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var s2 = new SWFObject("http://jetztimg.sueddeutsche.de/videocasts/flvplayer.swf","single","420","20","7");s2.addParam("allowfullscreen","true");s2.addVariable("file","http://jetztimg.sueddeutsche.de/podcasts/20090703_unterhaltung_lesung_maedchenfragen_zuendeln_ah.mp3");s2.addVariable("image","preview.jpg");s2.addVariable("backcolor","0x000000");s2.addVariable("frontcolor","0xCCCCCC");s2.addVariable("lightcolor","0x557722"); s2.write("player2"); Die Mädchenfrage zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio - dort gibt es auch weitere Fragen zum Anhören! Mal ehrlich, irgendwie habt ihr’s ja schon mit dem Feuer, das könnt ihr kaum mehr leugnen. Oft genug beobachte ich männliche Wesen, auf die lodernde Flammen und orangerote Glut eine mir bis dato unerklärliche Faszination ausüben. Vor allem dann, wenn sie sie selbst gezündet haben. Das fängt ja schon im Windelalter an. Man nehme nur einmal meinen Cousin, gerade neun Monate alt. Bringt noch kein anständiges Wort heraus, aber wie er da neulich meinen Schwager beim Entzünden der Gartenfackeln beobachtete, weiteten sich die Pupillen und der gewohnt dümmliche Blick, den Babys nun mal gerne drauf haben, wandelte sich in gebanntes Starren. Den Finger fiebrig geradeaus auf das Feuer gestreckt, kam es dann heraus, sein erstes „Da!“. Wahnsinn, wie so ein bisschen Licht zu einer solchen Erleuchtung führen kann. Und das hört ja auch nicht auf, im Gegenteil. Sobald die motorischen Fähigkeiten stark genug ausgeprägt sind, kommt die Zeit, in der ihr im Hinterhof mit der Lupe auf der Wiese sitzt und Grashalme ankokelt. Später, als große Jungs, tauscht ihr dann Brennglas gegen Feuerzeug, das ihr wie wild zum Einsatz kommen lasst. Und so gibt es im Club oder der Kneipe kaum ein Mädchen, das ihre Zigarette – sofern erlaubt – selbst anmacht. Die scheinbare Feuer-Faszination steigt nicht nur mit den Lebensjahren, sondern vor allem proportional zum Thermometerstand. Beim Grillen im Sommer oder am Lagerfeuer seit es immer ihr, die mit dem Petroleum hantiert, oder wann bringt schon mal eine von uns die Kohle zum glühen? Wenn ihr nach einer perfekt durchkomponierten Prozedur dann endlich damit fertig seid, kommt wieder dieses lakonisch-hypnotische Glotzen auf die Feuerstelle, bei dem ihr immer so unersättlich wirkt, als würdet ihr unseren Marshmallow-Spieß am liebsten auch noch in die Flamme halten. Ganz anders an Silvester, wo euch das Feuerwerk nur interessiert, solange es noch nicht am Horizont changiert. Während wir beim bunten Himmelstreiben verzückt die Köpfe strecken, habt ihr schon wieder die nächste Feuerwerksrakete abschussbereit platziert. Aber was ist es, das euch immer wieder zum Feuer greifen und irgendwas entfachen, zünden, anheizen lässt? Übt brennendes Holz einen gewissen Reiz auf euch aus? Machen euch der herbe Spiritusduft beim Grillen oder die Ausdünstungen beim Lagerfeuer, ja, irgendwie high? Ist es vielleicht doch die angenehm wohlige Wärme, das Knistern, an das ihr beim Anblick einer Flamme denkt? Ja, findet ihr am Ende Feuer gar sexy? Oder müsst ihr einfach zündeln? Auf der nächsten Seite: die Jungsantwort von Philipp Mattheis.


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Liebe Mädchen, folgende pyromanische Autobiografie mag vielleicht nicht exemplarisch für alle Jungs gelten, mag aber zur Beantwortung eurer Frage beitragen. Im Alter von 3 Mit dem Entstehen meines Bewusstseins (Prometheus!) erwacht in mir die Faszination für brennende Materialien wie Kerzen, Feuerzeuge und Streichhölzer. Wegen feinmotorischer Probleme und elterlichen Interventionen bleiben diese Kontaktversuche aber erfolglos. Im Alter von 7 bis 9 Meine Begeisterung für Brennendes und Explosives steigert sich ins Extreme. Noch umgibt alles der verwegene Hauch des Verbotenen. Messer, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht, sagt meine Oma und haut mir auf die Finger, als ich nach den Streichhölzern greife. An Neujahr streichen mein Bruder und ich durch die Straßen unseres Dorfes und suchen nach Blindgängern. An Fasching sammeln wir die Knallblättchen der Cowboy-Pistolen und reiben mit Geldstücken darüber. Im Alter von 10 Mein erster China-Böller! Der Nachbarsjunge hat mir einen abgegeben. Zusammen mit meinem Bruder fülle ich das Schwarzpulver in ein altes Marmeladengras, gebe ein Playmobilmännchen hinzu und versuche eine Lunte aus dem Glas heraus zu legen. Wir zünden die Bombe auf dem Fensterbrett. Statt zu explodieren, zischelt das Schwarzpulver vor sich hin. Leidtragender ist das Playmobilmännchen. Es erleidet Verbrennungen vierten Grades. Im Alter von 14 Das Zeitalter der Feuerzeuge beginnt! Allerdings treibt mich meine Pyromanie beinahe ins Verderben. Es ist die zweite Pause, F. und mir ist langweilig, wir gehen auf das Jungs-Klo, schnappen uns ein wenig Klopapier, um es auf dem Klodeckel anzuzünden. Es entsteht ein kleines, aber für einen geschlossenen Raum doch ganz beachtliches Feuer. Am Ende der Pause werden wir zum Direktor bestellt. Nach einer Standpauke beschließen wir, wenigstens die Asche wegzuräumen. Da der einzige Müllbehälter ein Papierkorb ist, entsteht ein Schwelbrand. Am Ende der fünften Stunde ist das gesamte Schulhaus verraucht, ein folgender Disziplinarausschuss verhängt eine „Androhung zur Entlassung“ und die nächsten beiden Jahre nennt man uns nur „Die Kloanzünder“. Im Alter von 15 bis 29 Das Tolle am Zigarettenrauchen ist der permanente Kontakt mit Feuer. Er führt dem Menschen mit jedem Zug nochmals den Akt des Prometheus, die Beherrschung des Feuers, vor Augen und zeigt ihm, welch göttlicher Funke ihn doch vom Tier unterscheidet. Die Nebenwirkungen sind leider nicht so himmlisch: schlechter Geschmack in der Früh, schleimiger Auswurf, Krebs. Feuer ist Leben, aber kann halt auch krank machen. Heute Ich bin vom schweren Raucher zum Wochenend-Raucher mutiert, Bomben habe ich seit 15 Jahren nicht mehr gebastelt und vom Klopapieranzünden bin ich auch weg. Nur an Silvester erwacht der alte Feuerteufel noch einmal zum Leben. Unter einem 36-teiligen Raketen-Set und drei Packungen D-Böllern rutsche ich nicht ins neue Jahr. Wenn dann alles knallt, blitzt, rattert, zündelt, schwelt, leuchtet und explodiert, legt sich ein irres Grinsen über mein Gesicht. Ich bin dann sehr glücklich. philipp-mattheis