Liebe Jungs, in den vergangenen Tagen haben wir ziemlich viel Herrenunterwäsche gesehen: Bilder von Justin Bieber überschwemmten das Internet, auf denen er durchtrainiert und tätowiert für Calvin-Klein in Boxershorts posiert. Das allgemeine Fazit der Medien dazu lautete: „Nun ist der Junge also endlich erwachsen geworden.“

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Genau diesen Zusammenhang – CK-Boxershorts und Erwachsensein – verstehen wir nicht ganz. Sind Form und Farbe eurer Unterwäsche etwa Ausdruck eurer geistigen Reife? Um diese Frage selbst beantworten zu können, fehlt uns inzwischen nämlich die Empirie. Früher, als ihr Jungs eure Hosen noch tief getragen habt, wussten wir sehr genau darüber Bescheid, welche Art der Unterbekleidung ihr tragt. Heute erfahren wir das nur, wenn ihr euch mal ausgiebig streckt, bückt oder hinsetzt. Und auch dann nicht immer.

Wir vermuten, dass es unter euch inzwischen verschiedene Unterhosen-Typen gibt. Dass da nicht mehr die einheitliche karierte Boxershorts von H&M regiert. Mittlerweile gibt es die Jungs, die Boxershorts mit einem breiten Bund tragen, auf dem in großen Buchstaben die jeweilige Marke geschrieben ist. Andere bevorzugen die weiten Modelle aus blau-rot-kariertem, leichten Stoff. Dann gibt es noch die, die nur einfarbige, enge Boxershorts haben – meistens in schwarz, weiß, grau, manchmal aber auch weinrot oder blau.

An manchen Tagen scheinen euch aber eure Standard-Unterhosen auszugehen und ihr greift zu völlig ausgefallenen Exemplaren: Neongrün-gelb kariert, in Lederhosen-Optik, mit kleine Bärchen, Weihnachtsmännern, Katzen oder Rennautos drauf. Diese besonderen Highlights eures Kleiderschranks kriegen wir allerdings sehr selten und eher im privaten Rahmen zu sehen.

Jetzt mal aufklären bitte: Was geht in eurer Unterhosenschublade? Gehört die bei euch zum Outfit dazu? War das nur früher mal so? Ist es Absicht, wenn da was rausguckt? Wenn ja, wie weit ist ok? Und was hat es mit diesen Ausrutscher-Unterhosen mit Weihnachtsmann-Aufdruck auf sich?   Auf der kommenden Seite liest du die Jungsantwort von Jakob Biazza.  




Fubu! Es sollte mit Fubu losgehen. Der Klamottenmarke. Meinetwegen auch Helly Hansen. Irgendein groß auf dicke Jacken aufgestickter Schriftzug jedenfalls, den Jungs mit Oberlippenflaum stolz präsentiert haben, während sie wissen wollten: „Ey, ist deine Mutter schwul, oder was?!“ Das gibt eine Idee von dem Kosmos, in dem wir uns bewegen, wenn Typen große Buchstaben auf breiten Unterhosenbünden präsentieren.

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Denn es gibt eine These zu Mode im Allgemeinen, die man meiner Meinung nach recht uneingeschränkt unterschreiben sollte: Man kann mit seinem Stil nicht nichts sagen. Das gilt für Schuhe, für Hosen, für Jacken, für T-Shirts. Und das gilt auch für Unterhosen.

Der Kollege Haberl hat im SZ-Magazin vor ein paar Jahren einen – wie ich finde – sehr stilsicheren Text darüber geschrieben, wie er die für sich perfekte Unterhose entdeckt hat. Aus dem klaue ich bedenkenlos, wenn ich sage: Die Unterhose eines Mannes verrät viel über die Persönlichkeit ihres Trägers. Noch mehr zeigt sie aber, wie er gerne wäre.

Daran lässt sich durchaus auch in Teilen das (geistige) Alter ablesen. Denn es gibt tatsächlich eine relativ festgeschrieben Chronologie beim männlichen Unterbeinkleid, die mit kleineren Abweichungen eher geradlinig von mütterlichen Nikolausgeschenken über erste eigene Experimente mit enger Markencouture (leider liefert CK den Sixpack nicht mit, weshalb wir das nach dem Trial-and-error-Prinzip schnell wieder lassen) bis hin zu entspannter Unauffälligkeit führt. Für rausschauende Shorts gilt grob folgende Formel: 25 – h = geistiges Alter (h = Länge der Shorts über dem Hosenbund in Zentimetern).

Die meisten von uns haben nämlich irgendwann gemerkt, dass Unterwäsche dann am besten ist, wenn sie nicht weiter auffällt. Das gilt für die Zeiten, in denen wir eine echte Hose drüber tragen. Und es gilt wohl sogar noch etwas mehr für die privaten Momente, in denen wir das nicht mehr tun. Insofern hast du schon Recht: Die Unterhose ist bei uns deutlicher Teil des Outfits – allerdings nur dergestalt, dass sie sich möglichst unsichtbar einfügt.

Was die anderen mit ihren auffälligen Unterhosen sagen wollen, lässt sich freilich nicht wie mit einem Wörterbuch übersetzen. Aber es ist sicher kein Zufall, dass einem neben Justin Bieber spontan nur Fußballer einfallen, die ernsthaft CK-Hugo-Armani-Unterwäsche ausstellen. Bei den wenigen Gelegenheiten, die ich in Gemeinschaftsumkleiden verbracht habe, war ich nicht überrascht davon, dass der Typ mit dem Tanga auch ein Tribal-Tattoo hatte. Und bei Neon und Leder-Optik (?!) mag ich nicht drüber nachdenken. Und ihr doch auch nicht.

Text: franziska-deller - Cover: gb/photodesign.de; Illustration: katharina-bitzl