Ist es toll, der Hahn im Korb zu sein?

Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches versteht man einfach nicht bei denen.
stefanie-heiss
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Illustration: Julia Schubert


Vor ein paar Jahren war ich mit Freunden eine Woche in Paris. Wir waren zu acht und ich war das einzige Mädchen. Anfangs habe ich mich gefragt, ob das gut gehen kann mit so vielen Jungs. Tatsächlich wurde es ein absolut entspannter Urlaub. Gerade bei Städtereisen ist es schwierig, sich zu einigen, welche Sehenswürdigkeiten man anschauen möchte. Da fangen wir Mädels auch gerne mal an zu streiten, weil keine von uns nachgeben will. Das ist mir zum Beispiel mit drei Freundinnen passiert, mit denen ich in Italien im Urlaub war. Und nach unserem Zoff war die Stimmung nicht nur für ein paar Stunden schlecht, sondern für drei Tage. Mit den Jungs in Paris war es dagegen einfach. Jeder hat einen Vorschlag gemacht, was er sehen möchte. Wer das auch wollte, hat sich angeschlossen, wer nicht, hat sich was anderes gesucht. Noch schnell eine Uhrzeit ausgemacht, wann sie sich wieder treffen wollten und los ging’s. Es gab nie Ärger, wer als nächstes ins Bad darf, weil Jungs es einfach gar nicht erst stundenlang belegen. Zum Abendessen war jedes Restaurant recht, gerne auch eine Dönerbude, denn die Hauptsache war, dass es dort Fleisch gab. Beim Spaziergang durch die Stadt mussten wir nicht alle fünf Meter vor einem anderen Laden halten, weil einer aus der Gruppe tolle Schuhe oder eine Handtasche erspäht hatte. Abends vor dem Weggehen haben wir uns ein paar Sixpacks gekauft, eine Parkbank gesucht und geredet. Jungs verstellen sich nicht, auch wenn sie wissen, dass ein Mädchen in der Runde ist. Das heißt zwar auch, dass ich das ganze Programm an Rülpsern mit anhören musste, aber für einen stressfreien Sightseeing-Urlaub würde ich das jederzeit wieder in Kauf nehmen. Nur eine Sache hat mich wirklich gestört: Meine beiden Zimmerkollegen haben ganz schlimm geschnarcht. Das wäre mir mit meinen Mädels nicht passiert.   

Aber wie ist das eigentlich mit euch Jungs? Fühlt ihr euch auch so wohl, wenn ihr der Hahn im Korb seid? Könntet ihr als einziger Junge nur mit Mädchen einen Ausflug machen oder in den Urlaub fahren? Ist es ein tolles Gefühl, nur mit Mädchen um die Häuser zu ziehen oder fühlt ihr euch irgendwann unwohl?  

Die Jungsantwort von Christian Berg liest du auf der nächsten Seite.



Es gab mal eine Zeit, in der ich Erzieher werden wollte. Das war ein berechnender Gedanke, weil ich wusste, dass männliche Erzieher eher selten sind und weil ich fest davon ausging, dass man als kinderlieber Mann in einer Klasse voll mit kinderlieben Frauen der King sein müsse. Außerdem, so dachte ich, würde in einer solchen Hahn-im-Korb-Situation all das Werben und Konkurrieren und Eifersüchteln ganz einfach wegfallen. Für den Fall, dass mir eines der Mädchen gefiele, würde mir zumindest während der Schulzeit kein anderer Junge bei meinen Versuchen, ihr den Hof zu machen in die Quere kommen. Der Hahn im Korb sein, das ist nach meinem Wissen also ein Jungstraum. Leider verliert dieser Traum mit den Jahren an Frische. Zumindest bei mir.

Im Studium zum Beispiel bin ich wegen meines Studienfaches immer wieder in rein weiblichen Gruppen oder Seminaren gelandet. Anfangs fand ich es aufregend. Ich machte bei jeder Gelegenheit Witze und versuchte sehr cool zu sein. Ich gerierte mich tatsächlich wie ein Hahn im Korb! Den Grund dafür kann ich mir nicht mehr genau erklären. Klar, es war im ersten Semester und vielleicht war ich noch nicht das, was man erwachsen nennt. Mir haftete einerseits noch so eine pubertäre Macho-Attitüde an, andererseits war ich vielleicht noch ein Muttersöhnchen, das im Kreis der Frauen nach ein bisschen Halt suchte und deshalb nach Aufmerksamkeit krähte. Wie auch immer, es ging schief. Nach drei Treffen im Seminar hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass mich zwei Mädchen auslachen würden. Das verunsicherte mich zutiefst. Eigentlich waren sie ganz freundlich zu mir, aber doch schienen sie mich nicht ernst zu nehmen.  

Erst später begriff ich, dass ich von den Mädchen kategorisiert worden war. Einige hatten mich, ganz zurecht, in die Schublade „Gockel“ gesteckt und daraufhin ausgelacht. Das habe ich erst viel später erfahren, als aus einer Frau aus dem Seminar meine Lernpartnerin wurde. Wir waren zu einem gemeinsamen Referat verdonnert worden und plauderten. Sie sagte mir einmal sogar, dass sie verwundert sei, weil ich ja in Wahrheit ganz anders sei. In diesem Moment begriff ich, dass sich Jungs zum Zwecke der Eigenpromotion gerne verstellen, sobald sie sehen, dass sie Hahn im Korb sind. Sie überagieren, weil sie tatsächlich so durchgeknallt sind zu glauben, sie hätten bei allen Mädchen eine reelle „Chance“, nur weil sie der einzige Junge seien. Mädchen hingegen sehen, wenn sie die Hennen im Korb sind nur ganz gelassen dabei zu, wie ihnen geschieht.  

Aber dieses Überagieren der Jungs geht nach meiner Beobachtung vorbei. Dieses Hahn-Gespiele kommt nur solange vor, wie man unsicher durch die Welt stakst. Irgendwann kommt nämlich eine Zeit, in der es wurst ist, ob man der Hahn im Korb ist. Irgendwann wird nämlich auch ein normaler Mann müde, sich unter Frauen anders zu verhalten als unter Männern. Und das ist schon auch tröstlich.

Christian Berg



Text: stefanie-heiss - Cover: nici_piept / photocase.com

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