Wie gehe ich richtig mit Stress um?

Jetzt sind auch im letzten Bundesland die Ferien vorbei, und es ist die Zeit der Hausarbeits-Deadlines. Gut, dass unser Lexikon des guten Lebens Tipps zum Umgang mit solchem Druck parat hat.
maria-freilich

Stress entsteht nicht automatisch, weil man viel zu tun hat. Stress erlebt man, wenn man Angst hat, eine Aufgabe nicht bewältigen zu können. Eine ganze einfach Übung gegen Stress geht deswegen folgendermaßen: Überleg dir zuerst, was genau dich stresst. Ist es die Hausarbeit, die du übernächste Woche abgeben musst? Oder die Geburtstagseinladung einer halbguten Freundin am Freitagabend, die wiederum dein Freund nicht ausstehen kann?

Hast du es herausgefunden? Gut. Jetzt stell dir vor, was passiert, wenn du die Arbeit nicht abgibst und du auf der Feier einfach nicht erscheinst. Versuch, dir das Szenario in allen Einzelheiten auszumalen. Wahrscheinlich musst du in diesem Fall das Seminar wiederholen, vielleicht sind deine Eltern ein bisschen enttäuscht, vorausgesetzt du erzählst es ihnen. Die halbgute Freundin wird beleidigt sein und dich für arrogant halten. NA UND?

Du hast immer noch keine unheilbare Krankheit, musst Hunger leiden, weil du keine Arbeit findest, und bist auch nicht zum eigenartigen Waldschrat mit Warzen mutiert. Dein Leben geht bis auf minimale Veränderungen weiter wie bisher. Natürlich ist es besser, wenn du die Hausarbeit pünktlich abgibst und niemand dich für arrogant hält, aber die Welt geht davon nicht unter.

Manchmal also hilft es, sich das Worst-Case-Szenario vorzustellen, denn oft ist die Angst, die den Stress auslöst, unbegründet. Der Tipp hilft allerdings relativ wenig, wenn dein Chef dir aufträgt, bis morgen eine Präsentation für einen Kunden fertig zu machen. Wenn du die Arbeit verweigerst, wirst du früher oder später gefeuert und das ist dann doch doof. Also hau rein, trödel nicht rum, mach alles so schnell und so gut wie möglich fertig!

Wenn du jetzt nach Hause kommst, fühlst du dich ausgelaugt und müde, gleichzeitig auch aufgekratzt. Das ist eine sehr unangenehme Mischung. Die meisten Leute setzen sich nun vor dem Fernseher, trinken ein Bier oder gehen anderen „low-effort-activities“ nach. Das Problem mit diesen Aktivitäten, die wenig Anstrengung erfordern, ist nur: Sie entspannen kaum. Versuch also, deinem inneren Schweinehund zu widerstehen und lass dich nicht auf die Couch fallen.

Es klingt paradox, aber den Stress wirst du am ehesten los, wenn du etwas tust, auf das du dich konzentrieren musst: Das kann Sport sein, kochen, sich mit Freunden treffen oder auch nur ein Buch lesen. Wichtig ist, dass dein Gehirn sich mit etwas vollkommen anderen beschäftigt.

Es ist übrigens auch erwiesen, dass Meditieren gegen Stress hilft. Wenn du glaubst, das ist nur etwas für Esoteriker, Müsli-Freaks und Rainer Langhans, dann liegst du falsch. Meditieren kann jeder und viele Leute sagen, es sollte auch jeder. Setz dich hin, schließe die Augen und konzentriere dich auf deinem Atem. Atme ein und atme aus. Früher oder später taucht ein Gedanke in deinem Gehirn auf, zum Beispiel, dass dein Chef Mundgeruch hat oder der Wunsch nach einer Pizza Diavolo. Das ist nicht schlimm. Stelle den Gedanken fest. Denke: Ich habe gerade gedacht, dass mein Chef Mundgeruch hat oder ich habe gerade den Wunsch nach einer Pizza Diavolo verspürt. Kehre jetzt wieder zu deinem Atem zurück. Mach das täglich für etwa 20 Minuten. Nach spätestens drei Tagen wirst du unglaublich entspannt durch die Welt laufen.

Meditiere regelmäßig, und nicht erst dann, du kurz vor dem Burn-Out bist. Meditation ist kein Instant-Medikament gegen Stress, es beugt Stress vor. Was du nicht, also auf GAR KEINEN FALL, tun solltest, ist, deinen Stress an deinen Mitmenschen auszulassen. Merke dir: Deine Arbeit ist dein Problem. Dein Stress ist dein Stress und nicht der deines Partners. Dein Partner ist nicht dein Mülleimer für deinen unbewältigten Stress.

Manche Beziehungen scheitern an einer so genannten „Minus-Minus-Symptomatik“. Beide Partner fühlen sich ausgelaugt und erwarten vom anderen, bespaßt und umsorgt zu werden. Der Partner soll aus ihrem Minus ein Plus machen. Das klappt natürlich nicht und nicht selten geht eine Beziehung wegen Dauerstress in die Brüche. Lerne also erst, mit deinem Stress umzugehen, bevor du deinem Partner alles vor die Füße kippst. Achte auf dein Verhalten. Wenn du gestresst bist, kriegst du schnell etwas in den falschen Hals und reagierst aggressiv.

Maria Freilich, 29, meditiert seit zehn Jahren täglich und hat seitdem kein einziges Mal wieder Stress empfunden.
Vier Tipps für Gestresste:

1. Konzentriere dich auf deinem Atem. Geht immer, kostet nichts und hilft.

2. Wenn dich Arbeit, die noch vor dir liegt, stresst, erledige sie schnell und schiebe sie nicht auf. Stress ist wie Wasser, er sucht sich immer seinen Weg. Er hört erst auf, wenn du seine Ursache erledigt hast.

3. Zigaretten helfen nicht. Im Gegenteil - Rauchen setzt das Immunsystem unter Stress.

4. Wenn dein Körper Reaktionen wie Schlafstörungen, Haut- oder Magenprobleme zeigt, ändere etwas an deinem Leben! Klingt nach einem Oma-Spruch, aber es stimmt: Nichts kann so wichtig sein, dass du deine Gesundheit aufs Spiel setzen musst.

Text: maria-freilich - Foto: Skobakemann / photocase.com

  • teilen
  • schließen