horrordate spielen
Grafik: jetzt

Dating Situation: Spieleabend zu Dritt

Geschlecht und Alter des Dates: weiblich, 24

Horror-Stufe: 5 von 10

Ich war recht neu auf dem Dating-Markt und einige der dort herrschenden Gepflogenheiten waren mir noch unklar. Eines abends stand ich mit meinem damals hochgegelten Pony auf einer Erstsemester-Party und erzählte irgendwelchen Leuten irgendwelches Zeug. Anscheinend flog mir dabei ein Herz zu, dessen Besitzerin ich schon bei meiner Ankunft unter einer Stehlampe entdeckt und seitdem interessiert gemustert hatte.

Einige Mixery-Dosen später unterhielten wir uns, die Angeleuchtete und der Gegelte, dann an- und auch ein bisschen aufgeregt. So einfach ging das also mit dem Kennenlernen, von dem man immer gehört hatte? War es vielleicht gar die große Liebe? Mit bis zum Halse klopfendem Herz und der festen Zusage einer Fortsetzung traten wir einzeln den Heimweg an, begleitet von verfängliche Nachrichten und anschließendem bangen Starren auf das Handy.

Tag zwei brachte dann tatsächlich ein Treffen und einige neue Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass die Stehlampe offenbar boshaft verfälschende Eigenschaften hatte. Mein Date trug nämlich jetzt eine Brille, hatte keine Locken mehr und die restlichen Abweichungen von meinen Erinnerungen, die vermutlich dem Mixery zuzuschreiben waren, führten dazu, dass ich erst einmal frech vorbeischlenderte. Wäre meine perfekt gegelte Frisur meinem Gegenüber nicht ein untrügliches Erkennungszeichen gewesen, wer weiß, vielleicht wäre all das Folgende nie geschehen.

Weitere Erkenntnisse des Abends: Wir verstanden uns offenbar doch nicht so gut, wie eigentlich gedacht. Die SMS-Konversation der vergangenen Nacht war jedoch dermaßen eindeutig gewesen, dass wir im Grunde schon ein Paar waren – zumindest aus ihrer Sicht. Ach so, und es gab da noch diesen Freund, mit dem sie nicht nur seit sechs Jahren zusammen war, sondern auch eine Wohnung teilte. Aber die Beziehung war ohnehin gerade am zerbrechen. Na super!

Den Rest des Abends verbrachte ich dann wechselweise mit kreativen Fluchtgedanken und dem Verweis auf die Interpretationsspielräume in unserer nächtlichen Konversation. Meine Date-Partnerin verwendete ihre Hauptenergie darauf, weitere Aktivitäten zu planen und und eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man die nun neue aufkeimende Liebe einem liebenden und leidenden Freund möglichst schonend beibringen würde. Die Flucht gelang mir nicht wirklich – immerhin ging ich mit einer weiteren Verabredung nach Hause: Ein Spieleabend sollte das große Date werden.

Es war die wohl merkwürdigste Runde Rummikub, an der ich je teilnehmen durfte

Perfekt, dachte ich, eine gute Gelegenheit, die Phase der aufkeimenden Partnerschaft durch die Phase der Freundschaft abzulösen. In der man sich statt in Zweisamkeit über Zukunftspläne zu grübeln, lieber in einer Gruppe von Zockern über den Alltag austauscht.

Leider lief jedoch auch dieses Date dann in eine ganz andere Richtung. Spielpartner waren nicht etwa die erhofften unbeteiligten Dritten (die hatten abgesagt), sondern nur der langjährige Freund (ja, Boyfriend-Freund und nicht Friend-Freund) und mein Date. Sie stellte mich als „guter Bekannter“ vor, während sie neben mir sitzend mein Bein tätschelte. So kam es dann zu der wohl merkwürdigsten Runde Rummikub, an der ich je teilnehmen durfte – oder an der vermutlich jemals jemand teilnehmen durfte. Ein gastfreundlicher Partner, der mit fast zu Tränen rührendem Eifer Getränke brachte, seine Freundin (und mein Date), die mir abwechselnd mal zuzwinkerte, mal „versehentlich“ das Bein streifte, und dazwischen ich. Ein Dating-Neuling mit Schmalzlocke, der noch viel zu lernen hatte. Unsere „Beziehung“ endete dann auch mit diesem Abend.

Einige Jahre später sah ich die beiden zusammen in der Stadt rumlaufen. Erleichtert versteckte ich mich hinter einem Busch und drückte mein Pony runter, um ganz sicher zu gehen, nicht erkannt zu werden.

Der Autor hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen. Er ist der Redaktion aber bekannt.

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