiden und etwas Ordnung ins Chaos zu bringen, habe ich an der Ludwig-Maximilians-Universität in München nachgefragt, was man bei einer Bewerbung auf Englisch in jedem Fall beachten muss und welche Unterlagen man ohne schlechtes Gewissen ignorieren darf.  

Im Gegensatz zur umfangreichen deutschen Bewerbungsmappe ist die englische Bewerbung sehr schlicht. Sie beschränkt sich normalerweise auf Anschreiben (Cover Letter) und Lebenslauf (CV). Das heißt: Man darf, ja man soll sogar auf einiges verzichten, das in deutschen Bewerbungen enthalten ist. Erster Bestandteil, der dieser Verschlankung zum Opfer fällt, ist das Bewerbungsfoto. "Wenn man sich nicht gerade als Model oder Schauspieler bewirbt, darf man bei Bewerbungen im englischsprachigen Bereich kein Foto mitschicken", betont Dr. Bettina Raaf, Geschäftsführerin des Sprachenzentrums der LMU München. Aus Gründen der Chancengleichheit, gibt es in den Vereinigten Staaten zudem die Regel, das Alter wegzulassen. Vorname und Nachname nennt man aber normalerweise und setzt eventuell auch ein Mr oder Ms davor, wenn das Geschlecht nicht aus dem Vornamen hervorgeht. In Großbritannien ist es, wie auch im Deutschen üblich, das Alter zu erwähnen.  

Mit einer einfachen Übersetzung sämtlicher Bewerbungsunterlagen ist es übrigens nicht getan, denn ein englischer Lebenslauf sieht anders aus als die deutsche Version. Außerdem ist es wichtig, sich bei Bewerbungen auf Englisch möglichst kurz zu fassen – das heißt, sich im Idealfall bei Anschreiben und Lebenslauf auf eine Seite zu beschränken. Dabei gilt: Mut zur Lücke. "Anstatt alles haarklein aufzulisten, sollte man eine Auswahl der speziell für diesen Job wirklich relevanten Kenntnisse und Berufserfahrungen treffen", erklärt Raaf. Schlüsselbegriffe, die in der Stellenbeschreibung bereits enthalten sind, sollte man im eigenen Anschreiben aufgreifen. Wichtig ist dabei, schnell zum Punkt zu kommen und wesentliche Qualifikationen zu nennen.  

Die äußere Form des Anschreibens entspricht einem Geschäftsbrief. Man beginnt mit der Grußformel Dear Sir or Madam oder noch besser mit der Anrede eines konkreten Ansprechpartners. Danach folgt die Betreffzeile (Subject Line) und im Anschluss daran beginnt der erste Satz mit einem Großbuchstaben. Scharfes ß und Umlaute sollte man in der Regel übrigens umgehen, außer sie kommen im eigenen Namen oder dem Firmennamen vor. Raaf empfiehlt, statt Straße lieber Strasse zu schreiben und - wann immer möglich - auf die englische Version des Wortes zurückgreifen. Paradebeispiele hierfür wären Munich oder Cologne.  

Im englischen CV  erwähnt man zuerst Name, Adresse und natürlich Job Objective. Besonders bei Initiativbewerbungen ist es wichtig, gleich zu erklären, für welche Stelle man sich bewirbt. Im Anschluss folgen Key Skills and Experience. "Hier sollte man in ungefähr drei Stichpunkten klar machen, was man fachlich mitbringt und was einen auszeichnet", erklärt Raaf. Bei den folgenden Rubriken Education und Experience ist es wichtig, dass die Reihenfolge der absolvierten Schulbildung, Praktika und Berufserfahrungen umgekehrt chronologisch ist. Die aktuellste Tätigkeit steht an erster Stelle. Wenn man im CV unter der Rubrik Experience Praktika und Ehrenämter aufzählt, sollte man auch kurz beschreiben, was man wann wo bewirkt hat und welche Hauptaufgaben man erledigt hat. Computerkenntnisse und Fremdsprachen werden bei den Additional Skills erwähnt. Die letzten beiden Sparten nennen sich Memberships and affiliations bzw. Interests and Activities.  

Viele Bewerber unterschätzen die Bedeutung der Sparte Interests and Activities und schreiben einfach nur auf, dass sie gern lesen, kochen, reisen und Sport machen. "Das reicht nicht!", sagt Raaf. "Man sollte besser ganz konkret erwähnen, in welche Länder man gerne reist und welchen Sport man ausübt. 'Competitive Volleyball' klingt besser als nur 'Sport'. Der Sinn dieser Rubrik ist es schließlich, dem Bewerber die Chance zu geben, sich als vielseitige Persönlichkeit zu präsentieren und zu zeigen, dass er oder sie nicht nur auf den Job fixiert ist."  

Andere Länder, andere Schulsysteme. Und folglich auch: andere Begrifflichkeiten und Noten. Auf der Homepage von jobline findet man eine Umrechnungstabelle mit den jeweiligen Entsprechungen der deutschen Note im englischen, US-amerikanischen und australischen Schulsystem. Wichtig dabei: Noten sollte man nur erwähnen, wenn sie gut sind, ansonsten darf man sie auch mal weglassen. Begriffe wie Gymnasium, Realschule oder Abitur sollte man nicht einfach aussparen, sondern am besten beibehalten, kursiv schreiben und kurz erklären. "Um das Wort Abitur verständlich zu machen, fügt man knappe Beschreibungen wie approximately equivalent to A-levels oder German school leaving exam hinzu", rät Raaf. Eine bloße Übersetzung hält sie für irreführend, denn: Abitur und A-Levels sind nun mal nicht das Gleiche.
 
Arbeitsproben und Zeugnisse sind bei einer englischen Bewerbung in der Regel nicht gefragt. Stattdessen sollte man im CV erwähnen, was man während anderer Tätigkeiten genau gemacht und was man dadurch bewirkt hat. Bewirbt man sich beispielsweise als Journalist im Ausland, kann man erwähnen, wie viele Artikel man verfasst hat, mit welchen Themen man sich beschäftigt hat und für welche Zeitung man gearbeitet hat. Dem potentiellen neuen Chef steht zudem die Möglichkeit offen, sich selbst zu informieren, wenn man am Ende des Lebenslaufs unter References ehemalige Arbeit- und Praktikumsgeber auflistet. Diese sollten natürlich vorher darüber informiert werden, dass sie in der Bewerbung auftauchen und womöglich nach ihrer Einschätzung gefragt werden.  

Lisa Freudlsperger, 23, hat nach dem Abschluss ihres Grundstudiums ihre ersten Bewerbungen auf Englisch verfasst, war sich dabei aber stets etwas unsicher. Drei Monate und ein Interview später haben sich nun auch ihre letzten Fragen zum Thema geklärt.

Fünf Tipps für eine gelungene Bewerbung auf Englisch:

1. Das Anschreiben soll möglichst kurz und knapp, dafür aber maßgeschneidert sein und wichtige Schlüsselbegriffe aus der Stellenbeschreibung enthalten.

2. Schenke jeder Rubrik in deinem Lebenslauf gleich viel Beachtung und bemühe dich, auch Interessen und außerberuflichen Aktivitäten gewissenhaft, konkret und vor allem wahrheitsgemäß anzugeben.

3. Abitur ist nicht gleich A-Levels: Aufgrund der unterschiedlichen Schulsysteme solltest du Begriffe wie Abitur oder Gymnasium als deutsche Worte übernehmen und ihnen eine kurze englische Erklärung folgen lassen.

4. Mut zur Lücke: Die englische Bewerbung hat nicht viel mit der umfangreichen deutschen Bewerbungsmappe zu tun. Tatsächlich besteht sie im Normalfall nur aus Anschreiben und CV. Sprich mit deinen ehemaligen Chefs und Praktikumsgebern und erwähne sie in deinem CV unter der Rubrik References, anstatt Zeugnisse und Arbeitsproben mitzuschicken. 

5. Weitere wichtige Hilfestellungen, Anregungen und Musterbeispiele für einen gelungenen CV sowie Tipps für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch findest du hier.


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