Wie finde ich ein passendes Geschenk für Großeltern?

Angefangen hat meine Oma als Trümmerfrau mit fast nichts, heute hat sie ein eigenes Haus, das bis unters Dach mit Dingen aus siebzig Jahren vollsteht.
benjamin-duerr

Angefangen hat meine Oma als Trümmerfrau mit fast nichts, heute hat sie ein eigenes Haus, das bis unters Dach mit Dingen aus siebzig Jahren vollsteht. „Irgendwann“, sagte sie einmal, „hat man genug vom Leben.“ Ich weiß nicht genau, was damit gemeint war. Vielleicht, dass jedes Leben irgendwann einen Moment erreicht, an dem ein Gefühl der Sättigung beginnt. Wer siebzig Jahre nur isst und aufnimmt, hat irgendwann genug. Gute Geschenke für Großeltern machen deshalb nicht noch satter. Was für alle Geschenke gelten sollte, gilt für jene für Großeltern besonders: Nicht der materielle Wert zählt, sondern der emotionale.

Ich stelle mir vor, dass - wenn ein Leben aufs Ende zuläuft - Zeit von besonderem Wert ist. Und Zeit kann man verschenken: sich einen Nachmittag frei nehmen und bei einem Spaziergang oder einem Kaffee über das Leben quatschen, ist am einfachsten. Ein Höhepunkt wäre sicher eine Reise, ein gemeinsamer Ausflug, denn das schafft gemeinsame Erlebnisse. So etwas bleibt haften. Ein Abend, an dem man die Großeltern bekocht - oder gemeinsam ein Menü zaubert - ist nett, anschließend auch um die Fotoalben auszupacken und Erinnerungen zu teilen. Jeder erinnert sich bei einem Foto an ein anderes Detail, jeder hat die Situation anders erlebt. Fotos sind auch eine gute Möglichkeit um von sich selbst zu erzählen: Großeltern wollen wissen, was ihre Enkel machen.

Je weiter entfernt man voneinander lebt, desto schwieriger wird das. Schon vor ein paar Jahren haben meine Geschwister und ich meiner Oma einen digitalen Bilderrahmen geschenkt - seither bekommt sie nach einem Urlaub, einem Familienfest oder zu Weihnachten ein Speicherkärtchen mit neuen Fotos.

Aber können Großeltern denn gar nichts Materielles mehr brauchen? Simone Linden von „Seniorenland“, einem Spezialversand für Seniorenartikel und Betreiber von senioren-blogger.de, sagt: „Eine große Freude erreicht man oft mit Geschenken, die das Leben erleichtern. Menschen mit Sehschwäche beispielsweise könnten sprechende Uhren, TV-Vergrößerungsschirme oder Seniorenhandys mit großen Tasten brauchen. Meist muss man also zwischen den Zeilen lesen, um herauszufinden, was die eigenen Großeltern gerade wirklich benötigen könnten. Alleine würden sie sich wohl nicht mehr zum Media Markt quälen, um einen Ersatz für den fast kaputten Fernseher zu kaufen, oder ins Möbelhaus für den Ersatz des verblichenen Teppichs. Wenn aber ein Enkel die Initiative ergreift, sind sie dankbar.

Simone Linden sagt, bei Enkeln könnten Großeltern Zeit investieren, die sie bei ihren eigenen Kindern nicht hatten. „Großeltern empfinden darin auch ein Stück Unsterblichkeit, die das eigene, endliche Leben kurz vor dem Ende weiterleben lässt.“ Daraus wachse die besondere Bindung zwischen Enkeln und Großeltern - „emotionale Geschenke verstärken sie und drücken sie aus“.

Benjamin Dürr, 22 Jahre, hat nur noch einer Oma und braucht deshalb nur noch ein einzelnes Geschenk - das dafür umso besser passen muss.
Fünf Tipps für Großeltern-Geschenke:

1. Filme von gestern im Kopf: Gedanken von Großeltern drehen sich oft nicht um die Gegenwart, sondern um die Vergangenheit. Bei einem Abend mit Fotoalben kann man sich gemeinsam erinnern. Jedem fällt etwas anderes zur Situation damals ein.

2. Sich Zeit nehmen - ob es nur für einen Kaffee ist, für ein längeres Gespräch, ein Spaziergang oder ein Tagesausflug ist meist zweitrangig.

3. Die Initiative ergreifen: Meist muss man zwischen den Zeilen lesen, wo Großeltern Hilfe brauchen. Ein neuer Teppich fürs Wohnzimmer? Ein neuer Fernseher? Manches trauen sich ältere Menschen vielleicht nicht mehr, selbst zu erledigen, oder würden es von sich aus nicht mehr tun.

4. „Weißt du noch...?“ Eine Reise, eine Wanderung oder ein Ausflug vertiefen nicht nur die Beziehung zueinander, sondern schaffen auch gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen.

5. Großeltern mitnehmen: Fotos sind eine einfache Möglichkeit, aus dem eigenen Leben zu erzählen. Omas wollen wissen, was ihre Enkel machen.

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