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Es gibt Tage, an denen brauchen wir dringend einen Extra-Schluck Selbstbewusstsein. Manchmal bekommen wir den von einem netten Menschen, manchmal kaufen wir uns irgendeinen Quatsch und manchmal ziehen wir einfach die Klamotte an, die all das für uns erledigt. Ich spreche hier nicht von den gemütlichen Lieblings-Kapuzen-Pullover, mit dem man sich unsichtbar machen kann oder so fühlen, als hänge man den ganzen Tag auf der Couch ab, sondern von dieser Art Kleidung, mit der man als wandelndes Ausrufezeichen durch den Tag geht. Wir Mädchen wissen nach einer peinlichen Zeit des Ausprobierens irgendwann, worin wir wirklich gut aussehen und in welcher Kleidung wir wie wirken. Dass wir in normalen Klamotten normal durch die Stadt gehen können, dass wir in der Kombination Schlabber-Jeans und Kapuzen-Pulli fast unsichtbar durch Uni-Gänge schlurfen können und dass wir mit einem bestimmten Outfit jede Menge Reaktionen hervorrufen. Ich bin mir sicher, dass jedes Mädchen mindestens eine solche Garnitur von Sexy-Klamotten im Schrank hat. Das fängt mit der Unterwäsche an: Der Inhalt unserer Wäsche-Abteilung lässt sich unterscheiden in Alltags-Schlüpfer, verruchte Seiden-Wäsche für wenn wir es krachen lassen wollen und extra hässliche Buxen mit Löchern, die wir in Zeiten anziehen, in denen wir ein bisschen Angst vor uns selbst haben. Zum Beispiel bei Treffen mit Jungs, die zwar unwiderstehlich aufregend sind, aber uns garantiert nicht gut tun. Sobald wir uns auf gefährlichem Terrain bewegen, erinnern wir uns an die hässlichste aller Unterhosen und schlagen daraufhin Einladungen zur Besichtigung der Briefmarkensammlung aus – zumindest, solange wir noch zurechnungsfähig sind. Ähnliches gilt für obenrum. Die speziellen Super-Sexy-Kostüme können je nach Mädchen ganz verschieden ausfallen. Allen gemein ist aber, dass wir uns darin wohlfühlen, dass sie uns größer machen und dass wir uns darin anders fühlen – auffälliger, hübscher, besser. Damit wir uns nicht falsch verstehen: es handelt sich hier nicht um ein möglichst knappes, alles enthüllendes Kleid, mit dem wir billig unsere sekundären Geschlechtsmerkmale zu Markte tragen. Damit, auch das wissen wir, können wir zwar auch sehr viele Reaktionen hervorrufen, aber auf diese Art der Aufmerksamkeit legen wir keinen Wert. Meine spezielle Sexy-Klamotte ist beispielsweise ein schwarzer, schmal geschnittener Anzug, den ich mit Cowboystiefeln und weißem Hemd trage. Wenn ich mich in diesen Anzug zwänge, merke ich schon beim Gang zur U-Bahn, dass ich anders gehe. Und die Menschen anders ansehe. Und ich merke auch, dass sie anders auf mich reagieren. Es ist ein bisschen, als hätte ich mir das Super-Woman-Cape übergestreift und meine heimlichen Super-Woman-Kräfte angezapft. Und wenn ich damit abends ausgehe, reagieren die Jungs auch anders auf mich, als sonst. Ich werde beobachtet, von Fremden angesprochen, wahrgenommen. Möglicherweise liegt das gar nicht an dem Anzug, sondern an der Attitüde, die ich mit ihm überstreife, aber das ist ja auch ganz egal. Hauptsache, es wirkt und macht uns fröhlich. Und ihr, Jungs? Habt ihr auch so einen sexy Anzug in eurem Schrank hängen? Oder habt ihr von der Superkraft bestimmter Kleidungsstücke noch nie gehört? Auf der nächsten Seite kannst du die Jungsantwort lesen

Die Jungsantwort:

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Da fällt mir vorweg die Feststellung meines Kino-Kumpels Martin ein, anlässlich eines vom Alkohol befeuerten Nachdenkens über Swingerclubs (es war schon spät). „Ich wüsste ja nicht mal, was ich da anziehen soll“, so sprach er nachdenklich und wir mussten ganz hübsch giggeln, angesichts der Vorstellung, mit weißem Unterhemd und oller Boxershorts auf einer Swingerparty aufzukreuzen. So einen richtigen Sex-Dress haben wir also nicht, wobei ich da nicht für die Kerle mit Sonnenstudio-Abocard sprechen kann. Textilerotik im Sinne von radikaleren Dessous bekämen wir auch gar nicht, wie ihr, nebenbei im Kaufhof, sondern nur in Spezialgeschäften oder Versandkatalogen und selbst in dieser Heimlichkeit erscheinen der Leder-Shortie und das großlöchrige Netzhemd noch etwas zu speziell. Bewegen wir uns also weg von den Sorgen der Chippendales in Richtung eines normalen Jungen, der nicht Herzensmillionär ist und sich gerade seinem Kleiderschrank nähert. Und zwar mit der Ahnung, dass ihm ein wichtiger zwischenmenschlicher Abend bevor stehen könnte. Was zieht der an? 1.Möglichkeit: Seine Lieblingssachen. Das ist logisch, darin fühlt er sich wohl und sicher und bereit, dem Abend seine Spur einzuritzen. Es gibt eben diese T-Shirts, Hemden und Hosen, die einfach stimmen. Die genau richtig ausgewaschen oder angejährt sind, die sich trotz mancher Makel an den Körper angepasst haben, die auch nach fünf Stunden im Club noch sitzen und von denen, das ist auch wichtig, irgendjemand schon mal gesagt hat, dass er sie schön oder cool oder super findet. Denn solche Fremdurteile hängen an der Klamotte wie das Zettelchen mit „Dry Clean Only“. Das wird aber manchmal auch zum Problem, denn die Lieblingsklamotten und das, was die Kumpels cool finden, sind nicht immer auch die allerbeste Heartbreaker-Rüstung. Das tolle, original im Sonstwo-Ballhouse gekaufte Rancid-T-Shirt etwa, über das blutrot die Insignien der Band und anderes spritzen, schreckt zarte Damen möglicherweise ab. Irgendwann später in dieser Entwicklung tritt gelegentlich auch der Fall auf, dass jemand betont wenig auf die Urteile anderer gibt und dies auch bestgelaunt demonstriert, indem er im „Ich verbieg mich nicht“-Lieblingslook (Birkenstock+Wildlederblouson) zum Poussieren ausgeht. Trotzdem: Was wir mögen, lässt uns gut aussehen und gut aussehen wollen wir. 2.Möglichkeit: Extra-Klamotten Besonderer Abend, besondere Kleidung. Diese einfache Gleichung interpretieren gerade junge Jungmänner gelegentlich falsch, stecken sich ins auberginefarbene Satinhemd und stehen dann unlocker in Bügelfaltenhose neben dem DJ-Pult. Dann tritt meist ein, was jeder mal (vor allem in der Oper oder auf Hochzeiten) durchmacht und dann tunlichst vermeidet, der Klamotten-Krampf. Weil man das Zeug nicht gewohnt ist, fühlt man sich so geschmeidig wie ein Brückenpfeiler, man schwitzt, kann nichts ausziehen und im Klospiegel sieht man aus wie ein unglücklicher Bergrutsch. Wer freilich später einen guten Anzug zu tragen weiß und selbstsicher damit rumrennt, der macht damit auch beim Reggea-Festival bella figura. Was es außerdem in der Rubrik Extra-Klamotten gibt, sind Sachen die bei Mädchen Fummel heißen und sich bei Jungs meistens in aufwändig bedruckten T-Shirts (gerne mit Gold), glitzernden Discogürtel etc. erschöpfen. Damit wirkt man zwar leicht dekoriert, aber das kann ja nicht schaden, denken wir in solchen Fällen und nehmen uns John Travolta als Schutzengel. 3.Möglichkeit:Irgendwas Auch sehr verbreitet. Allen hagelnden Widersprüchen zum Trotz scheren sich ganz viele Jungs um Kleidung nicht allzu sehr. Das bedeutet aber nicht gleich, dass sie wie Plastikfässer rumlaufen, sondern nur, dass bei ihnen eben der Kleiderschrank wie der Kühlschrank funktioniert: Angezogen wird, was da ist. Passt schon. Wenn ein Pulli einen Fleck hat, ziehen sie emotionslos einen anderen an. Modesorgen sind ihnen fremd und hinsichtlich eines Dates haben sie immer die ruhige Gewissheit, dass ihnen dabei etwas anderes wichtiger ist als die Hülle. Das schafft meistens eine angenehme Flirtatmossphäre (weil es den anderen ansteckt!) und ergibt im besten Fall den lockersten und ungezwungensten aller Looks: Wie gewachsen, uneitel und schön. fabian-fuchs