Die Anzahl der User sozialer Netzwerke, von Online-Chats und -Communitys steigt weiter. Laut der aktuellen JIM-Studie sind deutsche Zwölf- bis 19-Jährige im Durchschnitt 179 Minuten täglich online. Hauptsächlich, um zu kommunizieren. So breiten sich Informationen innerhalb von Minuten von Kontinent zu Kontinent aus. Das ist gut - und hat als Kehrseite eine Form der Gewalt hervorgebracht, die nur schwer einzudämmen ist: das Cybermobbing.  

Vielleicht kennst du so ein Szenario aus deiner Schulzeit: Eine Gruppe angesagter Jugendlicher steht zusammen auf dem Schulhof. Wehe denjenigen, die mit der "Coolnes" dieser Clique nicht mithalten können. Ist erst mal ein Opfer gefunden, wird es über längere Zeit schikaniert, beleidigt und nicht selten kommt es auch zu physischer Gewalt. Solche Mobbing-Fälle kommen nicht nur unter Jugendlichen, sondern in sämtlichen Alters-und Berufsklassen vor. Um sich dagegen zu wehren, muss man sich zwar erst einmal trauen, darüber zu sprechen, hat dann aber eine reelle Chance, die Täter zu stoppen.  

Aber wie ist das bei Cybermobbing? Ob durch beleidigende Kommentare, die Veröffentlichung von Bildern, die du jemandem im Vertrauen geschickt hast, oder eine öffentliche Bloßstellung. Im Internet sind die Möglichkeiten vielfältig, Menschen zu schikanieren. Was im Netz landet verschwindet bekanntlich nie wieder, oder? Was kann ich tun, wenn ich im Internet gemobbt werde?  

Nina Lübbesmeyer, Leiterin des Referats "Chats, Messenger und Communitys" bei jugendschutz.net, ist der Meinung, "dass man Mobbing und Cybermobbing gar nicht getrennt voneinander sehen kann. Meistens resultiert das eine aus dem anderen". Deswegen gelten erst einmal die gleichen Regeln, wie im realen Leben auch: Sprich mit jemandem darüber. Der gefährliche Unterschied zum Mobbing auf dem Schulhof ist aber nicht außer Acht zu lassen. "Im Internet kann man weitestgehend anonym agieren. Das Opfer erfährt so nicht zwangsläufig, wer die Täterinnen und Täter sind. Durch eine Verbreitung im Internet gibt es ein potenziell größeres Publikum als zum Beispiel in der Schule und das Opfer hat weniger Möglichkeiten sich zu entziehen", erklärt Lübbesmeyer.  

Wenn ein Bild von dir im Internet kursiert, das dich in einer ungünstigen Situation zeigt, solltest du schnell handeln. "Wenn sich ein Bild erst mal verbreitet hat, wird es sehr schwierig, weil man nie wissen kann, wo es noch überall gespeichert ist. Fotos, die man einmal gelöscht hat, können immer wieder und an anderer Stelle auch durch neue Täter eingestellt werden. Das heißt aber nicht, dass man dagegen nichts tun kann", sagt Lübbesmeyer. Das Wichtigste ist in diesem Fall, gut zu dokumentieren, was im Internet über dich verbreitet wurde und dir dann Hilfe zu besorgen. "Das erste, was man machen sollte, ist die Beweise zu sichern, also beispielsweise Screenshots davon zu machen und sich dann einen Ansprechpartner zu suchen, wie die Eltern oder den Vertrauenslehrer", rät Lübbesmeyer. In ganz extremen Fällen sollte man auch nicht davor zurückschrecken, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten und sich als Minderjähriger die Unterstützung eines Erwachsenen zu holen. Wenn man erst mal nur jemanden zum Reden braucht, gibt es die Möglichkeit, die "Nummer gegen Kummer" anzurufen.  

In jedem Fall solltest du versuchen, die Inhalte löschen zu lassen. Entweder du kennst den Täter, dann kannst du ihn darum bitten, Bilder oder Beleidigungen selbst zu löschen. Macht dieser aber keine Anstalten, oder du weißt erst gar nicht, von wem die Schikane ausgeht, solltest du dich mit deinem Anliegen an den Betreiber der Website wenden. "Wenn der Anbieter nicht reagiert, kann man sich auch bei uns melden und wir versuchen dann, zusätzlichen Kontakt aufzunehmen, um eine Löschung zu bewirken", sagt Lübbesmeyer.  

Leider gibt es keine allgemeingültigen Regeln, an die man sich halten kann, um auf alle Fälle zu verhindern, ein Opfer von Cybermobbing zu werden. "Mobbing im Internet kann völlig unabhängig von der eigenen Nutzung passieren. Auch wenn man als Kind oder Jugendlicher das Internet nicht nutzt, können andere Leute Gerüchte oder Beleidigungen veröffentlichen", erklärt Lübbesmeyer. Trotzdem gibt es Wege, das Risiko zu verkleinern. Vorsichtig mit seinen Daten sowohl online als auch offline umzugehen, ist dabei das A und O. "Du solltest immer schauen, was du wem im Internet zugänglich machst, aber auch offline aufpassen, wer dich beispielsweise fotografiert". Lübbesmeyer warnt auch davor, freizügige Bilder zu verschicken. Vermeintlich temporäre Speicherplattformen wie Snapchat sind dafür besonders beliebt. "Aber auch von diesen kann der Empfänger einen Screenshot machen und Bilder so dauerhaft speichern". 

Egal ob Opfer oder Beobachter, Lübbesmeyer rät jedem dazu, darüber zu reden und vor allem, das Opfer nicht alleine zu lassen.  

Jule Lange, 22, kann sich noch gut an den Schulhof-Terror erinnern, auch wenn sie sich immer aus dem Gröbsten rausgehalten hat. Damit das Internet ihr nicht zum Verhängnis wird, will sie den Umgang mit ihren Daten noch einmal überdenken.  

Fünf Tipps wie du dich gegen Cybermobbing wehren kannst:

1. Rede darüber und friss es nicht in dich hinein.

2. Sichere die Beweise mithilfe von Screenshots und suche dir einen Ansprechpartner. In besonders schlimmen Fällen solltest du nicht davor zurückschrecken, Anzeige zu erstatten.

3. Versuche Kontakt zu dem Täter oder dem Anbieter der Website aufzunehmen. Weise darauf hin, dass du gemobbt wirst und bitte darum, die Inhalte zu löschen.

4. Hole dir Hilfe von Außenstehenden. Zahlreiche Websites können dir helfen und informieren dich über deine Möglichkeiten : jugendschutz.net; klicksafe.de; chatten-ohne-risiko.net; nummergegenkummer.de 

5. Gehe sowohl online als auch offline vorsichtig mit deinen Daten um und achte darauf, wem du was zugänglich machst.

Text: jule-lange - Foto: photocase.com