Jungs, findet ihr unser Untenrum wirklich schön?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
valerie-dewitt

Die Mädchenfrage:

 



Gut hat's, wer seinen Körper mag. Es ist aber auch total okay, nicht alles daran strahlend schön und supersexy zu finden, vor allem die Teile, die man nicht so oft sieht und die auch von anderen kaum gesehen werden. Füße beispielsweise sind in vielen Fällen keine Schönheiten, aber die stecken die meiste Zeit ohnehin in Schuhen oder unter Tischen und solange sie ihren Dienst tun, können die Zehen ruhig schrumpelig und die Fersen verhornt sein. Ein weiterer Teil von uns, den wir selten sehen, ist unsere Vagina, denn auf die einfach mal so einen Blick zu werfen erfordert starke Verrenkungen oder den nackten Gang über einen Spiegel. Das ist auch ganz gut so, denn viele von uns finden das weibliche Geschlechtsorgan ganz objektiv betrachtet eher hässlich. In einer Pressemitteilung zur Entwicklung der Intimchirurgie, die im Dezember die Runde machte, wurde unter anderem der Hang zur Intimrasur dafür verantwortlich gemacht: „Sobald der intime Kahlschlag vorgenommen wurde, sieht ‚Frau' plötzlich, was ihr vielleicht vorher nicht so aufgefallen wäre."

Nun hat natürlich eine Freundin sehr recht, die einmal sagte: „Man kann doch etwas, das einem so viel Freude bereitet, nicht hässlich finden." Und wenn uns unser Untenrum dann gerade Freude bereitet, finden wir es auch gar nicht hässlich, das finden wir bloß, wenn wir es ganz nüchtern betrachten. Man könnte sagen, dass in unserer Beziehung zu unserer Vagina das zählt, was im Leben doch am besten immer zählen sollte: die inneren Werte.

Aber ihr, liebe Jungs, geratet jedes Mal, wenn ihr das Bild dessen seht, was wir zwischen den Schenkeln mit uns führen, in helle Begeisterung ob der wohlgeformten Schönheit, die sich dort verbirgt. Und ihr behauptet felsenfest, dass das nichts mit dem zu tun hat, zu dem es euch dient, nichts, mit der Freude, die es auch euch bereitet. Sondern, dass es einfach ein echt ästhetisches Naturprodukt ist.

Jetzt mal ehrlich, findet ihr das wirklich? Wenn ihr mal versucht, einen richtig objektiven Blick darauf zu werfen – ist da nicht doch ein bisschen Hässlichkeit, ein bisschen zu viel rot und speckiger Glanz? Oder ganz ernsthaft nur Blüte und Zartheit und weiche Formen?



Die Jungsantwort:


Puh, ich ahne, dass es schwierig wird dieses schöne Sujet auch in schöne Worte zu fassen. Ich fange mal so an: Neulich geisterte irgendein NSFW-Link durch die Redaktion, wo man dann eines Musikvideos voller quakender Vaginen (der Duden will es so!) ansichtig wurde. Die Jungs guckten sich das amüsiert-interessiert an. Die Damen stieben kreischend auseinander oder zogen zumindest leicht angewidert die Oberlippe hoch. Wenige Tage später wiederholte sich diese Reaktion mit einem Link zu kunstvoll tätowierten, aber dennoch sehr nackten weiblichen Geschlechtsteilen (soll ich mal Vulven schreiben? Lieber nicht.) „Puh, ist das explizit“, stöhnten die Geschlechtsgenossinnen.

Fast schien es mir nach diesen Begebenheiten, als könnten Männer mit dem Anblick einfach sehr viel vertrauter und lässiger umgehen als ihr. Das klingt zwar höchst paradox, schließlich ist es ja „eures“, dann aber auch wieder logisch. Ihr betrachtet das entsprechende Körperteil, wie du schreibst, schon bei euch nur sporadisch, bei anderen wohl noch seltener. Wir Jungs aber sind etwa seit dem zwölften Lebensjahr darauf konditioniert, Vulva-Ansichten zu suchen, sammeln, archivieren. Wir haben, selbst bei unterdurchschnittlichem Interesse für Pornographie, hunderte davon gesehen und sind dabei niemals kreischend auseinandergestoben (weil das sowieso nur Mädchen können), im Gegenteil, wir haben jede einzelne aufmerksam und wohlwollend studiert. Der Trieb will es, dass wir also je nach Lebensumständen eine nicht geringe Energie darauf verwenden, genau das zu visualisieren, was ihr so undamenhaft und missraten findet. Was für ein Gegensatz! Wir schauen am liebsten hin, ihr schaut am liebsten weg.

Deswegen kämen wir Heteros schon eher niemals auf die Idee, das ganze herrliche Gewurschtel unter neutral-ästhetischen Gesichtspunkten zu betrachten. Das wäre ja in etwa so, als würde ein Astronaut im zweiten Lehrjahr anfangen, den Mond mal unter landschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten - und dann als eher öd abtun. Nein, alles in uns drängt nun mal dorthin und es interessiert uns im Affekt sowieso kein bisschen, ob da eine Falte mehr oder eine Farbnuance dunkler ist als anderswo. Es wäre im Gegenteil, höchst langweilig, wenn alle Vaginen gleich aussähen, gerade deswegen sind wir ja so interessiert daran, immer neuer ansichtig zu werden - weil keine ist wie die andere, aber alle irgendwie gut. Freilich, da hast du recht, es gibt Bereiche am Körper, die etwas besser aufgeräumt, etwas dezenter designt sind. Aber hat ein Ellenbogen Charakter? Bietet eine Wade Platz für kühnste Phantasien? Nö.

Ich verstehe, dass euch mit euren gezupften Brauen, eleganten Augenaufschlägen und trainierten Fesseln, dieses kleine Chaos-Körperteil bisweilen wie ein unzivilisierter Überrest aus der Frühzeit der menschlichen Evolution vorkommt, aber ich bin ziemlich sicher, dass weder die Männer damals noch wir heute daran irgendetwas auszusetzen finden. Das ist bemerkenswert, weil wir jedes andere Detail an euch ja durchaus kritisch beleuchten. Brüste, Hintern, Figur etc. wird ja kleinlich rauf und runterdekliniert, aber noch nie war ich an einem Männergespräch beteiligt, in dem sich jemand über den Striezenpampel (Max Goldts Wort dafür, trifft es immer noch am besten) seiner Ex beschwert hätte. Der Grund dafür ist wohl ziemlich profan: Selbst mit einem total verhauten Exemplar lassen sich diese ganzen tollen Dinge anstellen.

Wenn ihr eurige also nun allen Ernstes und in jungen Jahren schon zum Intimchirugen schleppen und dort begradigen, strecken oder bügeln lassen wollt, dann tut ihr das natürlich für euch und vermutlich in der Wahnvorstellung, alle anderen Frauen hätten einen ordentlicheren Unterleib. Lasst es euch sagen: Keine mir intim bekannte Madame war mit ihrem Souterrain zufrieden und alle waren sie doch - großartig.

fabian-fuchs

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