Wie kann ich meine Browserhistory löschen?

Manchmal macht man allein schon aus Langeweile auf der Arbeit Quatsch im Internet. Wie man danach sicher und sauber den Browserverlauf löscht, erklärt dir das Lexikon des guten Lebens.
christina-waechter

Das Internet, sagt der Volksmund, wurde erfunden, damit die Menschheit möglichst bequemen Zugang zu einem möglichst großen Vorrat an pornografischen Material Zugang hat. Das mag so stimmen oder auch nicht – ganz sicher sollte man an bestimmten Orten und Rechnern seine Neugier einschränken, sonst könnte das unangenehme Konsequenzen haben.

Als ich und das Internet uns noch nicht so gut kannten, machte ich ein sehr langweiliges Praktikum in der PR-Abteilung eines großen Unternehmens, das Maschinen für die Druckindustrie herstellt. Während des Praktikums sollte ich bei der Erstellung der vierseitigen Mitarbeiterzeitung mithelfen, die allerdings wegen Einsparmaßnahmen zeitgleich mit mir eingestellt wurde. Es war also gerade mal so genug Arbeit für meinen Chef da, für mich blieb wenig zu tun, außer den üblichen Praktikanten-Beschäftigungsmaßnahmen, wie Adressverzeichnis überarbeiten und Ordner anlegen. Den Rest der Zeit musste ich auf eigene Faust totschlagen und kam vor lauter Langeweile auf die Idee, mich in einer Single-Börse anzumelden (wie gesagt: ich war jung und das Internet auch).

Immerhin: die Langeweile war mit einem Schlag verflogen, im Minutentakt kamen neue Mails von potentiellen Partnern in mein Postfach. Nicht ganz so gut: Die Anfragen waren zu 90 Prozent eklige Anmachmails mit angehängten detailscharfen Bildern von Penissen oder Links zu Websites zweifelhaften Inhalts, auf die ich in meiner Naivität zu Beginn auch klickte, bis ich zu dieser einen Website kam, die mir dieses Geklicke ein für allemal austreiben sollte: Zu der Zeit waren sich selbständig hundertfach öffnende Fenster mit Porno-Inhalten ganz große Mode, die sich auch durch wiederholtes Wegklicken nicht vom Bildschirm entfernen lassen. Da saß ich nun mit dem Rücken zum Großraumbüro mit Dutzenden Angestellten und einem Bildschirm, auf dem Bilder von weiblichen Geschlechtsteilen in Großaufnahme im Sekundentakt aufpoppten. Sehr, sehr unschön! Ich schwitzte stark, während ich auf die ESC-Taste hämmerte, Bilder wegklickte und mich dabei panisch umblickte. Nach einer halben Stunde kam ich dann auf die rettende Idee, den Rechner auszuschalten und noch einmal hochzufahren. Als nächstes meldete ich mich von der bescheuerten Dating-Website ab, konzentrierte mich wieder auf meine Arbeit und hoffte, dass diese kleine Porno-Eskapade niemand außer mir bemerkt hatte. Aber irgendwie ahnte ich, dass dem garantiert nicht so war, auch wenn diese Anekdote keine größeren Auswirkungen hatte auf meine verbleibende Praktikumszeit.   

Das doofe Gefühl blieb mir erhalten und eine gewisse Vorsicht, die auch durch die immer wiederkehrenden Diskussionen um Themen, wie Vorratsdatenspeicherung, Kündigungen wegen Nichtigkeiten und der Verfolgung von illegalen Downloads bis heute anhält.  

Aber es „passiert“ eben immer mal, dass man im Internet ein paar mal falsch abbiegt und auf wirklich schlimmen Websites landet. Auf solchen, von denen man nicht will, dass jemals jemand ahnt, dass man dorthin gesurft ist (und man selbst möchte es am liebsten auch vergessen). Also muss man wissen, was man in solchen Fällen tun kann. Eigentlich ist alles ganz einfach, sagt Hans-Joachim Friedrichs, Leiter der IT-Abteilung beim SZ-Magazin: „Prinzipiell würde ich allen Menschen empfehlen, auf ihrem Rechner das gleiche zu machen, wie zu Hause auch: regelmäßig aufräumen und feucht durchwischen. Soll heißen: regelmäßig ein sogenanntes Cleaner-Programm laufen zu lassen, das auch überall dort aufräumt, wo man selbst gar nicht hinschauen würde: Zum Beispiel in den temporären Ordnern, in denen zwischengespeichert wird. Oder es löscht Fragmente von schon längst wieder im Papierkorb gelandeten Programmen. Diese Cleaner kannst du dir für Windows genauso wie für Macs kostenlos aus dem Internet runterladen. Für Windows benötzigst du ein Programm namens CCleaner, bei einem Mac brauchst du das Programm Applejack.“  

Noch leichter, aber nicht weniger wichtig, ist es, seinen Internet-Browser von verräterischen Spuren zu befreien. Wenn du Safari verwendest, gehe auf „Safari“ und dort auf „Safari zurücksetzen“, anklicken und fertig. Bei Firefox findest du den ähnlichen Befehl unter „Extras“, wo du auf „Private Daten löschen“ klicken musst. Mit einem Windows-Rechner kannst du über die Tastenkombination STRG+H den Verlauf (History) aufrufen und auch gleich löschen. Im Internet-Explorer gehst du auf „Extras“, klickst dort „Internetoptionen“ „Allgemein“ an und gehst dann auf „Browserverlauf löschen“.  

Die Tatsache, dass es gar nicht so schwer ist, seinen Rechner einigermaßen in Ordnung zu halten, sollte dich allerdings nicht zum wahllosen Surfen animieren.  

Klar sollte dir eines sein, so Friedrichs: „Einmal heruntergeladene Dateien kannst du zwar oberflächlich von deinem Rechner löschen, aber es werden immer Spuren erhalten bleiben. Du kannst nur den Prozess der Rekonstruktion extrem erschweren, wenn du den durch die Löschung frei gewordenen Platz mehrfach neu überschreibst. Das allerdings dauert wirklich, wirklich lange.“  

Die Antwort von Christina Waechter, 33 Jahre, die nicht wissen möchte, welche Rückschlüsse manche Menschen auf ihren Charakter schließen würden, wenn sie ihre Browser-History kennen würden.    

Fünf Tipps für das erfolgreiche Verwischen unangenehmer Spuren im Internet:

1. Sollte es dir nicht anderweitig ausdrücklich von deinem Vorgesetzten gesagt worden sein, ist privates Surfen am Arbeitsplatz in der Regel erlaubt. Natürlich nur, solange sich das nicht auf deine Arbeit auswirkt und du nichts Illegales oder moralisch Verwerfliches machst. Wenn du dir nicht sicher bist, was das beinhaltet, dann mach dich lieber noch mal schlau.  

2. Gewöhne dir am besten an, mindestens einmal wöchentlich deinen Computer aufzuräumen. Dafür kannst du ein Programm über deinen Rechner laufen lassen (siehe oben) oder händisch die Browser-History leeren und Cookies aus dem Speicher werfen.

3. Bloß weil im Internet so gut wie alles verfügbar ist, muss man sich nicht alles antun. Es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht kennen. Überleg dir also genau, ob du unbedingt „Two Girls One Cup“ anschauen oder Genaueres über embryonale Missbildungen erfahren willst.

4. Wenn du eine Datei auf deinem Rechner abspeicherst, dann hinterlässt die eine Spur, auch wenn du die Datei selbst schon lange gelöscht hast. Das sind die Hinterlassenschaften, die die Computer-Nerds in den Sonntagabend-Krimis immer auf die Spur des Killers bringen. Diese Spuren kann man nicht löschen, aber durch mehrfaches Überschreiben fast unsichtbar machen.

5. Solltest du beim Surfen auf eine Website gestoßen sein, die deiner Meinung nach illegale Inhalte verbreitet (das können rechtsextreme Parolen sein, Kinderpornografie, Phishing oder auch Urheberrechtsverletzungen sein), dann kannst du sie auf der Website der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation naiin.org (No Abuse In Internet) anonym melden.

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