horrordate mehrgleisig
Illustration: Katharina Bitzl

Dating-Situation: Erstes Date nach dem Kennenlernen auf einer Party

Geschlecht und Alter des Dates: männlich, 26 Jahre

Horror-Stufe: 6 von 10

Ich lernte ihn bei der Hausparty eines Kumpels in Berlin-Mitte kennen. Er wirkte nett und machte mir über Stunden schöne Augen und Komplimente. Er erwartete noch einen Freund, dem er den Weg zur Party beschreiben sollte, aber sein Akku war schon so gut wie leer und er gab mir die Nummer seines Freundes, sodass ich ihn anrufen konnte. Irgendwann zogen wir in einen Club direkt um die Ecke weiter und verloren uns dort aus den Augen. 

Allerdings hatte sein Freund ja noch meine Telefonnummer, die er ihm offensichtlich weitergab. Denn am nächsten Tag hatte ich bereits eine Nachricht von ihm: Er würde mich gerne wiedersehen. Er passte zwar nicht wirklich in mein Beuteschema, aber dennoch verabredeten wir uns noch am selben Tag für ein Date in einer der bekanntesten Bars in Mitte. Da sie zu diesem Zeitpunkt komplett überfüllt war, blieb uns nichts anderes übrig, als uns auf zwei freie Plätze an einem großen Tisch zu setzen. Uns gegenüber saßen zwei nordisch aussehende Schönheiten, die sich angeregt auf Englisch unterhielten.

Er fragte, was ich trinken wolle, ging zur Bar und kam nach fünf Minuten mit dem falschen Getränk zurück, weil er der Meinung war, dass es besser für mich sei. Anschließend versuchte ich angestrengt, ein Gespräch mit ihm zu führen, er wirkte aber leicht abgelenkt. Immer wieder fragte er zwischendurch, ob ich nicht auch an der Unterhaltung der beiden Mädels gegenüber interessiert wäre. Ich fing an, mich zu fragen, was der Typ eigentlich wollte – immerhin hatte er mich um das Date gebeten. Ich fühlte mich überlegen, da ich ihm eine Chance gab. 

Nach einer halben Stunde bemühter Konversation schlug ich vor, die Location zu wechseln und ging auf die Toilette. Als ich wiederkam, sah ich, dass er die Mädels gegenüber angesprochen hatte. Jetzt reichte es mir. Ich ging zur Bar und wollte bezahlen. Der Kellner, der die ganze Szene heimlich zu verfolgen schien, schenkte mir mein Getränk. Als ich wieder am Tisch angekommen war, wollte ich den Kerl vorsichtig loswerden und mir eine Geschichte parat legen, da ich keinerlei Interesse an weiterer Gesellschaft mit ihm hatte. Aber er war schneller: „So, du hattest gesagt, du hast Hunger? Ich habe mir noch schnell die Nummer von der Rechten geklärt. Die ist voll süß! Wollen wir dann jetzt was essen gehen?“ 

Er sagte mir dreist ins Gesicht, dass er sich auf einem Date die Nummer einer anderen klärte

Ich war absolut schockiert. Er sagte mir dreist ins Gesicht, dass er sich auf einem Date die Nummer einer anderen klärte. Eier hatte er ja, aber leider keinerlei Sozialkompetenz. Ich blieb ruhig und sagte, ich würde alleine etwas essen gehen. Das verstand er überhaupt nicht, er war der Meinung, nichts falsch gemacht zu haben. Kurz starrten wir uns beide verständnislos an. Dann sagte ich ihm, dass ich keinen Wert auf seine Anwesenheit legte und tippte eine Nachricht an eine Freundin, die mir mitteilte, dass sie ganz in der Nähe ebenfalls in einer Bar war. Er spähte auf mein Telefon und als er sah, dass ich eine Nachricht an Sarina* schrieb, fragte er: „Ist das die Sarina, die auch auf der Party war? Mann, die war süß, lass mich doch bitte mitkommen.“ 

Jetzt wurde ich wütend. Ich machte ihm unmissverständlich klar, dass er mich in Ruhe lassen sollte und verließ endlich die Bar. Draußen rief ich die besagte Freundin an. Auf halber Strecke drehte ich mich um – und sah ihn. Er lief mir einfach nach. Ich sagte ihm, dass ich das total bescheuert fände – er sagte, ich könnte ihm nicht verbieten, meine Freundin zu treffen. Als ich anfing, ihn anzuschreien, meinte er, das müsse er sich nicht geben, er hätte nichts falsch gemacht, und ging.

Bei Sarina angekommen, heulte ich mich zwei Stunden lang aus und schaute erst danach wieder aufs Telefon. Er hatte mir an die 20 Nachrichten geschrieben, wie spießig, prüde und oll ich sei. Ausserdem seien wir doch nicht zusammen, sodass ich keine Ansprüche stellen dürfte. Ich blockierte ihn. 

*Name geändert 

Dieser Text wurde von einer jetzt-Leserin eingereicht. Sie hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen, ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.

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