Die Mädchenfrage

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„Ob eine Frau in der ersten Nacht mit mir schläft, oder mir einen bläst, läuft auf dasselbe hinaus“, las ich neulich in einer Frauenzeitschrift oder war es bei Michel Houellebecq? Es gehe um den Akt der Penetration selbst, behauptete der Autor jedenfalls, nicht um die betroffene Körperöffnung. Ich bin erstaunt. Die meisten Mädchen sehen die Sache nämlich differenzierter. Für die einen ist der Geschlechtsverkehr einfach die logische Folge von Knutschen und schließt eben relativ problemlos daran an – Oralsex gibt es aber nur, wenn wirklich Gefühle im Spiel sind. Für die anderen verhält es sich andersrum: anything goes in der ersten Nacht, wenn der Junge es halbwegs verdient hat. Nur das richtige Miteinanderschlafen hebt man sich für die besonderen Jungen auf. Vertreterinnen beider Lager habe ich persönlich kennen gelernt – was ich nicht kenne, ist ein Mädchen, dem es einfach egal ist, wie es passiert. Schließlich haben wir es hier mit zwei völlig unterschiedliche Levels der Intimität zu tun, die individuell unterschiedlich empfunden werden. Macht es für Jungs wirklich keinen Unterschied, ob die Hingabe mit dem ganzen Körper oder nur dem Mund statt findet? meredith-haaf Die Jungsantwort

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Die Frage ist gemein. Wir sind doch nicht die Melkkühe der Evolution, denen egal ist, wie ihr Druck abgebaut wird. Sex ist selbst für uns Emo-Versager nichts, das wir uns irgendwie „verdienen“ wollen. Auch wenn wir mit eurer Unterwäsche auf dem Kopf vielleicht nicht mehr besonders kluge Sachen sagen, kriegen wir noch mit, was uns letztlich umfängt. Und dabei hätten wir Teilzeit-Machos gerne bitte die Illusion, dass es auch für Euch nett sein könnte. Man kriegt ja schließlich – jenseits von Geburtstagen - ungern als einziger die Geschenke. In der ersten Nacht schon gar nicht. Denn es ist uns durchaus bewusst, dass für Euch das Erteilen eines blowjobs wohl nicht viel stimulierender ist, als ein Zahnarztbesuch. Wir wollen aber nicht nur wohltätig sein, wir denken auch an uns - nach dem klassischen Beischlaf können wir ohne allzu quälende Bringschuldsorgen wegdösen. Das ist wesentlich einfacher, als „Soll ich jetzt mal bei dir?“, säuseln zu müssen. Auch anatomisch ist Körpermitten-Sex irgendwie interessanter, denn mal ehrlich: Wir sind gerade in der ersten Nacht ziemlich neugierig und wie euer Mund aussieht und küsst, wissen wir ja schon. Natürlich haben wir auch immer Geschichten im Hinterkopf, bei denen Clubtoiletten, Rockstars und bananelutschende Blondinen ihre Rollen spielen. Und natürlich wollen wir auch manchmal Rockstar und Banane sein. Aber dann könnt ihr uns ja einfach mal kurz lächelnd den Vogel zeigen, wie wärs? Illustration: dirk-schmidt