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Jungs, warum rührt ihr partout keine Sandalen an? Wir möchten euch auf keinen Fall nahelegen, dass Adiletten oder Trekkingsandalen kombiniert mit Tennissocken ein erträglicher Anblick sind. Wir fragen uns nur, ob ihr nicht auch mal ohne aufgedunsene Schweißfüße durch den Sommer wandeln wollt. Seit geraumer Zeit sind nämlich auch sehr ansehnliche Männersandalen im Umlauf. Trotzdem sehen wir eure Füße ausschließlich in geschlossenen Schuhen, selbst wenn es draußen 35 Grad im Schatten hat. Liegt es an euren verhornten Zehnägeln? Die Jungsantwort: Also, auf den hinteren Seiten von GQ und Co., sieht man manchmal Männerfüße in etwas Sandaligem – meist so ein Ledergewirr von BOSS, bei dem der große Zeh eingeschnallt ist, als müsste er alleine Achterbahn fahren. Meint ihr das? Okay, wir geben also die 130 Euro dafür aus, und dann noch viel mehr Geld für den italienischen Anzug, das englische Hemd und das golddurchwirkte Halstüchlein dazu und finden uns danach arm und etwas geckenhaft. Jedenfalls wird das nicht unser Alltagsoutfit, solange wir nicht Hollywood-Tycoon oder Parfümmodel sind. Oder meint ihr eher FlipFlops, offiziell Zehensandalen genannt? Die haben wir ja mittlerweile wirklich brav von euch adaptiert, schlappen damit sogar durch die Fußgängerzonen und zum Hautarzt. Aber ehrlich, irgendwie ist es auch nicht ganz das Wahre. Wir stehen nicht ehern genug darin! Wir brauchen Schuhe, mit denen wir sofort losrennen können oder gefahrlos vom Pferd, äh, Fahrrad springen. Für eure zarten Füße und kleine Hüpfspaziergänge mag das katschende Schuhwerk ja reichen, uns ist es, jenseits des Strandes, zu wenig.


Jungs, wollt ihr endlich die gesellschaftsfähige Männerhandtasche? Wenn ihr mal dazu kommt, eure Hosentaschen zu entleeren, öffnet ihr damit ein Faß ohne Boden. Ob Kaugummipapier, Quittungen, Münzen, Krankenkassenkarten, Schlüssel, Handys, iPods, Murmeln oder Fallobst, alles packt ihr in eure Jeans. Unser Verstauraum ist in der Regel größer und nennt sich Handtasche. Ihr habt eure praktischen Umhängetaschen, aber die führt ihr auch nur dann mit euch, wenn ihr wichtige Papiere größeren Formats transportieren müsst. Oder? Die Jungsantwort: Die Männerhandtasche wird uns schon so lange hinterher getragen, aber wir wollen sie immer noch nicht. Sobald wir eine hätten, wüssten wir gar nicht, was reintun - sie würde seltsam leer bleiben und schließlich im Zimmer oder im Taxi zurückgelassen werden. Die Sache mit der Hosentasche ist ja eher umgekehrt - das Komische daran ist nicht, dass wir sie füllen, sondern dass ihr das nicht tut. Viele eurer Hosen haben ja nicht mal Taschen, was schon sehr freakig ist. Ich weiß, ihr habt Angst vor unflotten Dellen. Aber dann seid ihr eben doch froh, wenn wir euch bei einem Konzert Handy, Schlüssel und Taschentücher abnehmen und bei uns einlagern. Das Einzige, was an unserer rundum guten Hosentaschen-Verehrung wirklich nervt, ist das Geräusch wenn wir die Hose ausziehen und in die Ecke schleudern – eine mittlere Gerölllawine ist nichts gegen das, was sich dann über den Boden ergießt. Deswegen sieht es bei uns Daheim auch immer so aus.


Jungs, warum zieht ihr das Hemd mal so und mal so an? Zum Glück habt ihr mit zunehmendem Alter gemerkt, dass Hemden gar nicht spießig, sondern im Gegenteil sehr sexy aussehen können. Wie ihr das Hemd lässig anziehen wollt, haben wir aber noch nicht richtig verstanden. Manchmal steckt ihr es in die Hose hinein, an anderen Tagen lasst ihr den Saum frei um eure Hüfte baumeln. Ist das Hemd-raus-oder-rein-Ding ein Indikator eurer Gemütslage? Die Jungsantwort: Ja, das ist eine interessante Sache. Hemdentragen muss man auch lernen. Als mittlerer Junge findet man es eher affig, diese ganzen Knöpfe vorne, immer alles viel zu groß, der eckige Kragen nervt und so weiter. Aber irgendwann hat man dann ein erstes gutes Hemd und merkt, dass es Kontur gibt und selbst den schluffigsten Oberkörper ein wenig festhält. Richtig getragen ist ein Hemd natürlich nur in der Hose und die wiederum muss einen Gürtel haben, der den Übergang schön gestaltet. Zisch - so kommt man durch den härtesten Tag und übersteht auch einen innerlichen Domino Day äußerlich ziemlich unbeschadet. Aber im Spiegel sieht man damit eben auch aus, wie frisch von der Wallstreet und wenn man in Zweifellaune ist, empfindet man den Gürtel als Biederstrick, die Hemduniform als desaströs unlässig und überhaupt hat man doch eigentlich noch ein Skateboard unterm Bett! An diesen Tagen hängt das Hemd dann also aus der Hose. Übrigens eignen sich natürlich nicht alle Hemden dafür, deswegen hat der Junge von Welt eine Auswahl an kürzeren Raushäng-Hemden und längeren Anzughemden


Jungs, wie geht ihr einkaufen? Kollektiv shoppen gehen ist dem Klischee nach eine unserer liebsten Gemeinschaftsaktivitäten. Vorausgesetzt, dass weder eure Mütter noch eure Schwestern noch eure Freundinnen euch durch die Fußgängerzone begleiten: Habt ihr auch manchmal Spaß daran, zusammen einkaufen zu gehen und euch vor dem Umkleidespiegel zu beraten? Oder macht ihr so was lieber alleine? Wie gestaltet ihr denn die Nachschubbeschaffung von Klamotten? Die Jungsantwort: Na, auf das Modeurteil unserer Kumpel geben wir nicht so viel und wenn, würde es uns komisch vorkommen zuzugeben: „Du ziehst dich immer so schön an, gehst du mal mit mir zum Pimkie, äh, Männer-H&M?“ Einkaufen selber macht uns, würde ich mal sagen, heute fast genauso viel Spaß wie euch. Das sind unsere Väter, die in der Hosenabteilung einen Tobsuchtsanfall bekamen, wenn es länger als fünf Minuten dauerte. Wir hingegen streifen einsam mit der Kreditkarte durchs T-Shirt-Revier und hoffen auf den großen Fund, der euch ein Lob abringt und unseren Kumpels das größte Kompliment, zu dem sie in dieser Angelegenheit fähig sind: „Ey, wo haste denn das edle Teil abgestaubt?“


Jungs, wie haltet ihr es mit Schmuck? Halsketten aus dicken Holzperlen stehen nur australischen Surfern. Und selbst Wolfgang Petry hat sich seine Freundschaftsbänder-Sammlung vom Arm geschnitten. Auf Verschönerungen solcher Art verzichtet ihr also, dachten wir. Des Öfteren sieht man jetzt aber wieder Lederbänder um eure Handgelenke und Ketten mit „Haifisch“-Zähnen um euren Hals baumeln. Die Jungsantwort: Zur Kommunion kriegen wir so ein Halskettchen geschenkt, mit Kreuz dran. Das tragen wir etwa bis zum Stimmbruch fleißig, ohne darüber nachzudenken. Dann sehen wir einen amerikanischen Kriegsfilm, in dem Rambo und seine Kerle so eine lässige Kennmarke um den Hals baumeln haben, während sie aus Hubschraubern springen. Das erscheint uns dann eine Zeitlang als der einzig wahre Schmuck: Funktional, brutal, massiv. Diese Idee hält sich bis etwa zum Zivildienst, den wir aus Versehen mit einer umgelegten Holzperlenkette absolvieren, die uns die wilde Ferienliebe beschert hat. Eintrittsbänder von Festivals dienen in dieser Phase leider lange über ihren eigentlichen Zweck hinaus als Armband. Auch dabei gilt: Bloß nie Schmuck, um des Schmuckes willen. Es muss schon immer was dahinter stecken: Ironie, Emo-Attitüde oder eben eine Frau. Später dann, wird es schmuckmäßig ziemlich übersichtlich. Wir brauchen kaum mehr Abzeichen, tragen ja fast nicht mal mehr Band-T-Shirts und wissen, dass uns Zierrat jeder Art nur angreifbar macht. Eine gute Uhr, ein Tattoo vielleicht, aber das war’s dann auch.


Jungs, hättet ihr gerne mehr Auswahl? Die Modebewussteren unter euch beschweren sich gerne mal darüber, dass wir Mädchen unbegrenzte Möglichkeiten hätten, uns zu kleiden. Allein unsere Beine können wir in lange Hosen, kurze Hosen, lange Röcke und kurze Röcke stecken, in jeweils unzähligen Formen und Schnitten. Neidisch? Die Jungsantwort: Nun, da fällt mir was anderes dazu ein. Wir würden eher gerne insgesamt noch so ein bisschen besser versorgt werden. Euch Mädchen wird alles, was mit Mode zu tun hat, hinterher getragen: gute Geschäfte, haufenweise Fachzeitschriften, allein die Wühltische in euren Dessous-Abteilungen! Jungs haben nie einen Wühltisch mit 676 verschiedenen Unterhosen, obwohl sie auch mal gerne drin wühlen würden. Nein, unsere drei verschiedenen Modelle liegen immer in Pappkartons im Regal. Für uns wurden auch keine hippen, globalen Einkaufsketten entwickelt, stattdessen warten in der Hirmer-Sakkoabteilung griesgrämige Verkäufer. Die Männerabteilungen bei H&M, Zara und Co., nehmen immer nur ein Drittel eurer Flächen ein und die Kollektionen wechseln auch nicht zweiwöchentlich komplett, sondern ergänzen sich alle halbe Jahre mal um türkise T-Shirts. Wir sind da einfach benachteiligt, das ist doch ganz offensichtlich


Jungs, tragt ihr gerne wieder Hut? Wie gut sah doch Humphrey Bogart in „Casablanca“ aus, mit Hut. Auch englische Gentlemen sorgten mit Schirm, Charme und Melone für einen stilvollen Auftritt. Trotzdem war der Hut eine zeitlang vollkommen von der Bildfläche verschwunden. Praktisch ist er ja, der Hut. Ihr könnt darunter eure Fettmatte verstecken und größer wirkt ihr damit auch. Pete Doherty und seine Indie-Gefolgschaft machen es bereits vor, also...? Die Jungsantwort: Das Thema fühlt sich irgendwie ähnlich hartnäckig an, wie die Herrenhandtasche, aber es liegt doch anders. Die Männerwelt trug bis in die 60er-Jahre Hut und es sah damals eigentlich auch ganz gut aus. Es macht jetzt immer noch Spaß, sich einen aufzusetzen, wobei unser Hutwissen wirklich stark nachgelassen hat – und die Hutversorgung auch. Aber irgendwie fühlen wir uns doch kostümiert damit, es gilt für das Huttragen ähnliches wie für das Tragen einer Fliege – wer das Teil selbstbewusst trägt und den Charakter dazu hat, kann damit alles gewinnen. Viele andere, die halbherzig damit ankommen, wirken exzentrisch und nur auffällig.


Jungs, warum will niemand von euch Modedesign studieren? Ob Yves Saint Laurent, Hedi Slimane, Tom Ford, John Galliano oder Marc Jacobs: Bis auf vereinzelte Ausnahmen sind alle männlichen Modedesigner dieser Welt schwul. Dass euch das Entwerfen von Mädchenklamotten nicht interessiert, leuchtet noch ein. Allerdings gibt es sogar kaum heterosexuelle Designer in der Männermode. Dabei müsst ihr doch selbst wissen, was ihr tragen wollt. An Kunstakademien und Modeschulen ist weit und breit keine Spur von euch. Warum? Die Jungsantwort: Das weiß ich nicht. Ohne mich weiter damit auseinandergesetzt zu haben, würde ich aber, vor die Wahl gestellt, Möbel oder Mode zu designen, lieber Ersteres machen. Andererseits, wenn es irgendwann mal Pullover aus Beton gäbe…


Jungs, sollen wir uns immer nur hübsch und vorteilhaft kleiden? Es gibt bestimmte Kleidungsstücke oder Trends, die offensichtlich nur Frauen und ihre schwulen Freunde kapieren. Zeltförmige Sackkleider zum Beispiel. Oder mehrlagige Drapierungen. Oder Lackleggins. Von Jungsseite werden solche Extravaganzen eher selten honoriert. Euch ist es anscheinend lieber, uns jeden Tag in einem schönen Rock zu sehen. Ein bisschen süß und ein bisschen sexy, das reicht euch schon, gell? Die Jungsantwort: Nein, Mädchen, ihr sollt euch ruhig auch mal widerlich und unvorteilhaft kleiden. Wenn das eurer modischen Entwicklung dienlich ist, bitte sehr. Aber ganz verstehen wir es doch nicht, wir Männer tragen seit hundert Jahren: Hose und Hemd. Eskapaden davon halten sich in Grenzen, weil es sich eben bewährt hat und gut aussieht. Und darum geht es doch beim Anziehen von Sachen, oder? Siehst du, wir verstehen es nicht. Aber ihr könnt es uns ja dann erklären. Ich empfinde unseren Part jedenfalls als leichter: Keiner erwartet von uns ein Schwanenkostüm auf dem roten Teppich.


Jungs, habt ihr einen Turnschuh-Tick? Uns Mädchen stehen bekanntlich sehr viele Schuhformen zur Verfügung, bei euch komprimiert es sich mehr oder weniger auf die eine: den Turnschuh. Um euren Nachtteil auszugleichen, habt ihr euch bei Marke und Design eurer Treter einen Fetisch angeeignet und verehrt eure geliebten Sneaker fast religiös. Stimmts? Die Jungsantwort: Naja, vielleicht in dem langweiligen Maße, in dem man euch einen Handtaschen-Tick unterstellen kann. Klar gibt es Typen, die ihre Schuhe als Statussymbol herumtragen und davon vielleicht sogar welche, die richtige Sammlungen anlegen. Aber das ist vernachlässigbar. Grundsätzlich gilt: Turnschuhe gehen bei uns schnell kaputt, wir können kaum genug davon haben. Aber natürlich gibt es für uns noch viel bessere Schuhe als Turnschuhe. Sehr gute Herrenschuhe sind handwerkliche Meisterwerke, die ewig halten. So was gibt es doch für Frauen gar nicht, das was ihr hortet, ist doch eher so Zuckergebäck mit Absatz, das nach einem Sommer ausgebleicht ist. Aber dazu kommen wir dann demnächst, wenn wir euch die Modefragen stellen dürfen! max-scharnigg

Text: xifan-yang - theresa-steinel