Jungs, wieso das Rückenklopfen zur Begrüßung?

Fühlt ihr euch in einer Umarmung dann männlicher?
Von Martina Holzapfl und Jakob Biazza

Hauptsache: Reset - Geschichten übers Neuanfangen. Hier findest du alle Texte aus unserem Schwerpunkt-Thema.

Illustration: Katharina Bitzl

Die Mädchenfrage:

Liebe Jungs,  

neulich haben wir mal wieder zwei Männer dabei beobachtet, wie sie sich umarmt haben. Das ist immer sehr amüsant. Mann 1 geht entschlossen auf Mann 2 zu, Mann 2 zuckt kurz ängstlich, schnallt dann, dass jetzt joviale Instant-Lockerheit angesagt ist, und beide setzen eine entschlossen aufgeschlossene Miene auf, fallen sich in die Arme, bleiben in der Beckengegend aber irritierend auf Abstand, so dass es aussieht, als würden sie durch einen hüfthohen Stacheldrahtzaun voneinander ferngehalten, und lassen sich unter betont unangestrengtem Lachen ein „Haaallo, na, alles gut?“ über die Schultern sausen und dann, Achtung!, klopfen sie. Einmal, zweimal, dreimal, je nach Verve und Charakterstärke der Umarmenden schnell und hektisch, oder zaghaft und schlaff, oder grob und kräftig. Aber sie klopfen, standardmäßig.

Wir haben mal kurz gebrainstormt, wie der Engländer sagt. Und zwar über die Frage: Wann und warum genau bedient man sich eigentlich der Kulturtechnik des Klopfens?

a) Wenn man nicht stören will, sozusagen als eine Art vortastende Ankündigung der Botschaft: Hier komm ich, ist das ok?

b) Wenn man der Höflichkeit halber Anerkennung zollen muss, aber auch wirklich nur der Höflichkeit halber und nicht etwa aus innerem Bedürfnis (in der Uni oder in einer Konferenz),

c) wenn jemand sich verschluckt hat, oder ein Bäuerchen machen muss,

d) Wenn ein Mann, der zwischen 1850 und 1964 geboren worden ist, einem anderen Menschen zu verstehen geben will, dass er stolz auf ihn ist.  

So richtig viel schlauer macht uns das jetzt nicht über eure Klopf-Angewohnheit. Eine Gemeinsamkeit aber haben alle Zwecke des Klopfens: Wenn sie nicht gerade der Aufrechterhaltung der Gesundheit dienen, haben sie vor allem etwas mit Zwang zu tun und Etikette und einer etwas altmodischen Form von Respektzollerei.   Ist es das, was ihr sagen wollt, wenn ihr einen Mann umarmt: „Respekt!“? Wir verstehen es nicht. Wir sind ja eher so: Umarmen, loslassen. Oder Bussi. Oder Umarmen, einmal über den Rücken streichen, loslassen. Aber so rumklöpfeln? Nee, das haben wir irgendwie nicht im Programm. Erklärt euch bitte!

Die Jungsantwort:

Liebe Mädchen,

eine wichtige Frage! Und ein wichtiges Thema! Die Klatschender-Rückenklopfer-Umarmung löst nämlich ein durchaus drängendes Problem: das der Begrüßung mit der richtigen Nähe-Distanz-Balance. Sie ist die Ideallinie, wenn man jemanden sehr gerne mag, sich aber doch noch eine gewisse Kernigkeit im Verhältnis bewahren will. Was auch der Bereich ist, in dem wir sie einsetzen. Und zwar, weil sie von den anderen Begrüßungsmöglichkeiten das Beste nimmt und zu etwas zusammenfügt, das mehr ist, als die bloße Summe der Einzelteile.

Als andere Möglichkeiten wären da:

  • - der einfache, waagrechte Handschlag: viel zu förmlich!
  • - der High-Five: viel zu peinlich!
  • - der Halbvertikale-Gangsta-Handschlag auf Brusthöhe: viel zu gangsta!
  • - der „Ich fang mit dem Halbevertikalen-Gangsta-Handschlag auf Brusthöhe an, rolle mich dann aber noch seltsam in mein Gegenüber rein“-Schulter-Bumper; manchmal auch kombiniert mit einer halben Umarmung: zu abweisend, wenn man jemanden sehr gerne mag; außerdem viel zu eingerollt!
  • - die Hüfthohe-Klaps-auf-den-Po-Umarmung: nah dran, aber noch mehr was für Fußballer bei der Einwechslung
  • - die „Ich schließe dich mal ganz fest und mit maximalflächiger Berührung wie beim Reibungsklettern in die Arme“-Umarmung; oft einhergehend mit einem „Ich schau mal, ob was geht“-Gefühl: die ist schon drüber; machen wir deshalb aber bei euch manchmal gern – und dann auch eher zur „Verabschiedung“, gerne kombiniert mit leichtem Streicheln von Rücken oder Oberarm

Ihr seht an dieser Liste vermutlich sofort selbst, wo die Klatschender-Rückenklopfer-Umarmung zu verorten ist. Sie ist alles – und das in sehr fein justierbar:  

  • - das Heranziehen an die Brust und damit die Nähe, die man von einer guten Umarmung erwartet
  • - das Klatschen eines High-Fives (mal „Sons of Anarchy“ schauen und hören, wie saftig das auf den Lederkutten schmatzt, wenn die einander umarmen – herrlich!)
  • - die Flexibilität, den Umarmungsteil fest und innig zu gestalten, oder aber nach dem ersten Aufprall wieder etwas Luft zu lassen, womit es alle Nuancen zwischen Reibungsklettern und Schulter-Bumper annehmen kann
  • - auch auf Hüfthöhe
  • - je nach Klatsch-Höhe können auch Spuren von Klaps auf den Po enthalten sein
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Eine Begrüßung von erhabener Schönheit also. Seltsam eigentlich, dass ihr das nicht so macht.

Wir drücken euch, fest, maximalflächig und mit leichtem Streicheln von Rücken oder Oberarm,

Eure Jungs

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