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Die Mädchenfrage Die öffentliche Vorführung von unziemlichen Körperfunktionen fällt eigentlich in euren Zuständigkeitsbereich. Freitagabend in der Stammkneipe: Einer von euch macht einen donnernden „Rüüüüüülps!“ Anschließend guckt er stolz in die Runde. Die anderen klopfen ihm anerkennend auf die Schultern und versuchen ihn schließlich in einer uferlosen Rülpskaskade an Dezibel und Intensität zu überbieten. Die Qualität einer solchen Leistung ist für euch anscheinend graduell messbar. Müssen Mädchen aufstoßen, halten die allermeisten ihre Hand schützend vor den Mund und versuchen das Geschehende möglichst zu kaschieren. Dass man sich für so simple Dinge Respekt von Mitmenschen einholen kann, war uns bisher noch nicht so klar. Eine kleine Minderheit aber tut es den Jungs gleich – auch in Sachen Motivation und Vehemenz. Meine Mitbewohnerin beispielsweise flatuliert alle Kerle unter den Tisch. Dafür erntet sie meistens anstrengende Tadelblicke, auch und vor allem von Geschlechtsgenossinnen. Bei näherer Betrachtung kann es aber auch vorteilhaft sein, sich gegen die langweiligen Perwollmädchen zu profilieren, die nie aus den sozial erwünschten Verhaltensschemata ausbrechen. Hiermit will ich einigen von euch unterstellen, dass ihr beherzte Mädchenbäuerchen und -pupser auch insgeheim ein kleines bisschen süß und lustig findet. Denn auch Ekelpaketübungen können wir mit Anmut durchexerzieren. Oder etwa nicht? Anders gefragt: Dürfen wir so sein wie ihr? Die Jungsantwort findest Du auf der nächsten Seite!


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Die Jungsantwort Die Frage ist gar nicht leicht zu beantworten. Das liegt auch daran, dass Frau Roche gerade die ganze Republik mit sozial despektierlichem Verhaltensrepertoire in Aufruhr versetzt. Letztendlich ist Roches Botschaft ja: Mädchen, traut Euch, eklig zu sein! Ihr habt ein Recht dazu. Dieses Recht möchten/können/dürfen wir Euch auf keinen Fall absprechen. Schließlich sind wir es ja auch. Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen: Wir haben insbesondere als pubertierende Wesen an zahlreichen Rülpswettbewerben teilgenommen und so manchen auch gewonnen. Und noch heute kann ein richtig platzierter Aufstoßer in einer homogen maskulinen Gruppe, sofern er kraftvoll, laut und von innen heraus kommt, Eindruck schinden. Für uns bedeutet es letztlich: Wir sind unter unseresgleichen, wir können unseren körperlichen Bedürfnissen freien Lauf lassen, wir können uns gehen lassen. Freunde, vor denen wir rülpsen können, sind unsere engsten. Das ist fast schon eine Form von Intimität. Ich möchte jetzt nicht in die Roche-Falle tappen und diese Thematik ausweiten – nur soviel: Die ganze Argumentation lässt sich treffend auch auf andere körpereigene Gase übertragen. Aber Ihr merkt schon: Wir sind im Moment sogar verbal ein wenig gehemmt. Das liegt daran, dass wir gerade mit euch sprechen. Verknotete Schamhaare und sekretige Avocadokerne hin oder her: Ihr seid für uns immer noch die saubere Hälfte. Mehr sogar: Ihr bringt uns sogar dazu, uns „zivilisierter“ zu verhalten. Wenn wir nämlich in irgendeiner Form an Euch interessiert sind, behalten wir im Normalfall unsere Körpergase für uns. Denn wir wissen: Wenn wir rülpsen, ist das nämlich nie süß, sondern fast immer vulgär. Und jetzt kommt die Antwort: Wir erwarten von Euch dasselbe. Nicht, dass wir es prinzipiell verwerflich finden, aber ihr solltet es Euch für gleichgeschlechtliche Runden aufheben. Ausnahmen gibt es, vor allem dann, wenn Ihr uns einfach ganz normal ankumpeln wollt. In diesem Fall gilt für uns wie für euch: Was raus muss, muss raus. johannes-siebold