Wie verhalte ich mich, wenn ich zwischen zwei zerstrittenen Freunden stehe?

Streit, Konflikte und Intrigen gibt es nicht nur im Fernsehen, sondern auch in den besten Freundschaften. Und manchmal steht man genau in der Mitte und muss auf zwei Seiten beruhigen, trösten, zuhören und Wutanfälle aushalten. Aber muss man sich auch entscheiden?
Von Svenja Gräfen
alte freunde jetzt
REHvolution.de / photocase.de

Das Sprichwort "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte" finde ich blöd. Der Dritte hat es oft schwer, zwischen den Stühlen ist es nämlich sehr unbequem. Ob es sich um ein simples Missverständnis, ein Eifersuchtsdrama oder eine Trennung handelt – wenn man der Ansprechpartner für zwei Streitparteien (nennen wir sie 1 und 2) ist, kann das ziemlich anstrengend sein.

Beide Seiten fordern Verständnis für ihre Sicht der Dinge, wollen unterstützt werden und gerne aufmunterndes Geläster hören. Aber Obacht: "Man sollte vorsichtig sein und wertende Aussagen über den jeweils anderen vermeiden", raten Anne Meyers und Kay-Debora Lehmann, beide psychologische Psychotherapeutinnen in Köln. "Lästereien oder Schlechtreden helfen vielleicht kurzzeitig, längerfristig schadet es der Freundschaft." Denn ein Grundpfeiler ebenjener ist Vertrauen, das man durch Lästern Stück für Stück zerstören kann.

Zurückhaltung ist also besser als Einmischen. Geduldig zuhören reicht aus, man sollte Streitpartei 1 oder 2 nicht zusätzlich in ihrer Wut bestärken. Wobei die inhaltliche Ebene ohnehin im Schatten steht, vordergründig geht es nämlich um Emotionen. "Dass man diese Emotionen validiert, also seinen Freund oder seine Freundin wissen lässt, dass man akzeptiert und versteht, dass es ihm oder ihr mit der Situation schlecht geht, ist viel wichtiger als zustimmende oder ablehnende Aussagen", erklärt Anne Meyers. "Die sollte man nur treffen, wenn man selbst oder das eigene Wertesystem unter dem Streit leidet."

Sowieso darf man sich selbst nicht vergessen: Freundschaft bedeutet immer ein Geben und Nehmen. Wenn man wochenlang als Müllhalde gebraucht wird, darf man daran erinnern, dass man womöglich selbst ein Problem hat, über das man reden möchte, oder sollte deutlich machen, dass man nicht der richtige Ansprechpartner für den ewigen Streit ist. Denn die beste Adresse ist da immer noch der Streitpartner. "Vermitteln und für ein Gespräch zwischen den Parteien sorgen ist sinnvoll, wenn beide offen dafür sind. Wenn einer partout nicht mit dem anderen kommunizieren will, muss man eben noch etwas Zeit vergehen lassen, damit die nötige Distanz gegeben ist", sagt Kay-Debora Lehmann.

Wenn der Konflikt unlösbar scheint, gibt es noch die gute, alte Metaebene: Besteht das Problem wirklich darin, dass 1 immer zwanzig Minuten zu spät kommt, oder fühlt sich 2 daher zurückgewiesen und nicht ausreichend wertgeschätzt? "Man sollte den Streitenden klarmachen, dass ihre Sicht nur eine mögliche ist und dass sie versuchen sollten, die Perspektive zu wechseln", so Meyers. Denn vielleicht ist 2 tatsächlich nicht bewusst, dass 1 einfach immer den Weg zur U-Bahn unterschätzt.

"Am wichtigsten ist aber, dass man sich nicht in etwas verrennt. Wenn man plötzlich mehr leidet als die Streitenden selbst, muss man den Mut haben, auszusteigen und abzuwarten. Das hat nichts mit schlechter Freundschaft zu tun." Ich ändere das Sprichwort also einfach ab: Wenn zwei sich streiten, sollte sich der Dritte immer noch des Lebens freuen können.

Fünf Tipps, wie man sich verhalten sollte, wenn man zwischen zwei streitende Freunde gerät:

  • Man sollte grundsätzlich selbstfürsorglich (aber nicht egoistisch) handeln: Nur, wenn es einem selbst mit einer Situation gut geht, kann man helfen.
  • Die Gefühle beider Parteien anerkennen und Verständnis dafür zeigen, dass es dem/der Freund/in gerade schlecht geht.
  • Durch Gespräche herausfinden, was der wirkliche Grund des Streits ist.
  • Keine Partei ergreifen. Lieber neutral bleiben und sagen: „Hallo, ich bin die Schweiz.“
  • Vermitteln. Aber nicht per Flüsterpost, sondern beide Streithähne dazu bewegen, miteinander zu reden. 

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