horror date hausgeist cover
Illustration: jetzt.de

Dating-Situation: Crush auf dem Festival, dann wiedergetroffen

Geschlecht und Alter des Dating-Partners: männlich, 42 Jahre alt

Horror-Stufe: 5 von 10

Wir lernten uns auf einem kleinen Festival in der Nähe der Stadt kennen, in der wir, wie sich später herausstellte, beide lebten. Unsere Zelte standen direkt nebeneinander, sodass wir schnell ins Gespräch kamen. Benjamin* hat mir jeden Morgen nach dem Aufstehen einen Kaffee gebracht und später immer ein neues Dosenbier geschenkt. Auch wenn er deutlich älter war als ich, fand ich ihn sehr sympathisch. Nachmittags saßen wir meistens rum und philosophierten über das Leben. Er über seine Arbeit als Lokführer, ich über mein gerade erst begonnenes Studium. Wir hatten trotz verschiedener Lebensrealitäten viel gemeinsam und so beschlossen wir, uns danach im „realen Leben“, außerhalb eines Festivalgeländes, wieder zu treffen.  

Wieder im Alltag angekommen fanden wir uns nach längerem Schreiben immer noch gut und beschlossen, wirklich auszugehen. Wir verabredeten uns in seiner Lieblingskneipe und hatten einen wundervollen Abend. Benjamin war hochintelligent, sehr witzig und ich habe mich wahnsinnig zu ihm hingezogen gefühlt. Deshalb beschloss ich, noch mit zu ihm zu gehen.

Kaum waren wir bei ihm angekommen, ging auch schon das Knutschen und Rummachen los. Doch als wir uns gerade aufs Sofa setzen wollten, hielt er plötzlich inne und erstarrte förmlich. Als ich ihn fragte, was denn los sei, setzte er einen sehr ernsten Gesichtsausdruck auf und sagte mir, dass er mich mag und deshalb gestehen müsse, dass in seiner Wohnung ein Hausgeist lebe.

Der Hausgeist, so Benjamins These, entwende ihm regelmäßig Geld, um sich damit Fast Food zu kaufen

Zuerst dachte ich, das sei ein Scherz, den in dem Moment einfach nicht verstand, und küsste ihn wieder. Doch er schob mich von sich weg und fragte mich, wie ich zu dem Hausgeist stünde und ob ich mich hier noch sicher fühlen würde. Dass er das einfach wissen müsse, um beruhigt weitermachen zu können. In dem Moment begriff ich, dass er es wirklich ernst meinte.

Ich fragte ihn, woran er denn erkennen könne, dass in seiner Wohnung ein Geist lebt – und seine Antwort war, dass er manchmal Schritte höre, aber es vor allem bemerke, wenn er beim Aufräumen seiner Wohnung Verpackungen von Burger King fände, obwohl er ganz sicher nie in diesem „Drecksladen“ gewesen sei. Der Hausgeist, so Benjamins These, entwende ihm regelmäßig Geld, um sich damit Fast Food zu kaufen und hinterließ aus purem Sadismus noch die Rechnung. Nach dieser Geschichte setzte mein Fluchtinstinkt ein. Ich stotterte ein paar schlechte Ausreden à la „Ich müsse morgen früh raus“ und floh aus der Wohnung.

Benjamin habe ich danach noch ein paar Mal zufällig getroffen. Wir verstehen uns immer noch gut und schreiben noch ab und zu. Doch sein Hausgeist lebt weiterhin bei ihm. 

*Name geändert

Dieser Text wurde von einer jetzt-Leserin eingereicht. Sie hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen, ihr  Name ist der Redaktion aber bekannt. 

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