Wie gehe ich richtig mit Geld um?

Hier was gekauft, da was gegessen, und Mitte des Monats ist das Geld auf einmal weg: Manche Menschen sind chronisch pleite, obwohl sie eigentlich nicht über ihre Verhältnisse leben. Wie kriegt man das in den Griff? Das Lexikon des guten Lebens weiß Rat.
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„Wie gut jemand mit Geld umgehen kann, hängt stark vom Elternhaus ab", erklärt Gudrun Bünte, Leiterin der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt in München. „Wenn es für die Eltern ein Unding war, Schulden zu machen, dann fühlen sich auch die Kinder schlecht, wenn sie diese Grenze übertreten." Haben bereits die Eltern ständig über ihre Verhältnisse gelebt, fiele es auch den Kindern oft schwer, nur so viel auszugeben, wie sie tatsächlich haben, sagt Bünte.

Ein Blick in meine eigene Familiengeschichte beweist: Bünte hat Recht. Mein Vater ist seit Jahren hoch verschuldet. Die Ehe meiner Eltern zerbrach über den ewigen Geldsorgen. Doch den richtigen Umgang mit Geld kann man lernen. „Das Wichtigste ist, nicht die Augen zu verschließen und sich mit dem Problem zu konfrontieren", sagt Gudrun Bünte. Menschen, die dazu neigen, mehr auszugeben, als sie haben, rät Bünte, ein Haushaltsbuch zu führen – so spießig das klingen mag. „Setzten Sie sich hin und listen sie ganz genau auf, wie viel Geld sie zur Verfügung haben, welche fixen Ausgaben jeden Monat auf Sie zukommen und wie viel Geld Ihnen zum Leben bleibt", erklärt sie. „Danach notieren sie ganz ehrlich, wie viel sie wofür täglich ausgeben." Das schaffe ein Bewusstsein dafür, wo das ständig knappe Geld hingehe. „Schulden müssen nicht unbedingt ein Problem sein", sagt Bünte. Wichtig sei nur, dass man die monatlichen Raten einkalkuliert und auch wirklich bezahlen könne, ohne dabei die eigenen Lebensqualität zu sehr einzuschränken. „Und wenn es wirklich knapp wird, dann suchen sie das offene Gespräch mit Ihren Gläubigern", sagt Bünte. „Meist lässt sich eine Lösung finden."

Die Art, wie wir mit Geld umgehen, hat auch eine psychologische Komponente. „Viele Menschen, die ständig mehr Geld ausgeben, als sie haben, versuchen etwas zu kompensieren", sagt Schuldnerberaterin Bünte. Es lohnt also, nach Ursachen suchen und sich selbst fragen: Was will ich eigentlich? Was macht mich wirklich glücklich? Ist das nicht viel eher ein Abend mit guten Freunden, eine entspannende Stunde in der Badewanne, oder ein Erfolgserlebnis im Job als die teure Designerhandtasche oder das neuste Handymodell?

Wenn Sparsamkeit in Geiz umschlage, sagt Bünte, hänge das mit der eigenen Wertschätzung zusammen. „Geizig ist jemand, der sich und anderen nichts gönnt, obwohl er es sich leisten könnte", erklärt sie. Knausrige Menschen sollten also ein wenig liebevoller mit sich selbst umgehen, und sich und ihren Liebsten mit etwas Schönem eine Freude machen. Denn andere zu beschenken, macht froh.

Marlene Halser, 34 Jahre, führt akribisch Buch über ihre Finanzen ist seitdem nicht mehr chronisch pleite. Fünf Tipps für den richtigen Umgang mit Geld:

1. Einen detaillierten Haushaltsplan aufstellen und darin alle Einnahmen und Ausgaben auflisten. So weiß man immer genau, wie viel man jeden Monat zur Verfügung hat.

2. Ein Haushaltsbuch führen und darin auflisten, was man wann und wofür ausgegeben hat. So bekommt man nach einiger Zeit ein Gefühl dafür, wo das Geld hingeht und kann das eigenen Verhalten gezielt verändern.

3. Regelmäßig Kontoauszüge checken, um den Überblick zu behalten. Nicht mit der EC- oder Kreditkarte einkaufen. Evtl. den Dispo von der Bank streichen lassen.

4. Wenn man wirklich mal nicht zahlen kann, nicht so tun, als sei das Problem gar nicht da, sondern ein offenes Gespräch mit den Gläubigern suchen und gemeinsam eine Lösung finden. Oft kann man Ratenzahlungen aufschieben, oder Beträge in Etappen zurück bezahlen. Hilfe bei der Schuldnerberatung suchen.

5. Analysieren, wofür der eigenen Umgang mit Geld steht. Was will ich mit meinem Konsum kompensieren? Warum gönne ich mir selbst nichts? 

Text: marlene-halser - Cover: suze / photocase.com

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