Jungs, warum seid ihr als Single so unerträglich?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
penni-dreyer

Diese Beobachtungen von mir sind beileibe keine neuen, aber noch immer irritiert es mich enorm, wenn ich meinen männlichen Freunden dabei zuschaue, wie sie sich in den Tagen, Wochen, Monaten zwischen zwei Beziehungen benehmen. Aus einem mir unbekannten Grund, benehmt ihr Jungs euch in euren Single-Phasen nämlich recht oft ziemlich bekloppt. Ich will euch wirklich nicht alle über einen Kamm scheren, aber unter den Männern in meinem Bekanntenkreis gibt es eine recht große männliche Gruppe von Immer-mal-wieder-Singles, die alle dieselben folgenden Verhaltensweisen aufzeigen: Kaum ist ihre Beziehung beendet, beginnt eine Phase des manischen „Socialising“ –inklusive täglichen Anrufen bei Freunden, mit denen sie sonst nur im Halbjahresturnus zu tun hatten. Dazu kommt eine reichlich freche Anspruchshaltung an den engeren Freundeskreis, jetzt mal echt in die Bresche zu springen für die abwesende weibliche Hälfte. Das Ganze in Kombination mit einem konstanten Gejammer und Gegreine, wenn sie nach zwei Monaten immer noch keinen billigen Ersatz für den Menschen gefunden haben, mit dem sie Jahre, Wohnung und Herz geteilt haben. Dieses selbstgerechte Aufgerege, wenn auch nach wiederholtem Fingergeschnipse immer noch nichts „hergeht“, obwohl sie es sich wirklich wünschen! Und wenn sie sich zu Langzeitsingles erklären, obwohl noch nicht mal eine Monatsfrist verstrichen ist, seit die Ex ihre Sachen gepackt hat. All das in Kombination mit der Tatsache, dass diese Heuler dann meist nach zwei Monaten mit einer neuen Uschi daherkommen, bei deren Anblick man sich über die reichlich zurückhaltenden Anwendung irgendwelcher Maßstäbe leise wundert, bringt mich zur heutigen Mädchenfrage: Jungs, warum könnt ihr eure Single-Phasen nicht mit Anstand leben? Denn die Mädchen in meinem Bekanntenkreis, die nicht liiert sind, schaffen das ziemlich gut. Klar gibt es Krisen und manchmal auch einen Anflug von Torschlusspanik. Aber nichts, was nicht ein Napf voller Latschenkieferschnaps oder ein gutes Gespräch mit dem Spiegelbild nicht wieder richten könnte. Liegt es daran, dass wir tendenziell eher Bestätigung von Fremden bekommen, die uns unsere erotische Selbstsicherheit erhält? Ist es die Tatsache, dass uns nicht von klein auf diese Anspruchshaltung ans Leben eingebimst wurde, dass wir das gute Leben VERDIENEN? Oder ist es eure Unfähigkeit, euch mehr als zehn Minuten mit euch selbst zu beschäftigen? Oder ist es mal wieder ganz etwas anderes? penny-dreyer Auf der nächsten Seite kannst du die Jungsantwort lesen.


Ich möchte das gerne anhand von zwei Formeln verdeutlichen. Zunächst die Sache mit dem Singlesein allgemein: Singlesein ist ein instabiler Zustand. Das Alleinsein kann gar nicht lange Bestand haben. Zumindest in der Theorie geht es so: Wenn man jemanden kennenlernt und zusammen nach Hause geht, ist es entweder gut oder schlecht. Wenn es schlecht ist, lässt man es bleiben und macht ein Kreuz unter „One Night Stand – nicht gut“. Wenn es aber gut ist, liegt es nahe, die Sache zu wiederholen. Nach dreimal Sex plus eventuelles postkoitales gemeinsames Abhängen, kann man von einer Affäre sprechen. Wenn das gemeinsame Abhängen nervt, beendet man die Affäre wieder. Nervt es nicht, rutscht man von der Affäre in die Beziehung. Mathematisch ausgedrückt sieht das folgendermaßen aus: One-Night-Stand (+) -> Affäre (+) -> Beziehung („+“ verdeutlich hier das Adjektiv „gut“. ) Das ist vielleicht furchtbar unromantisch, weil in dieser Beschreibung weder ein gemeinsamer Zoobesuch, noch das Sitzen auf einer Parkbank im Herbst und das zaghafte Berühren einer Hand vorkommen. Diese Formel erklärt aber, warum das mit dem Singlesein und -bleiben so schwierig ist. Der Paarungs- und Bindungsdrang wirkt wie eine Fliehkraft auf uns und nur unter großer Kraftanstrengung gelingt es, dauerhaft Single zu bleiben. Um dauerhaft als alleinstehender Herr unterwegs zu sein, müssten wir immer dann, wenn die One-Night-Stands zu Affäre werden oder spätestens dann, wenn die Affäre sich in Richtung Beziehung entwickelt, einen Schlussstrich ziehen. Dazu sind Männer aber oft zu faul oder zu feige oder beides. „A bisserl was geht immer“, sagte der Monaco Franze einst. Und wenn ein bisschen was geht, schlittern wir, sofern wir uns nicht mit aller Kraft dagegenstemmen, in eine Beziehung rein. Wenn aber gar nix geht, ist das ohnehin scheiße. Nun zur zweiten Formel: Wir rutschen dann nämlich in eine Abwärtsspirale. Geht wenig bis gar nix, verlieren wir an Selbstwertgefühl, wirken somit weniger attraktiv, was wiederum dazu führt, dass noch weniger geht. Am Ende steht die völlige Einsamkeit. Für Männer ist es sehr wichtig, nie in die Abwärtsspirale zu rutschen. Die zweite Formel sieht also folgendermaßen aus: y = x*x (In Worten: Je mehr geht, desto mehr geht auch) Es gibt nur einen Weg, aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen. Wir brauchen unbedingt ganz schnell irgendjemanden, um zurück ins Spiel zu kommen. Im Boxsport nennt man so jemanden „Aufbaugegner“. Die Person muss nicht zwangsläufig superattraktiv sein, es reicht jemand, den wir so mittelgut finden. Gelingt der Aufbau, kann aus der Abwärts- schnell eine Aufwärtsspirale werden. Mit zunehmenden Erfolgserlebnissen steigt unsere Attraktivität, was wiederum zu mehr Erfolgserlebnissen führt. Ist doch alles ganz logisch. philipp-mattheis