Wie geht schlaues Sparen?

Fast wäre ich geplatzt vor Stolz.
jan-stremmel

Fast wäre ich geplatzt vor Stolz. Ich war frisch fertig mit dem Studium und hatte ihn unterschrieben – meinen ersten Arbeitsvertrag mit Pauschalgehalt. Zum ersten Mal würde ich meine Miete nicht mehr mit Geld aus drei verschiedenen Studentenjobs bezahlen, sondern mit dem Gehalt aus einem einzigen, richtigen Job. Dann bemerkte ich, dass der Geldsegen nicht nur Stolz, sondern auch ein ungewohntes Verantwortungsgefühl in mir auslöste. Versicherungen, Altersvorsorge, Riester-Rente: Diese Worte hatten auf einmal ihre Abstraktion verloren. Mit dem geglückten Einstieg ins Berufsleben war irgendwie auch schon der spätere Ausstieg in mein Sichtfeld gerückt. Sehr fern und verschwommen, aber doch unübersehbar: die Rente.

Zeitungsartikel über das Rentensystem hatten bei mir immer eine bohrende Langeweile ausgelöst – aber eines wusste ich: die Deutschen gebären zu wenige Kinder, weshalb meine Generation privat vorsorgen muss, um im Alter noch genug Geld zu haben. Aber „vorsorgen“, wie macht man das? Ein Sparbuch eröffnen und ein Viertel des Gehalts darauf einzahlen?

„Nein“, sagt Michael Huber, und dann sagt er einen ungewöhnlichen Satz für einen Finanzberater: „Das erste Gehalt dürfen Sie einfach ausgeben und damit Spaß haben.“ Huber ist Leiter des unabhängigen Vermögenszentrums in Frankfurt am Main. „Wer gerade in den Beruf einsteigt, sollte erst einmal spüren, was das ist: sein Gehalt. Und wieviel Spaß es macht. Erst dann, ab dem zweiten Monatsgehalt, geht es um eine gesunde Balance zwischen Konsumieren und Reservieren.“

Der wichtigste Finanztipp, den Michael Huber Berufseinsteigern gibt: „Zuerst ein Polster anlegen.“ Wer irgendwann ein Auto kaufen möchte oder eine Einbauküche, sollte dafür nämlich möglichst nicht sein Girokonto überziehen müssen, sondern auf eine Rücklage zurückgreifen können. „Am besten eröffne ich dafür ein separates Tagesgeldkonto“, sagt Huber. Also ein verzinstes Konto, auf das man zwar jederzeit Zugriff hat, das aber nicht für den allgemeinen Zahlungsverkehr geöffnet ist wie ein Girokonto. „Auf das Tagesgeldkonto überweise ich etwa 300 bis 400 Euro pro Monat“, sagt Huber. Am besten per Dauerauftrag und am selben Tag wie der Gehaltseingang auf dem Girokonto. So umgehe man die Versuchung, das Geld auszugeben – und gewöhne sich automatisch an die etwas niedrigere Geldbasis. „Sparen ist ja immer ein Kampf gegen den Schweinehund.“

Das Geldpolster, oder „der Liquiditätsstock“, wie Huber sagt, sollte mindestens drei Monatsgehälter betragen – damit ist man für unvorhergesehene Investitionen gewappnet und kann sich, etwa bei einem Jobwechsel, notfalls einige Zeit ohne Einkommen über Wasser halten. Sobald dieses Kapital aufgebaut ist, sollte man sich als nächstes gegen Risiken absichern.

Die wichtigste Versicherung ist die private Berufsunfähigkeitsversicherung – „die ist ein absolutes Muss“, sagt Huber. Er empfiehlt, sich für eine Rente von 75 Prozent des Nettoeinkommens versichern zu lassen. Für einen 25-jährigen, der im Fall der Berufsunfähigkeit 1.500 Euro Rente bekommen möchte, kostet die Versicherung etwa 40 Euro pro Monat. Wer verheiratet ist oder eine Familie hat, braucht außerdem eine Risikolebensversicherung. Die kostet deutlich weniger: Eine Risikolebensversicherung über 100.000 Euro gibt es für unter zehn Euro pro Monat. „Der dritte Schritt“, sagt Huber, „ist die Altersvorsorge.“ Hier sind zwei Fragen entscheidend. Erstens, wie viel möchte ich einzahlen?  „Eine gute Faustregel ist: zehn Prozent des Bruttoeinkommens.“  Und zweitens: wohin soll das Geld fließen? „Hier kommt es auf den Anlegertyp an“, sagt Huber.

„Wer viel Wert auf Sicherheit legt, wählt am besten Riester-Sparen oder eine betriebliche Altersvorsorge.“ Wer eher risikofreudig sei, dem empfehle er einen Aktienfondssparplan. Damit kauft man in regelmäßigen Intervallen Anteile an einem Investmentfonds – und erzielt höhere Rendite als beim Riestern, allerdings auch zu einem höheren Risiko. Um dieses Risiko zu minimieren, warnt Huber vor Angeboten mit verdächtig hoher Rendite: „Bei zweistelligen Prozentzuwächsen müssen die Alarmglocken losgehen. Und als Faustregel: nie etwas abschließen, was ich selbst nicht verstehe.“

Jan Stremmel, 25, beginnt ab sofort mit dem Aufbau seines eigenen "Liquiditätsstocks" - befürchtet aber, dass der mal wieder den nächsten Sommerurlaub nicht überlebt. 
 
Fünf Tipps fürs Sparen:

1. Einen realistischen Plan machen: Welcher Betrag soll aufs Tagesgeldkonto fließen? Welche Versicherungen brauche ich? Und was will bzw. kann ich für meine Altersvorsorge zur Seite legen?

2. Belohne dich: Überprüfe am Ende jeden Jahres, ob du deine Planziele erreicht hast. „Wenn dann noch Geld übrig ist“, sagt Finanzberater Huber, „können Sie es guten Gewissens verprassen.“

3. Vorsicht vor Finanzierungsangeboten! Schließe keine Konsumentenkredite ab und vermeide die Überziehung des Girokontos. „Beides ist teuer und kann zum Bumerang werden“, sagt Huber. Auf teure Anschaffungen also lieber länger sparen und vorfreuen als zwei Jahre lang Raten zu zahlen.

4. Denk’ bei Finanzberatungen dran: Es gibt keine Rendite ohne Risiko! „Und“, sagt Huber, „es gibt keine ‚heißen Tipps’. Denn wer einen echten heißen Tipp hätte, würde den nicht verraten.“ Wer das beherzigt, ist vor großen Fehlern gefeit – und damit schon einen großen Schritt weiter.

5. Kaufe nichts, das du nicht verstehst. Ein guter Berater erklärt so, dass auch der Laie versteht, wie ein Produkt funktioniert.

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