Wie geht Steuern zahlen?

Wann muss ich das Finanzamt anrufen? Bin ich überhaupt steuerpflichtig? Und bis wann ist nochmal die Erklärung fällig? Ganz ruhig: Das Lexikon des guten Lebens erklärt's dir.
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Bis ich vor gut einem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben eine Rechung stellen musste, wusste ich so gut wie nichts über das deutsche Steuersystem oder die konkreten Pflichten, die mich erwarteten. Meine Nebenjobs im Supermarkt, im Restaurant oder der Bar liefen meist schwarz oder über eine simple Lohnsteuerkarte.

Für einen Steuerberater war ich zu arm und zu geizig, für Internetportale zum Thema Finanzen zu ungeduldig und Freunde und Bekannte winkten auch nur gestresst ab, wenn ich ihnen mit Steuerfragen ankam.

Vor Ratlosigkeit rief ich schließlich im Finanzamt an. Dort klärte man mich auf: Ich müsse erst einmal herausfinden, ob ich bei meinen geschätzen Einnahmen überhaupt steuerpflichtig bin. Und steuerpflichtig ist man als unverheiratete Person ab einem jährlichen Verdienst von 8004 Euro. Verheiratete profitieren doppelt: Ihr Freibetrag beträgt jeweils 16 004 Euro im Jahr. Das Finanzamt schickte mir einen Fragebogen, in dem ich gewissenhafte Angaben über meine Tätigkeit und Schätzungen über die damit verbundenen Einkünfte machen sollte. Nach Auswertung dieses Bogens bekam ich Bescheid, welche Steuerpflichten mich ab sofort erwarten.

Steuerberater Fritz Winkler von der Steuerberaterkammer Bayern hält einen Anruf beim Finanzamt grundsätzlich für die richtige Entscheidung:„Die meisten Leute vergessen: Das Finanzamt ist nicht der Henker! Es prüft zu Gunsten und zu Ungunsten. Eine Steuernummer auszustellen bedeutet für die auch Arbeit, also klären es erst einmal, ob Sie überhaupt steuerpflichtig sind." Gesprächsbereit seien die Beamten auch: Hat man sich mit seinen Verdienstabgaben verschätzt oder muss seine Voranmeldungen, Steuererklärungen und Zahlungen verschieben, kann man einfach anrufen und das von Mensch zu Mensch klären.

Überhaupt sei ein Anruf im Finanzamt immer besser als ein Brief, beteuert Winkler. „So sieht man auch mal, dass da ganz normale Menschen sitzen mit denen man reden kann". Dort wird man beraten und aufgeklärt, auch der Schwindel bereitende Fragebogen zur eigenen Tätigkeit verliert seinen Schreck: Ausfüllhilfen und kostenlose Beratungen gibt es in jeder Stadt im Servicecenter des zuständigen Finanzamtes. Man sollte diese Angebote dringend nutzen, rät Winkler. "Als Berufsanfänger kann man sich oft noch keinen Steuerberater leisten, und da kann es schnell passieren, dass man sich aus Unwissen in eine Riesenfalle begibt" warnt er.

Als geübter Aufschieber tendiert man leicht dazu, das mit der Steuer auf die lange Bank zu schieben. Sich frühzeitig schlau zu machen, kann einem jedoch Kopf und Kragen retten. In der Regel kontrolliert zwar erst einmal keiner, wie ordentlich man zuhause über seine Steuerangelegenheiten Buch führt und ob man ordnungsgemäß angemeldet ist – aber unerwartete Steuerprüfungen in den Betrieben mit denen man in seiner Arbeit zu tun hat, sind keine Seltenheit, erzählt Winkler. Ein konkretes Patentrezept für jeden, der anfangen muss, sich mit seinen Steuerangelegenheiten selbst auseinanderzusetzen, kann er mir leider nicht, wie erhofft, bieten. „Weltweit gibt es 120 000 Steuergesetze, allein Deutschland hat davon 80 000. Sie können sich also denken, wie es um die Einfachheit des deutschen Steuersystems bestellt ist.", sagt Winkler. Man müsse stets den Einzelfall prüfen, anders ginge es nicht.

Das macht man entweder durch engagierte Eigeninitiaive - zum Beispiel seriöse Steuerhilfen im Internet durchforsten, Bücher wälzen und ins Finanzamt gehen. Oder man leistet sich ein paar erste Stunden bei einem Steuerberater. Zur Not kann man sich das auch mal von den Eltern zum Geburtstag wünschen. "Es lohnt sich, daran zu denken, dass der Steuerberater nicht ohne Grund ein eigener Beruf ist.", lacht Winkler. "Der kennt sich immer noch am Besten mit dem Thema aus und kann einem so manchen hilfreichen Trick zur besseren Steuerverwaltung nahelegen."

Für Letzteres entscheiden sich der Einfachheit halber die meisten. Ich zumindest habe bisher noch von keiner meiner Freunde gehört, dass sie sich ganz allein durch die Qualen des Steuerzahlens gewunden haben. Eins ist wahrscheinlich sicher: Was man an Nervenkraft und Wutausbrüchen spart, wenn man sich zu Beginn eine Beratung und jährlich die leidige Steuererklärung gönnt, das kann mit Geld nicht aufgewogen werden.

Mercedes Lauenstein, 22 Jahre alt, flucht und heult heute noch über das Korsett der Steuerpflichten, das ihr kürzlich ohne ihren Willen angelegt wurde. Sie freut sich aber jedes Mal, wenn sie Bücher, Zeitschriften und Schreibtischmöbel kauft, dass sie die Artikel von der Steuer absetzen darf. Fünf Tipps, wie man in das Dasein eines Steuerzahlers reinwächst:

1. Bei Sorgen und Nöten lieber im Finanzamt anrufen, als aufwendigen Briefverkehr zu betreiben: Mit einem echten Menschen zu reden macht die schwindeltreibende Bürokratie erträglicher - und verständlicher

2. Für engagierte Selbermacher: Gerade zu Beginn der Karriere lohnt sich das Selbermachen der Steuererklärung finanziell noch. Geduld und Zeit ist aber bitter erforderlich, die Grundlagen des Steuerrechts muss man erlernen und den nötigen Durchblick zu erlangen. Wertvolle Steuertipps und Tricks gibt es mittlerweile als Bücher in jeder Bibliothek auszuleihen oder als zum Großteil kostenfreie Software im Netz herunterzuladen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist gut für das allgemeine Wirtschaftsverständnis - und damit auch für die eigene Karriere

3. Beachten: Das Finanzamt hilft einem in der ersten Zeit zwar ganz gut weiter, und den Einstieg schafft man mit etwas Geduld und Lehrwillen allein. Doch nicht umsonst gibt es Steuerberater! Das Steuersystem ist kompliziert und so bald man nach den ersten Jahren einmal mehr verdient, können einem ausgebildete Fachmänner mit dem ein oder anderen Geheimtipp helfen, viel Geld zu sparen

4. Ordner anlegen: Erwachsen werden heißt auch, Ordnung zu lernen. Am besten heftet man gleich ab Beginn der Selbstständigkeit alle Einnahmen und Ausgabenbescheinigungen (gestellte Rechnungen und Quittungen) in einem eigenen Ordner ab. So hat man für eventuelle Umsatzsteuervoranmeldungen oder spätestens am Jahresende alles ordentlich sortiert vorliegen - dann ist auch die jährliche Steuererklärung nicht mehr so schlimm und vor allem billiger. Kein Steuerberater wühlt sich durchs Chaos ohne Aufpreis zu verlangen.

5. Keine Angst vor der Umsatzsteuervoranmeldung: Selbstständige müssen in den ersten Berufsjahren jeden Monate eine Umsatzsteuervoranmeldung leisten. Das klingt eklig, ist aber, hat man es einmal verstanden, ganz einfach und geht durch das Elster-Onlineformular sogar ganz fix. Außerdem behält man einen klaren Überblick über monatliche Einnahmen und Ausgaben - und weil man die eingenommene Umsatzsteuer immer gleich verrechnen und zurück überweisen muss, tappt man auch nicht in die Falle, am Ende des Jahres eine angehäufte Unsumme zurückzahlen zu müssen - die man in der Zwischenzeit vielleicht schon aus Versehen ausgegeben hat. Winkler rät: "Immer bedenken: Die Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer ist ein Durchlaufposten und gehört dir nicht! Am besten ein eigenes Konto dafür anlegen und immer im Hinterkopf behalten, dass am Ende des Jahres auch noch die Einkommenssteuer fällig wird."

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