Mädchenfrage: Sollen wir Pornos gucken?

Immer zum Wochenende: Mädchen fragen Jungs fragen Mädchen. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
durs-wacker

Die Mädchenfrage

Sag mal Junge: In letzter Zeit – es mag an Paris Hilton oder der neu eröffneten DVD-o-thek nebenan liegen – bin ich etwas unsicher geworden, ob ich noch ganz normal oder vielleicht doch völlig altmodisch verklemmt bin. Der Grund ist folgender: In meinem Leben habe ich noch keinen Porno gesehen. Klar, die Lederhosen-Erotikfilme und nackten Playboy-Frauen und manchmal auch künstlerisch wertvolle Bilder mit Geschlechtsteilen, das schon. Aber noch nie einen Pornofilm, also Verkehr auf bewegten Bildern. Mein Bedürfnis, diese bedauernswerte Bildungslücke zu schließen, ist auch nicht besonders groß und so habe ich mal im Mädchenfreundeskreis nachgefragt, wie es denn bei denen so ist. Das Ergebnis: Einige haben schon, andere nicht. Und keine hat im Brustton der Überzeugung gesagt, sie halte das für eine tolle Freizeitbeschäftigung. Natürlich können sie gelogen haben, vielleicht haben sie wirklich alle außer mir einen Tresor voll mit Fleisch-Videos. Ich weiß es nicht. Ich würde aber gerne mal wissen: Wie ist das eurer Meinung nach, sollten wir Mädchen uns mal einen Porno anschauen? Zum Mitreden, zum Anregen, zum miteinander darüber danach bei einem Glas Portwein diskutieren? Oder ist es schon ganz okay, wenn wir diese Bildungslücke mal Lücke bleiben lassen? Oder gibt es noch einen dritten Königsweg? penni-dreyer Die Jungsantwort

Na vielen Dank auch, Mädchen, da hast du mir ja was Schönes eingebrockt. Höhö!, röhrte der Chef, als er mir deine Frage hinlegte, und dann bekumpelte er mich mit ein paar dröhnenden Testosteron-Bemerkungen über Taschentücher und so. Deswegen darf ich jetzt die ganze Zeit, während in diesen Text schreibe, nicht aufs Klo gehen, weil wir haben ein Großraumbüro und alle gucken schon ganz komisch, ob ich das, wie man hier sagt, Hosentürl schon offen habe – wenn ich jetzt auf´s Klo ginge, schickten sie mir gleich den Praktikanten mit einer Packung Kleenex hinterher. Dabei, ganz ehrlich, ist sich auf Pornos einen runterzuholen nicht so mein Ding, und ich kenne auch keinen, der das zu den höchsten der Genüsse zählt. Warum? Weil Pornos immer so Zuchthengst-Rennstrecken sind: Film fängt an, sofort alle auf 180, man selbst dann auch, schwuppdiwupp das Taschentuch – und danach muss man sich dann noch drei Dutzend weitere Samenergüsse anschauen, was außer Superhengst (unter Zuhilfenahme von Filmschnitt und Viagra) kein Mann schafft. Und nichts ist so ungeil wie geschafft und erschlafft ein Strahlgewitter über sich ergehen lassen zu müssen, zu dem Frauen laut stöhnend ihre Köpfe hin und her werfen und Adjektive schreien ("Tiefer! Härter! Fester!"). Das nämlich ist die einzige Handlung aller Pornos, sie wird höchstens durch die Zahl der Schwänze variiert. Keine Ahnung, ob man darüber bei einem Glas Portwein diskutieren kann. Denke aber: eher nein. Denke dann: Nee, schaut euch lieber keine Pornos an. Sonst seid ihr entweder verschreckt wegen der wilden Vögelei, gespannt auf den Orgasmus-Highscore, den euer Bettgefährte in 90 Minuten schafft, oder begierig darauf, uns auch mal mit einer Reitpeitsche auf den Popo zu hauen – keine Ahnung, was davon das Schlimmste wäre. Anderseits: Wenn ihr alle Pornos anschauen würdet, wenn ihr euch alle Pornos kaufen, bestellen, wünschen würdet, wenn ihr alle in die DVD-o-theken und Schmuddelläden und Beate-Uhse-Geschäfte gehen würdet, um nach geilen Pornos zu fragen, vielleicht gäbe es dann endlich mal andere Pornos außer solchen hier mit Schwänzen im Stechschritt: Klingel: Dingdong Hausfrau: (jung, vollbusig, zufällig noch im Negligé) „Jaaaaaaaaa?“ Monteur: (jung, geil und Hosentürl offen) „Guten Tag, gnädige Frau. Ich komme, um ein Rohr zu verlegen.“ Hausfrau: „Kommen Sie doch rein, das Schlafzimmer ist oben links.“ Wenn ich mir das so überlege: Ich ziehe meine Antwort zurück – schaut Pornos! Schaut viele Pornos! Ja! Mehr! Mehr! Jaaa!

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