Wie finde ich einen lukrativen Nebenjob?

Studieren und nebenher Geld verdienen? Klingt gut. Nur wie anstellen? Welche Arbeit taugt was, welche nicht? Und: Welche Nebenjobs gibt es überhaupt? Das Lexikon des guten Lebens weiß Rat.
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Ich brauchte Geld. Möglichst viel, und möglichst schnell. Im Studium waren meine Kassen und Konten so leer wie nie zuvor und die Herausforderung, zwischen Seminaren und Hausarbeiten Zeit für einen Nebenjob zu finden, groß. Es galt, eine lukrative Arbeit zu finden, die es mir trotzdem noch erlaubte mein erträumtes Studentenleben zu leben.

Ich wollte also: Einen fairen Deal, was Leistung und Entlohnung angeht und wenigstens ein kleines bisschen Spaß. Gar nicht so einfach. An die guten Jobs, denkt man immer, kommt man ja eh nur durch Kontakte. Sucht man selbst, endet das häufig beim Klassiker aller Nebenjobs: der Bedienung im Café, in der Bar oder im Restaurant. Klar, auch das kann ein Superjob sein – so lange man nicht nur die Mittagsschichten bekommt, der Stundenlohn nicht unter 8 Euro beträgt und das Trinkgeld nicht von den einzelnen Mitarbeitern behalten, sondern im Team aufgeteilt wird. Leider ist das nur selten der Fall.

Doch das Gute ist: Gastro ist ja nicht die einzige Branche im Nebenjobgeschäft. Es gibt reichlich andere, auch unkonventionellere Verdienstchancen. Aber auf die muss man erst mal kommen. Einige von ihnen stellen wir hier vor:

Entertainer
Vor allem Vergnügungsparks suchen ständig Aushilfen in allen denkbaren Parkbereichen, zum Beispiel an den Kassen und in den Shops. Die meisten Parks vergeben zudem einen ganz besondern Job, etwa der niedersächsische „Heide Park Soltau“. „Beliebt bei Schülern und Studenten ist der Job als Maskottchen“, sagt Ramona Voet, PR-Mitarbeiterin des Parks. „Unser ‚Wumbo’ begrüßt unsere Gäste am Eingang und ist vor allem bei Kindern extrem beliebt. Auch in unserem Piratenhotel ist ‚Wumbo’ unterwegs - dann im Seeräuber-Outfit.“

Fahrradfahrer
Kennen wir alle: Fahrradtaxi. Kennen wir noch nicht: Fahrradtaxifahren. Und das geht so: Wir können uns online bei einem Fahrradtaxianbieter (z.B. fahrradtaxi-hannover.de) bewerben. Klappt alles, muss man ca. fünf Euro Tagesmiete für das Fahrradtaxi bezahlen, und los geht’s. Für den ersten gefahrenen Kilometer jeder Fahrt gibt’s 5 Euro, für die nächsten jeweils drei. Laut Anbietern liegen die Verdienste von Fahrradtaxifahrern zwischen 25 und 250 Euro am Tag.

Mitanpacker
Ist man weniger auf Geld aus als auf einen Gratis-Sommertrip, kann man bei vielen bekannten Musikfestivals in ganz Deutschland als Lotse anfangen. In der Regel ist das ganz attraktiv: Man hilft beim Auf- und Abbau, bei der Dekoration, der Verkehrsregelung, beim Recycling. Jeden Tag ein paar Stunden. Dafür kann man das Festivalgelände die gesamte Zeit nutzen. Bewerbungsformulare gibt’s auf den Festival-Homepages.

Lehrer
Nachhilfe ist nach wie vor sehr gefragt. Schon längst machen deshalb Nachhilfeorganisationen mit Schülern wie Lehrern prima Geschäfte: Schüler suchen Hilfe und werde an studentische Nachhilfelehrer vermittelt. Die verdienen zwischen 10 und 25 Euro pro Stunde, müssen allerdings eine einmalige Pauschale pro Schüler für die Vermittlung an die Organisationen zahlen (beträgt meist rund 20 Euro). Unabhängiger geht’s natürlich per Selbstaushang am Uni-Brett, durch Anrufe bei den lokalen Schulen, einen Blick in die Zeitungen und Stadtmagazine. Ist billiger. Und unabhängiger.

Spender
Blut spenden geht immer, bringt aber nicht viel ein. Pro Spende zwischen 20 und 30 Euro. Schon mehr gibt’s für umfangreichere medizinische Dienste, etwa die Teilnahem an Studien. Diese sollten jedoch von seriösen Instituten durchgeführt und die Teilnehmer über sämtliche Risiken aufgeklärt werden. Ein Beispiel: Asthmatiker werden regelmäßig für die Forschung gesucht, bekommen für Testbeteiligungen teils dreistellige Aufwandsentschädigungen und einen Gratis-Gesundheitscheck obendrauf. Die Jungs, die ganz schnell an ganz viel Geld kommen wollen, können Samen spenden. Sechs volle Becher, abgegeben in einer Woche, bringen bis zu 400 Euro, womöglich aber auch das ein oder andere Kind auf die Welt.

Natürlich gibt es auch Skurrilitäten unter den Nebenjobs. Wühlt man sich online lange genug durch Anzeigen, stößt man auf Tätigkeiten à la Golfballtaucher, Geisterbahnerschrecker, Vogelvertreiber auf Flughafenrollfeldern und Schlussmacher. 

Erik Brandt-Höge, 32, war im Laufe seiner Studienzeit Kellner, Koch, Umzugshelfer, Nachhilfelehrer, Telefonist, Pflegekraft und Animateur. Seinen Traum-Nebenjob bekam er leider nie: Er wollte Werdi, die Möwe, werden, das Maskottchen seines Heimat- und Lieblingsfußballvereins Werder Bremen. Jeden Samstag wollte er vom Tribünendach ins Stadion fliegen, die Spiele hautnah erleben und seine Helden abklatschen, wenn sie Tore schossen. Hat sich leider nie ergeben. 

Fünf Tipps für gute Nebenjobs:

1. Seriosität. Stellenausschreibungen verraten viel über Arbeitgeber und Arbeitsklima. Besonders hohe Verdienstmöglichkeiten sind oft nur ein mieser Köder für einen noch mieseren Nebenjobdeal.

2. Angemessenes Verhältnis zwischen Arbeit und Bezahlung. Auf keinen Fall sollten wir uns als Kellner für weniger als 8 Euro die Stunde die Hacken wund laufen.

3. Spaß. Wer in der vorlesungsfreien Zeit vor allem die klammen Kassen aufgefüllt hat, startet eh schon erschöpft ins nächste Semester. Wenn die Nebenjobs dann auch noch alles, aber keinen Spaß gemacht haben, wird der Uni-Start umso schwerer.

4. Eigeninitiative. Wir müssen was tun, bevor wir was tun. Gute Nebenjobs fliegen uns nicht zu. Wir müssen nach ihnen suchen, fragen, recherchieren. Freunde, Bekannte, Geschwister können helfen. Wir können auch alleine los und durch die Straßen ziehen, Unis und Schulen und Läden abklappern. Lohnt sich so oder so.

5. Nach der Arbeit wird gerechnet. Bei einem Monatslohn unter 325 Euro können wir uns vom Finanzamt eine Freistellungsbescheinigung ausstellen lassen, bekommen unseren Lohn also steuerfrei. Bei einem Lohn über 325 Euro monatlich brauchen wir bei Jobantritt eine Lohnsteuerkarte, müssen allerdings bis zu einem Monatsbruttolohn von 863 Euro auch keine Lohnsteuer zahlen.

Text: erik-brandt-hoege - Cover: suze / photocase.com

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