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Neulich in einer Damenrunde kamen wir auf das Gespräch Verhütung zu sprechen. Eine der Damen hatte sich nämlich vor Kurzem so ein Verhütungsstäbchen in den Oberarm einsetzen lassen. So ein streichholzgroßes, biegsames Plastikteil ist das, das weniger Hormone enthält als eine Pille. Wir waren natürlich alle ganz neugierig und haben alle ihren Arm gestreichelt, um zu schauen, wie sich das anfühlt und wollten natürlich auch wissen, wie das so ist mit den Nebenwirkungen etc. Weil wenn man’s nicht verträgt und wieder rausnehmen lassen muss, hat man mal eben ein paar hundert Euro in den Sand gesetzt, was ich aber noch weniger schlimm fände, als monatelange ununterbrochene Blutungen, Haarausfall, sexueller Unlust oder Depressionen. Alles schon vorgekommen. Natürlich nicht nur bei dem Stäbchen, sondern auch bei der Pille, weshalb sich das Verhüten manchmal nicht ganz einfach gestaltet. Ich habe deshalb irgendwann beschlossen: ich habe keine Lust, jahrelang Hormone in mich rein zu fressen und verhüte deshalb mit Kondomen. Das habe ich auch in der Damenrunde gesagt und bekam natürlich gleich das obligatorische: „Da spürt er doch gar nix“ zurück. Kondome seien unsinnlich, unerotisch und unromantisch, hören wir immer wieder von euch, wenn es um das Thema Verhütung geht. Allein wie sie riechen und dann dieses Rumgefummel und man hat ja auch nicht immer einen griffbereit, sondern muss noch mal ins Bad huschen oder so. Und der Sex an sich ist auch nur noch der halbe Spaß, weil man spürt halt so wenig und hat keinen direkten Körperkontakt mehr, was ja total unnatürlich und Lust tötend ist. Ach Gottchen, denke ich mir da manchmal, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Vor allem verglichen mit Haarausfall, Depressionen und Dauerblutungen. Denn das ist wirklich Lust tötend. Abgesehen davon, dass diese Überstülp-Pause tatsächlich nervt, behaupte ich mal: So groß ist der Unterschied nun auch wieder nicht. Für uns jedenfalls macht mit oder ohne Kondom gefühlstechnisch im Grunde keinen Unterschied. Ich muss ja gestehen, dass ich es mit Kondom sogar angenehmer empfinde, weil ich es hasse, wenn ein Teil des Spermas wieder aus mir raus suppt. Aber jetzt mal Hand aufs Herz, ist es wirklich sooo schlimm? Fühlt ihr mit Kondom wirklich weniger?


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So gerne würde ich jetzt antworten: Neulich, in der Herrenrunde, da kamen wir auch auf das Thema Verhütung – aber nö, wäre eine böse Lüge. Verhütung ist unter Jungs ein Thema wie der Klimawandel unter SUV-Fahrern: Irgendwo tief drinnen weiß man schon, dass es wirklich wichtig ist – aber eigentlich denkt man nie an Folgen, sondern will nur ordentlich Gas geben. Verhütung, das ist immer das Problem der anderen. Die einzige Ausnahme ist das Kondom. Das geht uns dann doch nahe. Zu nahe, finden manche Jungs. Sex mit Kondom, sagen sie, sei wie Duschen mit dem Regenmantel – irgendwie wird man da zwar auch sauber, aber es fühlt sich nicht wie sonst an. Ganz falsch ist das nicht, weil da, wo es bei euch schön ist, ist es eben nicht nur warm und weich, sondern auch feucht. Allerdings – auch wenn manche Jungs das gar nicht gerne hören – ist Sex kein Erlebnis, das für Männer nur in Dolby-Surround funktioniert, frei nach der Formel „Nur wenn alle Sinne aufgeschaltet werden, läuft es.“ Im Gegenteil. Manchen Jungs genügt, wenn sie ein Mädchen ein bisschen an der richtigen Stelle anfasst, um schon vorher das zu bekommen, was sie nachher als vorzeitigen Samenerguss beklagen. Wenn es also eine Formel geben sollte für die Rolle des Fühlens bei unserem Sex, dann, glaube ich, lautet sie eher: Wenn wir in Fahrt sind, ist das einzelne Gefühl gar nicht mehr entscheidend, warm, feucht, wurscht, Hauptsache los jetzt – wir sind eher ungeduldig, was das große Fühlen angeht, deswegen spielt das kleine eigentlich keine Rolle. Nein, wir fühlen mit Kondome nicht weniger. Wir fühlen vielleicht ein wenig anders, aber das ist nicht wirklich wichtig. Das Problem mit den vermaledeiten Kondomen ist eher ein anderes: Sie können die Gefühle schon stoppen, bevor wir in Fahrt sind – und hey, „Überstülp-Pause“ ist da noch ein sehr sachtes Wort, finde ich: Es gibt wenige so entwürdigende Bilder wie einen Jungen, der versucht, in Hitze und Eile ein Kondom über seinen Ständer zu stülpen, natürlich wegen Ungeduld die falsche Seite erwischt, diesen dämlichen Abroll-Rand deswegen nicht abrollen, sondern nur noch aufrollen kann, das Ding also wieder runter pfriemeln muss, dann umdrehen, dann dieses Reservoir zusammendrücken, dann noch mal drüber stülpen, dann schnell runter zerren – also ehrlich, das macht keinen Spaß. Vor allem, wenn man schon vorher denkt, Teufel, Teufel, das geht bestimmt schief. Klar, Übung macht den Meister, aber den Jungen, der in jeder Lage immer und jederzeit ohne Probleme ein Kondom handhaben kann, den möchte ich gerne kennen lernen. Und das ist es, was uns Kondome manchmal nicht mögen lässt. Das ist aber auch alles, Hand aufs Herz. durs-wacker