Wie geht erfolgreiches Crowdfunding?

Ein Buch schreiben, ein Start-Up gründen, auf Recherchereise gehen: Jeder, der einen Lebenstraum hat, kann versuchen, ihn per Crowdfunding zu finanzieren. Aber eine erfolgreiche Kampagne ist eine Menge Arbeit. Das Lexikon des guten Lebens erklärt, wie es klappt.
marlene-halser

„Wem es lediglich ums Geld geht, der ist beim Crowdfunding nicht richtig“, sagt Karsten Wenzlaff, Gesamtkoordinator des German Crowdfunding Networks. Eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, sei nur dann sinnvoll, wenn man sich über die Finanzierung hinaus noch weitere Vorteile von der Crowd verspreche. Sonst lohne der Aufwand nicht.

„Viele junge Start-Ups nutzen Crowdfunding als Marketingkampagne und wollen erreichen, dass möglichst viele Menschen von Ihrem Produkt erfahren, denn sie sind potenzielle Kunden“, sagt Wenzlaff. Crowdfunding kann also einen Markt schaffen, den es so vorher nicht gab. Auch Marktforschung funktioniert via Crowdfunding. „Über die Höhe der Spende lässt sich zum Beispiel herausfinden, was der Kunde bereit wäre, für ein Produkt zu zahlen, ob potenzielle Zuseher die Handlung eines Films verstehen und ob sie ihnen gefällt.“ Schließlich kann man via Crowdfunding neue Mitstreiter für sein Projekt gewinnen oder gleich zusammen mit der Crowd am Inhalt eines Buches oder an der Ausgestaltung eines Projektes arbeiten.

Mit der Vorbereitung einer Crowdfunding-Kampagne sollte man etwa drei Monate vor Kampagnenstart beginnen. Als erstes braucht man ein Team. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass Spender oft eher bereit sind, ein Team zu unterstützen, als eine Einzelperson“, sagt Wenzlaff. „Das macht einen professionelleren Eindruck und zeigt, dass schon vorab mehrere Menschen von der Idee begeistert sind.“ Außerdem ist eine gute Kampagne Arbeit und die lässt sich im Team sehr viel besser stemmen.  

Als nächstes muss ein aussagekräftiges Video für die Plattform produziert werden, das die Idee leicht verständlich beschreibt. „Dabei ist nicht entscheidend, dass das Video absolut professionell gemacht ist. Es sollte authentisch sein“, sagt Wenzlaff. „Gut ist außerdem, wenn man im Video die Menschen sieht, die hinter der Kampagne stehen. Die Spender wollen wissen, was die emotionalen Gründe sind, die die Initiatoren antreiben.“ Ein Text auf der Plattform – nicht länger als eine DIN A4 Seite – sollte das Projekt zusätzlich schriftlich umreißen. Darin sollte man auch erklären, was mit dem Geld passiert, wenn die Summe nicht erreicht wird und die Kampagne scheitert. Nur so ist die Kampagne seriös. Wichtig sind auch die Gegenleistungen, die die Spender je nach Größe der gespendeten Summe bekommen. Das kann alles Mögliche sein, je nachdem, um was es bei dem Projekt geht – je persönlicher, desto besser.

Auch auf den E-Mail-Verteiler sollte man einige Zeit verwenden, denn das sind die Menschen, die man später anschreibt, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Dazu sollte man vorab überlegen, wer zur Zielgruppe des Projektes gehört. Auch eine Pressestrategie kann ratsam sein: Wer spricht mit der Presse, wenn es Anfragen gibt? Sollen Pressemitteilungen mit den wichtigsten Infos verschickt werden? An welche Redaktionen? Lässt sich eine Aktion organisieren, die die Kampagne offline begleitet und die auch das Interesse der Medien wecken könnte?  

Der ideale Zeitraum für eine Kampagne beträgt 30 bis 60 Tage. „Länger sollte es nicht sein“, sagt Wenzlaff, „sonst denken die Spender, sie hätten noch Zeit und schieben die Zahlung womöglich auf.“ Die Höhe der Summe, die man als Ziel angibt, hängt vom Bekanntheitsgrad des Initiators ab. Als Faustregel für die Summe gilt laut Wenzlaff: Ein Euro pro E-Mail-Adresse, die man zur Verfügung hat. „Privatpersonen, die zum ersten Mal Crowdfunding machen, sollten mit einem Betrag zwischen 500 und 1.000 Euro beginnen“, rät der Experte.

Ist das alles erledigt, kann die Kampagne beginnen. Wenn das Video und der Beschreibungstext hochgeladen sind, rät Wenzlaff dazu, zuerst den engsten Bekannten- und Familienkreis anzuschreiben und diese zu bitten, das Projekt mit ein paar Euro zu unterstützen. Denn viele Menschen sind eher bereit, etwas zu spenden, wenn das andere vor ihnen getan haben.

„Richtig Fahrt nimmt eine Crowdfunding-Kampagne meist gleich zu Beginn und dann wieder kurz vor Ablauf der Zeit auf“, sagt Wenzlaff. „Um die Flaute dazwischen zu überbrücken, sollte man sich deshalb Aktionen überlegen, die die Kampagne im Gespräch halten.“ Das kann ein Treffen oder eine Veranstaltung zum Thema sein, aber auch ein Skypmeeting mit interessierten Spendern, bei dem man aufkommende Fragen beantwortet. Auch zwischendurch ein neues Videos zu produzieren, kann eine Möglichkeit sein. Je mehr Aufwand man betreibt, desto sicherer ist der Erfolg der Kampagne.

Marlene Halser, 37 Jahre, war überrascht zu erfahren, wie viel Arbeit so eine Crowdfunding-Kampagne ist.
Fünf Tipps für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne:  

1. Überleg dir, ob eine Crowdfunding-Kampagne das richtige Mittel zur Finanzierung ist: Wer nur Geld braucht, kann sich das auch über die Bank oder einen anderen Geldgeber beschaffen. Wer aber Aufmerksamkeit für sein Projekt generieren und neue potenzielle Kunden gewinnen will, ist beim Crowdfunding richtig.    

2. Plane für die Vorbereitung etwa drei Monate Zeit ein: ein Team finden, ein Video produzieren und einen Erklärtext für die Webseite der Plattform schreiben, Gegenleistungen ausdenken, den E-Mail-Verteiler zusammenstellen, Aktionen und eine Pressestrategie überlegen.    

3. Sobald die Kampagne gestartet ist, bitte Freunde und Bekannte, schnell wenigstens kleine Beträge zu spenden, damit andere sehen, dass das Projekt vorwärts geht.  

4. Organisiere Aktionen und Events, die die Kampagne während der Laufzeit am Leben erhalten.  

5. Bedenke, dass du auch durch Crowdfunding verdientes Geld unter Umständen versteuern musst. Dazu solltest du im Zweifel einen Steuerberater zu Rate ziehen. 

Text: marlene-halser - Cover: Daniela Rudolf

  • teilen
  • schließen