Wie kann ich mich nach dem Abschluss freiwillig engagieren?

Aus dem Lexikon des guten Lebens. Heute: Eine Antwort für alle, die guten Willens sind.
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Der Abschluss ist geschafft, der Partymarathon erfolgreich überstanden. Zeit, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Wenn du zu denjenigen gehörst, die jetzt einfach ihre Tasche packen wollen, um sich die Welt anzusehen, gratuliere ich dir zu dieser Entscheidung. Aber dann ist dieser Text für dich eigentlich uninteressant. Wenn du nicht verreist, aber auch noch nicht weißt, ob du lieber eine Ausbildung oder ein Studium beginnen solltest, geschweige denn, welches Studienfach für dich in Frage kommt, kurz: Wenn du noch etwas Zeit brauchst, um dir über deinen weiteren Weg klar zu werden, dann könntest du hier ein paar Antworten finden.

Eine beliebte Variante, sich ein Jahr zum Überlegen zu verschaffen, war bis vor kurzem noch der Zivildienst, beziehungsweise das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Das FSJ kann man immer noch machen, aber wie du sicher mitbekommen hast, wurde die Wehrpflicht inzwischen ausgesetzt. Und wenn es keine Wehrpflicht gibt, kann man beim Bund auch nicht verweigern und stattdessen Zivildienst leisten. Den Zivi gibt es also auch nicht mehr. Wenn du jetzt enttäuscht bist, dass du nicht zur Bundeswehr kannst, weil es keine Wehrpflicht mehr gibt, kann ich dich beruhigen: Man kann sich immer noch freiwillig melden.

Wenn dir die Bundeswehr egal ist, du aber dem Zivildienst nachtrauerst, gibt es ebenfalls Trost für dich: Der neue Zivildienst heißt jetzt Bundesfreiwilligendienst (BFD) und, der Name verrät es, auch hierfür kann man sich freiwillig melden. Weitere Möglichkeiten, die etwas im Schatten von Bundeswehr, FSJ und Zivi stehen, stellen das sogenannte Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder der Freiwilligendienst Weltwärts dar.

Und dann gibt es noch den Europäischen Freiwilligendienst (EFD), den man sogar in nur 2 Wochen absolvieren kann. All diese Möglichkeiten könnten für dich interessant sein. Natürlich könntest du jetzt sagen: „Der Zivildienst wäre für mich nur ein notwendiges Übel gewesen, um nicht zum Bund zu gehen, warum soll ich mich also freiwillig für einen sozialen Dienst melden?" Und damit hättest du sogar recht, denn es gibt eigentlich nur eine Antwort darauf: „Vielleicht, weil gerade jetzt Freiwilligendienste sehr wichtig werden." Viele soziale Einrichtungen, wie Altersheime oder Behindertenwerkstätten waren in der Vergangenheit auf Zivis und FSJler angewiesen, da ein großer Teil der Betreuung von ihnen verrichtet wurde.

Wenn die jetzt wegfallen, bekommen diese Einrichtungen und die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, ernsthafte Probleme. Sich freiwillig für einen sozialen Dienst zu melden, kann also keine schlechte Sache sein. Unter den verschiedenen Möglichkeiten, gibt es aber erhebliche Unterschiede, was beispielsweise das Einkommen oder die Dauer angeht.

Pierre Jarawan, 25, hat seinen Zivildienst in einer Behindertenwerkstatt geleistet und ist dann noch ein paar Monate freiwillig dort geblieben.
Diese 5 Dienste sollen dir beispielhaft verdeutlichen, was du alles machen kannst und dir dabei helfen, einen Überblick zu bekommen.

1. Bundeswehr: Wenn du dich zum freiwilligen Wehrdienst melden möchtest, kannst du das für eine Dauer von bis zu 23 Monaten tun. Den Zeitraum kannst du aber komplett selbst bestimmen. Unabhängig von der Dauer, für die du dich entscheidest, gelten die ersten 6 Monate aber als Probezeit. Die Bezahlung sieht folgendermaßen aus: Du erhältst einen steuerfreien Wehrsold. Dieser beträgt ab dem ersten Monat 770,30 €. Hinzu kommen sogenannte „besondere Zuwendungen", wie Weihnachts- und Entlassungsgeld. Das Gehalt steigert sich mit der Dauer des Wehrdienstes: Zwischen dem 7. Und 12. Monat erhält man beispielsweise 1003, 50 € im Monat. Hinzu kommen eine unentgeltliche Unterkunft, unentgeltliche Verpflegung und unentgeltliche truppenärztliche Bewerbung. Vorab kann man schon mal sagen: Bei keinem anderen Freiwilligendienst lässt sich so viel verdienen.

2. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD): Die Regeldauer beim BFD beträgt 12 Monate. Man kann den Dienst aber auch auf 6 Monate verkürzen oder auf maximal 24 Monate verlängern. Die Tätigkeitsfelder sind weit gefächert. Tätig werden kannst du unter anderem im sozialen Bereich (Kinder und Jugendhilfe, Jugendarbeit, Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe) oder in Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung, Zivil- und Katastrophenschutz. Um dich freiwillig zu melden, musst du eine Einsatzstelle finden, eine Börse hierzu gibt es auf der Website des BFD. Als Freiwilliger kannst du kostenlose Weiterbildungsseminare in Anspruch nehmen. Über die Höhe des Einkommens entscheidet die Einsatzstelle, die Höchstgrenze liegt aber bei 330 €. Die Beiträge für deine Versicherung, also Renten-, Unfall, Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung, werden von deiner Dienststelle übernommen. Ein BFD im Ausland ist nicht möglich.

3. Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ): Das FÖJ richtet sich an Menschen im Alter von 16-27 Jahren. Wie der Name schon verrät, ähnelt es dem FSJ, nur dass der Tätigkeitsbereich im ökologischen Bereich liegt, also beispielsweise im Naturschutz. Das FÖJ ist auch im Ausland möglich. Eine Übersicht über die verschiedenen Träger findet man auf der Website des FÖJ. Die Dauer beträgt ein Jahr. Das Einkommen variiert, je nach Dienststelle, in der Regel erhält man ein Taschengeld um die 150 Euro. Die Hauptversicherungen werden ebenfalls übernommen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man für die Zeit des FÖJ weiterhin Kindergeld kriegt. Meistens kommen zu dem Taschengeld weitere Zahlungen, wie Essensgeld dazu.

4. Weltwärts: Dieser Freiwilligendienst ermöglicht einen interkulturellen Austausch mit Entwicklungsländern und richtet sich an Personen im Alter von 18 bis 28 Jahren. Wenn dich dieser Dienst interessiert, kannst du dich bei verschiedenen Entsendeorganisationen, die du auf der Website von Weltwärts findest, melden. Den Dienst absolvierst du dann in einem Entwicklungsland, wobei dich die Entsendeorganisation mit Seminaren etc. intensiv auf den Aufenthalt dort vorbereitet und natürlich wirst du dort auch betreut und bist nicht auf dich alleine gestellt. Je nach Projekt beträgt die Dauer zwischen 6 und 24 Monaten. Dabei erhältst du ein monatliches Taschengeld von 100 Euro. Die Reisekosten sowie eine angemessene und ortsübliche Unterkunft und Verpflegung übernimmt deine Entsendeorganisation. Die wesentlichen Versicherungen übernimmt die Organisation ebenfalls.

5. Der Europäische Freiwilligendienst (EFD): Wenn du dich nicht gleich für mehrere Monate freiwillig melden willst, könnte dieser Dienst für dich interessant sein. Hier kann man sich für eine Dauer von 2 Wochen bis 12 Monaten in einem gemeinnützigen Projekt im Ausland engagieren. Die Altersobergrenze liegt bei 30 Jahren. Die Höhe des Taschengeldes variiert von Land zu Land, Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und sogar Sprachkurse, werden aber übernommen. Versichert ist man ebenfalls rundum und auch das Kindergeld läuft ganz normal weiter. Wie bei Weltwärts musst du nur eine Entsendeorganisation finden, die kümmert sich dann um den Papierkram, Tickets etc. Als Entsendeorganisation kommt im Prinzip jeder gemeinnützige Verein, jede Kirchengemeinde oder jede öffentliche Stelle in Frage. Am besten, du schaust mal, was es da in deiner Umgebung alles gibt. Dort fragst du einfach nach, einen Antrag muss man in der Regel nicht stellen. Auf der Website www.youth-reporter.de kannst du Berichte von Leuten ansehen, die diesen Dienst absolviert haben.   

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